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Stadt feiert ihren prominentesten Sohn

Ehrenbürger Stadt feiert ihren prominentesten Sohn

Am Montag übergab die Stadt Amöneburg das Edelste, was sie hat, an ihren prominentesten Sohn. So drückte sich Michael Richter-Plettenberg während der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Ludwig Schick aus.

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Auf den Gottesdienst folgte der Festakt mit Übergabe der Ehrenbürger-Urkunde durch Stefan Heck (links) und Michael Richter-Plettenberg.

Quelle: Florian Lerchbacher

Mardorf. Stolz ist für die katholische Kirche eine Todsünde. „Da wir jetzt beim Staatsakt sind, darf ich es aber getrost sagen: Wir sind stolz auf Dich“, erklärte Amöneburgs Stadtverordnetenvorsteher Dr. Stefan Heck in Richtung von Bambergs Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick.

Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg ergänzte, der gebürtige Mardorfer sei vor allem mit seiner Verbundenheit zur Heimat, seiner Treue und seiner Bescheidenheit ein Vorbild für alle Bürger und ein exzellenter Botschafter der Stadt.

Die Stadt Amöneburg ehrt ihren prominentesten Sohn. Der Bamberger Erzbischof und gebürtige Mardorfer Ludwig Schick wurde mit einem festakt zum Ehrenbürger ernannt.

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Der Geehrte selbst hatte es sich nicht nehmen lassen, vor dem Festakt in seiner Heimatkirche ein Pontifikalamt zu zelebrieren, das er als „integralen Bestandteil der Ehrung“ bezeichnete: „Wenn aus mir einer geworden ist, der diese Ehrenbürgerschaft verdient, dann liegt es an Gottes Segen“, betonte er während des Gottesdienstes. Der Erzbischof führte drei Erklärungen an, warum Mardorf und seine Bürger erheblichen Einfluss auf seinen Werdegang hatten: Dank seiner Heimat verfüge er über das „Kapital“ des Glaubens und den „Schatz“ des Vertrauens. Zudem habe er in dem Amöneburger Stadtteil „gelernt, anständig zu leben“. Natürlich sei auch er „nicht immer gut“ gewesen und wisse über eigenes Versagen und Schuld: „Aber ich bin auf dem guten Weg geblieben, der mir hier gewiesen wurde.“

Entsprechend groß ist die Verbundenheit zu seinem Heimatdorf - die Schick auch immer wieder zum Ausdruck bringt. „Ech will en Maddorffer bleiwe -hey un en Bamberch“, rief er den rund 120 handverlesenen Gästen der Feierstunde zu.

Neben Bürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher fungierte der ehemalige hessische Wirtschaftsminister Dr. Alois Rhiel (Anzefahr) - ein langjähriger Freund Schicks - als Laudator. Er gab zwar nicht die von der einstigen pädagogischen Leiterin der Stiftsschule, Dr. Renate Hildebrandt-Günther, in Aussicht gestellten und von den Gästen erhofften Details über Streiche aus der Kindheit preis, räumte aber mit einem Gerücht auf. Immer wieder werde kolportiert, er sei in seiner Zeit als Oberbürgermeister von Fulda mit dem damaligen Weihbischof Schick morgens regelmäßig joggen gegangen: „Das stimmt nicht. Halb fünf ist mir viel zu früh.“

Anschließend zählte er in seiner Rede diverse Eigenschaften auf, die er und seine Familie mit Schick verbinden: Der Erzbischof sei unter anderem treu, unvoreingenommen, gütig, weltoffen, modern, progressiv, liebenswert, selbstlos, wissbegierig und kommunikativ. Außerdem habe er sich schon immer für das Wohl der Menschen einsetzen wollen - weshalb bei der Berufswahl einst auch eine Tätigkeit als Arzt oder Lehrer in Frage gekommen wären.

Als jemanden, der ihr Mut gemacht und Kraft gegeben habe, bezeichnete Hildebrandt-Günther ihren einstigen Schüler Ludwig Schick, den sie in der Obertertia (neunte Klasse) in Latein unterrichtet hatte. Die Klasse hatte gerade Cäsars „Bellum Gallicum“ gelesen und nichts verstanden, erinnerte sie sich. „Es wäre natürlich super, wenn ich jetzt erzählen könnte, dass wenigstens einer unter den Schülern war, bei dem das anders war“, sagte sie in Anspielung auf Schick. Das sei zwar nicht der Fall gewesen, aber der 15 Jahre alte, „aufmerksame, freundliche und zurückhaltende“ Mardorfer sei wenigstens einer gewesen, „der spürte, dass ich sie dazu anregen wollte, weiterzufragen und nach dem Sinn zu suchen“.

Auch der Erzbischof erinnerte sich an seine Schulzeit zurück -und damit auch an eine lange Krankheit und eine Operation. „Im Leben läuft nicht immer alles geradeaus“, sagte er und machte den Menschen Mut: „Man darf sich trotzdem nicht hängen lassen - und braucht Menschen, die einen begleiten.“ Und von denen findet er nicht nur in Mardorf einige.

150 Gläubige waren zu seinem Gottesdienst gekommen, den Schick zusammen mit Marcus Vogler und Pater Luzjan Hozer (den Pfarrern der Seelsorgeeinheit Amöneburg), dem ehemaligen Mardorfer Pfarrer Günter Wondrak und den Diakonen Dr. Paul Lang, Wilfried Jockel und Gerhard Jungmann zelebrierte. Für die musikalische Begleitung sorgte der Mardorfer Asini-Chor -dessen Mitglieder die Gelegenheit nutzten und Schick einen Scheck über 1200 Euro für dessen Stiftung „Brot für alle Menschen“ überreichten. Das Geld stammte aus Spenden, um die die Sänger während ihres Adventskonzertes gebeten hatten.

Nicht minder groß war die Unterstützung für die Stadt bei der Ausrichtung des Festaktes: Die Vereinsgemeinschaft versorgte die Gäste mit Essen und Getränken, das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Mardorf spielte gleich mehrere Stücke, und Lena Lauer gab in Tracht (ein Detail, das den Erzbischof besonders freute) unter Begleitung von Martin Gockel zwei Lieder zum Besten.

Dem Erzbischof stand die Freude über die große Ehre, die ihm zuteilwird - vor über 40 Jahren machte die Stadt Amöneburg im ehemaligen Fuldaer Bischof Eduard Schick letztmals einen ihrer Bürger zum Ehrenbürger -, ins Gesicht geschrieben. Mit großen Augen und einem strahlenden Lächeln verfolgte er die Veranstaltung, war sichtlich aufgeregt und erfreut, als er endlich die Urkunde über die Ehrenbürgerschaft in Empfang nehmen durfte, und trug sich genüsslich ins goldene Buch der Stadt ein.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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