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Stadt Kirchhain erneuert Löschteiche

Wenn aus technischen Anlagen Naturschutzgebiete werden Stadt Kirchhain erneuert Löschteiche

Löschteich - das klingt nach einem Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert. Auf dem Land sind sie aber für den Brandschutz unabdingbar.

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Weil der marode Schieber entfernt werden musste, ist der verschlammte Schönbacher Löschteich bis auf den Schönbach trocken gefallen. In der kommenden Woche soll der Teich ausgebaggert werden.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Das wurde am Dienstagabend während der Sitzung des Kirchhainer Ausschusses für Umwelt und Soziales deutlich. Das Gremium befasste sich mit dem Zustand der Löschteiche in den Stadtteilen Schönbach und Emsdorf. Diese werden für den Brandschutz benötigt, da das Wasserleitungsnetz allein keine ausreichende Löschwasserversorgung im Brandfall gewährleisten kann.

Gleich doppelter Handlungsbedarf besteht in Emsdorf, denn der hoch gelegene Stadtteil hat und benötigt zwei Löschteiche. Der obere an der Willersdorfer Straße ist als solcher nicht mehr zu erkennen. Er sieht aus wie ein wegen fehlender Pflege außer Kontrolle geratener Gartenteich. Inzwischen hat der Naturschutz seine Hände über dem völlig überwucherten Becken.

Dieser Teich wird für den Brandschutz nicht mehr benötigt. Das berichtete Meike Bonsa, die bei der Stadtverwaltung für den Natur- und Umweltschutz zuständig ist. Für die Löschwasserversorgung im Oberdorf stehe jetzt ein stillgelegter, neu abgedichteter Hochbehälter bereit.

Auch der große Löschteich an der Burgholzer Straße bereite Probleme. Das von einem Bach gespeiste Gewässer habe durch Sedimenteinträge an Volumen verloren. Zudem sei ein Teil der Uferböschung instabil geworden. Verantwortlich dafür sei mutmaßlich ein Anlieger, der oberhalb des Teiches gebaut habe und ungefragt über städtischen Grund am Teich entlang mit schweren Maschinen zu seinem Grundstück fahre, sagte Meike Bonsa.

Die Stadtverwaltung schlage vor, das Ufer durch Anpflanzung von Weiden und Erlen zu stabilisieren und dem Anlieger einen drei Meter breiten Geländestreifen für eine Grundstückszufahrt zu verkaufen. Um den Teich zu vertiefen, müsse das Wasser abgepumpt werden. Mit Rücksicht auf den Naturschutz müssten die Ausschachtungsarbeiten von der Teichmitte aus erfolgen, um die Uferzone zu schützen.

Hartmut Pfeiffer beklagt die mangelnde Pflege

Der Emsdorfer Stadtverordnete Hartmut Pfeiffer (CDU) kritisierte, dass beide Teiche als technische Anlagen erbaut worden seien und durch unterlassene Pflege durch die Stadt nun zu Fällen für den Naturschutz geworden seien. Für ihn besonders krass: Der Teich an der Willersdorfer Straße ist ein aus Beton erbautes und mit Bitumen abgedichtetes Becken. Da das Becken nie gereinigt wurde, mutierte dies über die Jahrzehnte zum Biotop.

Bürgermeister Jochen Kirchner äußerte Verständnis für diese Kritik. Die Stadt habe einfach keine Kenntnis von der Existenz dieser Anlage gehabt, erklärte er.

Auch Schönbachs Ortsvorsteher Dieter Lauer beklagte sich über mangelhafte Pflege des Schönbacher Löschteichs. Dem widersprach Meike Bonsa nicht. Der verrottete Schieber des Teichs habe ausgebaut werden müssen. Das Fassungsvermögen des verschlammten Teiches reiche nicht mehr für die Löschwasserversorgung aus. Deshalb bestehe sofortiger Handlungsbedarf.

Schon in der kommenden Woche werde der Teich mithilfe eines speziellen Langarmbaggers auf die notwendige Tiefe ausgebaggert, sagte Meike Bonsa. Dann werde der Löschteich auch wieder seine Hochwasserschutz-Aufgabe erfüllen können. 2011 habe sich nach einem Starkregen-Ereignis eine Schlammwelle ins Dorf ergossen. Der ertüchtigte Teich solle den Schlamm künftig aufhalten, erklärte sie.

Für den 40-Tonnen-Bagger hat die Stadt in den vergangenen Tagen eigens den kleinen Weg neben dem Feuerwehrhäuschen befestigt. Der Weg und der Standplatz für den Bagger blieben, so dass künftig der Spezialbagger bei Bedarf auch kurzfristig den Löschteich ausbaggern könne, ergänzte Bürgermeister Jochen Kirchner.

von Matthias Mayer

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