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Springer trainieren Notlandung im Wasser

Springer trainieren Notlandung im Wasser

Rund 200 Soldaten aus der Stadtallendorfer Division Schnelle Kräfte trainierten am Edersee den Absprung mit dem Fallschirm aus 400 Metern Höhe über dem Wasser.

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Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte springen über dem Edersee ab. Helfer der DLRG helfen ihnen anschließend wieder an Land.Fotos: Peter Gassner

Waldeck. Plötzlich geht es ganz schnell. Über den Hügeln rund um den Edersee taucht eine riesige Transall-Transportmaschine auf. Auf diesen Moment haben die Helfer an Land sowie einige Dutzend Schaulustige seit Stunden gewartet, der Start am Flughafen Kassel-Calden hatte sich aufgrund des Wetters nach hinten verschoben. Innerhalb von Sekunden springen die Soldaten aus der Transall und die Fallschirme öffnen sich. Mit fünf bis sieben Metern pro Sekunde fallen sie in Richtung See, wo sie schließlich mit leichtem Aufspritzen in das Wasser eintauchen. Nur wenige Augenblicke später sind bereits die Helfer der DLRG vor Ort und ziehen die Fallschirmjäger aus Stadtallendorf in ihre Boote.

„Männer der ersten Stunde“ in Krisen

Wenn es brenzlig wird, sind sie die ersten am Einsatzort. In Krisensituationen sind Fallschirmjäger „die Männer der ersten Stunde“, sagt Major Kieron Kleinert. Sie haben die verantwortungsvolle Aufgabe, deutsche Staatsbürger im Ausland zu schützen, zu befreien (etwa bei einer Geiselnahme) und wenn nötig, zu evakuieren. Die Springer können schnell aus dem Transportflugzeug heraus eingreifen, noch bevor das Heer mit größeren Verbänden anrücken kann.

Sollte es tatsächlich einmal zu so einem Krisenfall kommen, sei es „dann enorm wichtig, das Handwerkszeug zu kennen“, erläutert Major Kleinert, Pressesprecher der Division Schnelle Kräfte (DSK) aus Stadtallendorf. Regelmäßig trainieren die Fallschirmjäger daher Sprünge an Land - Landungen auf dem Wasser sind hingegen planmäßig nicht vorgesehen. Für einen Feind an Land wären Soldaten im Wasser leichte Ziele.

„Bei 100 Springern ist es aber nicht unwahrscheinlich, dass ein oder zwei in einem See oder Fluss landen“, so Kleinert weiter. Dementsprechend sei es wichtig, auch dieses Notverfahren zu trainieren. Es gilt als eines der schwierigsten Manöver für Fallschirmspringer. „Man muss in diesem Fall damit umgehen können - das heißt nicht in Panik geraten, den Schirm lösen und sich mit der Umgebung vertraut machen“, erklärt er. Schmerzhaft sei der Aufprall jedoch nicht: „Man versucht, eher sanft einzutauchen. Das ist nicht wie eine Bombe vom Zehner“.

Generalmajor Andreas Marlow, Kommandeur der DSK, bestätigt das. „Man ist erst mal etwas verdutzt und muss sich orientieren“, so der General, der über dem Edersee seinen ersten Wassersprung absolvierte. Das seltene Training sei für die Sprungausbildung sehr wertvoll und bereite zudem auch noch Spaß. „Das Wetter passt, ich darf hier ins Wasser springen und bekomme sogar noch Geld für etwas, für das andere bezahlen“, scherzt er. Die Orientierungslosigkeit im See sei auch nur von kurzer Dauer. „Die DLRG unterstützt uns ja hervorragend und zieht einen sofort aus dem Wasser heraus“, lobt er die Helfer vom Stützpunkt in Waldeck.

Mit 30 Personen sorgte die DLRG dafür, dass der Sprungbereich auf dem See abgesperrt wurde, zog die Soldaten zunächst in die Boote und dann mit weiteren Helfern von den Booten aus an Land. „Für uns ist das eine der realistischsten Übungen, die man sich vorstellen kann“, sagt Stützpunktleiter Klaus Schultze. „Das ist eine Gelegenheit, lebende Personen aus dem Wasser zu ziehen - so etwas können wir sonst gar nicht nachstellen“. Nicht nur die Bundeswehr profitierte dementsprechend von dem Training.

Die „Infrastruktur“ der DLRG Waldeck ist laut Kleinert einer der Gründe, warum die Übung - an der auch niederländische und amerikanische Soldaten beteiligt waren - ausgerechnet am Edersee stattfand. Zudem handele es sich „um ein großes Gewässer, das eine entsprechende Absprungfläche bietet - hier besteht nicht die Gefahr, dass einer der Springer aus Versehen im Baum landet“. Mit diesen Voraussetzungen ist der Edersee eines von nur drei Gewässern in Deutschland, in dem Automatiksprünge durchgeführt werden. Zudem liegt er in geografischer Nähe zu Stadtallendorf.

Dass die Aktion ausgerechnet in den Sommerferien, in denen auch viele Badegäste am Edersee weilen, geplant wurde, liegt in erster Linie am Wetter. Ein wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sei aber „ein schöner Nebeneffekt“, so Kleinert.

Die rund 200 Sprünge wurden gestern und vorgestern planmäßig ausgeführt. Am Ausweichtermin heute wird es somit zu keinen weiteren Sprüngen kommen.

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