Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Stadt erinnert an Kirchhainer Literatin

Jahresempfang Stadt erinnert an Kirchhainer Literatin

Im Mittelpunkt des Jahresempfangs der Stadt Kirchhain standen der Festvortrag des Enkels von Lisa de Boor, Hellmut Seemann, und die Ehrungen verdienter Bürger der Stadt.

Voriger Artikel
Klare Worte stoßen auf offene Ohren
Nächster Artikel
Ohne Prävention geht nichts

Stadtverordnetenvorsteher Willibald Preis (von links), Hellmut Seemann, der Enkel Lisa de Boors und Bürgermeister Jochen Kirchner präsentierten das Buch der Literatin. Foto: Klaus Böttcher

Kirchhain. „Zum Jahresempfang wird ein Jahresrückblick des Bürgermeisters erwartet. Bei anderen Empfängen ist dies der Höhepunkt der Veranstaltung“, sagte Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner. Der Stadt sei es gelungen, einen bedeutenden Festredner zu gewinnen, den eine kleine Stadt nur selten für einem solchen Anlass gewinnen könne: Hellmut Seemann, den Präsidenten der Klassik-Stiftung Weimar. Der Stadtverordnetenvorsteher Willibald Preis setzte noch eins drauf. Für ihn war die Zusage des Festredners „wie die Himmelsberger Kirmes und der Emsdorfer Fasching zugleich“.

Kirchner fasste sich entsprechend kurz, vermeldete den ausgeglichenen Ergebnishaushalt 2014 und zeigte sich zuversichtlich, dass dies auch für 2015 gelinge. Mit dem angenehmen Effekt, dass die Stadt dann aus dem Schutzschirm-Programm in die Haushalts-Autonomie entlassen werde.

Die Fertigstellung der Feuerwehrhäuser in der Kernstadt und in Anzefahr, die Baugebiete in Großseelheim und Sindersfeld, die Sanierung des Heimatmuseums Großseelheim und den Ausbau des südlichen Stadteingangs setzte Kirchner auf die Positivliste. Zudem würdigte er die Arbeit des sozialen Netzwerks und des Heimat- und Geschichtsvereins, die im vergangenen Jahr die neuen Räume bezogen. Dem gegenüber stehe der Ärger mit dem Schützenverein Großseelheim im Zusammenhang mit dem Lärmschutz und einem Neubaugebiet. „Leider will der Verein nicht mit uns sprechen, bestenfalls über seinen Anwalt“, sagte der Bürgermeister.

Willibald Preis hat 1999 damit begonnen, die Homepage der „Bedeutenden Kirchhainer“ einzurichten. Beim Jahresempfang stellte der Himmelsberger das Lisa de Boor (1894-1957) gewidmete 23. Kurzporträt vor. Die gebürtige Kirchhainerin hat sich als Lyrikerin, aber auch mit ihren Prosa-Texten einen großen Namen gemacht. Zugleich erwarb sich die Wahl-Marburgerin große Verdienste um die Marburger Kultur, um die Christengemeinschaft, die Volkshochschule, die Waldorfschule und um den überparteilichen Frauenverband. Bei all den Einrichtungen habe sie zu den Gründermüttern gehört.

Willibald Preis erzählte von seinen Nachforschungen zu dem Leben von Lisa de Boor in Kirchhain, wobei er mit Helmut Cunz und Wilhelm Noll gar noch Zeitzeugen gefunden hatte. Besonders freute er sich, die Neuauflage des Buches „Paradies der ersten Frühe“, in dem es um Lisa de Boors glückliche Kindheit in Kirchhain geht, einem Nachkommen überreichen zu dürfen: dem Enkel Hellmut Seemann, Präsident der Klassik-Stiftung Weimar.

„Liebe Großmutter, das hätte dir sicher gefallen, dass dein Enkel in deiner Geburtsstadt auf Einladung des Bürgermeisters aus deinen Aufzeichnungen liest“, begann Hellmut Seemann seinen Festvortrag. Er sprach seine Großmutter wiederholt persönlich an und brachte bedauernd zum Ausdruck, dass er von seiner nächsten Familie sehr wenig erfahren habe und von seiner Großmutter selbst wenig wisse, da er gerade drei Jahre alt geworden war, als diese mit 62 Jahren starb. Er spannte einen Bogen von Großmutters Zeit in Kirchhain, ihrer Heirat mit Wolfgang de Boor bis zu ihrem bedeutendem Wirken in Marburg und sagte zu ihrer Geburtsstadt: „Ich kann es nicht begreifen, dass ich noch nicht hier war, sondern es nur bis Amöneburg geschafft habe.“ Er verneige sich vor der Leistung seiner Großmutter, schloss Seemann. Bürgermeister Kirchner überreichte ihm die erste Ausgabe der Neuauflage des Buches „Paradies der ersten Frühe“ und ließ ihn sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen.

Musikalisch wurde die Veranstaltung vom Leistungskurs Musik der Alfred-Wegener-Schule gestaltet. Ein weiterer Bericht folgt.

von Klaus Böttcher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr