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Sport als Trumpfkarte der Integration

Flüchtlingshilfe Sport als Trumpfkarte der Integration

Die Stadt Neustadt und die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge wollen Sportstätten wieder herrichten. Passend dazu weitet der bsj, der für die Gemeinwesenarbeit zuständig ist, sein Sportangebot aus.

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Matthias Bunzel (von rechts) – hier im Begegnungstreff – konzentriert sich bei der Gemeinwesenarbeit in Neustadt voll auf Sport. Martin Methfessel bietet unter anderem Boule-Nachmittage an, Annika Schlüter lädt zur Gartenarbeit ein.

Quelle: Florian Lerchbacher

Neustadt. Sport ist äußerst geeignet, um rasch eine erste Integrationsarbeit zu leisten und Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen zusammenzuführen. So lautete das zentrale Fazit eines runden Tisches, an dem unter anderem Vertreter der Stadt Neustadt, des VfL, des bsj, der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) und die EAE-Ehrenamtskoordinatorin Janneke Daub vom Diakonischen Werk Platz genommen hatten.

Und so wundert es kaum, dass die Neustädter den Flüchtlingen mehr Sportangebote unterbreiten wollen - beim Sport ist Sprache schließlich auch kein Hindernis. Aus diesem Grund will die Stadt die beiden Sportplätze und das Basketballfeld auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne herrichten. Zudem ist geplant, ein Volleyballfeld zu gestalten, Tischtennisplatten aufzustellen und einen Fitness-Raum einzurichten.

Flüchtlinge sollen sich in Sportplatz-Projekt einbringen

„Wir bekommen für die Flüchtlinge in der Kommune 5000 Euro und für die Flüchtlinge in der EAE zwischen 15000 und 20000 Euro zugewiesen“, berichtet Bürgermeister Thomas Groll und betont, das Geld in und außerhalb der Kaserne zu investieren: „Eigene Haushaltsmittel werden nicht benötigt. Vielleicht kommt der Bauhof partiell zum Einsatz.“ Den Rasenplatz habe die Stadt zum Beispiel schon einmal gewalzt und gemäht. Beim Herrichten der Sportstätten sollen dann auch die Flüchtlinge helfen.

Laut Groll ist geplant, in Kleingruppen die „konzeptionellen Überlegungen“ voranzutreiben, um mit den Fördermitteln die entsprechenden Anschaffungen zu tätigen und Sportangebote zu unterbreiten. Es gebe beispielsweise den Ansatz, dass Einheimische und Flüchtlinge gemeinsam das Sportabzeichen erwerben, sagt der Bürgermeister und hebt hervor, dass sich neben der Stadt auch der VfL und Intertürk Neustadt in das Projekt einbringen wollen.

Bereits weitaus konkreter ist vor allem das Sportangebot, das der bsj in der Gemeinwesenarbeit den Flüchtlingen - vornehmlich denen, die der Kommune zugewiesen wurden - unterbreitet. Passend dazu hat der Marburger Verein gerade erst in Matthias Bunzel (34) einen neuen Mitarbeiter eingestellt, der sich auf diesen Bereich spezialisiert hat: Im Jahr 2013 schloss er sein Sport- und Eventmanagement-Studium in Riesa ab. Danach war er in der Bildungsstätte Wetzlar der Sportjugend Hessen tätig, wo er sich um das sportpädagogische Angebot kümmerte.

Nun jedoch entschloss er sich, auch beruflich gezielt für Flüchtlinge tätig zu werden - ehrenamtlich engagiert er sich bereits bei einem Sportverein in Aßlar für die Integration durch Sport. Dabei kennt er eigentlich keine Grenzen: „Naja, mit Reiten habe ich es nicht so.“

N euer bsj-Mitarbeiter konzentriert sich auf Sport

In der vergangenen Woche war er bereits mit vier Syrern in der Kletterhalle in Marburg. Danach ging es in die Halle der Waldschule, wo er donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr - einer Zeit, die der VfL zur Verfügung stellt - Basketball und Tischtennis anbietet. Mit Volker Schmidt, dem Leiter der Martin-von-Tours-Schule, habe er zudem bereits darüber gesprochen, freitags zwischen 13 und 15 Uhr auf einem Hallendrittel Volleyball spielen zu lassen: „Aber da gehen die Deutschkurse natürlich erst mal vor“, betont Bunzel. An einigen Stellen müssten eben noch organisatorische Dinge geklärt werden.

Bisher gebe es Kontakt zu acht Flüchtlings-Familien, die in Neustadt leben: „Ein Teil kommt schon in den Begegnungstreff - aber noch lange nicht alle“, wirft Martin Methfessel ein und weist darauf hin, dass es in eben jenem Begegnungstreff immer vormittags zwischen 10 und 13 Uhr ein Beratungsangebot für Flüchtlinge zu Fragen des alltäglichen Lebens aber auch speziellen Themen gebe.

Für Frauen organisiert Annika Schlüter - die Dritte im Bunde der Gemeinwesenarbeit - donnerstags zwischen 16 und 17 Uhr eine Sportstunde. Mal mehr, mal weniger würden die weiblichen Flüchtlinge dies annehmen. Wenn sie dabei seien, dann aber mit ganzem Herzen: „Sie haben Lust, etwas für sich zu machen. Ich bot ihnen auch einmal ein Mutter-Kind-Turnen an - das kam aber nicht so gut an“, berichtet sie und gibt als Langzeitziel eine Durchmischung der Gruppe an. Das bedeutet, dass Flüchtlingsfrauen und Neustädterinnen zusammen trainieren sollen.

Zielgruppe dieses Angebots sind zwar vornehmlich die Flüchtlinge, die Neustadt zugewiesen wurden - aber auch Flüchtlinge aus der EAE sind willkommen (sofern es der Platz zulässt). „Wir sind da immer in Kontakt“, sagt Methfessel. Konkret bewirbt der bsj in der EAE aber nur die an jedem ersten Freitag des Monats (im Mai allerdings am zweiten Freitag) von 21 bis 24 Uhr an der Tours-Schule stattfindende Sportnacht, in der verschiedene Sportarten betreibbar sind.

Stadt denkt über Bau eines Trimm-Dich-Pfades nach

Die Schule kommt nicht mehr nur über das Projekt „Schule gegen Rassismus“ ins Spiel: Über das Programm „Sport und Flüchtlinge“ will Referendarin Elena Breuer als „Sportcoach“ Fußball für Kinder anbieten. Sie sei als Coach geschult und der entsprechende Antrag gestellt. Eine Entscheidung steht aber noch aus. Des Weiteren lädt Methfessel, der für die gemütlicheren Sportarten zuständig ist, donnerstags von 15 bis 17 Uhr zum Boule-Spielen in den Park ein - ein Angebot, das auch ­Bewohner der EAE gerne nutzen. Geplant ist, erneut in Kooperation mit der Schule, dies um „Schach im Park“ zu erweitern.

Noch dazu will sich das Team der Gemeinwesenarbeit zusammen mit Flüchtlingen im Altstadtlauf einbringen. Geplant ist außerdem ein Fahrrad-Event am 2. Juli von 10 bis 15 Uhr - mit Sicherheitscheck, einem Parcours, einer kleinen Tour und einem gemütlichen Beisammensein zum Abschluss.

Offen sind die bsj-ler zudem für einen Gedanken der Stadt, die über den Bau eines Trimm-Dich-Pfades sinniert.

Nichts mit Sport zu tun haben derweil zwei ebenfalls neue Angebote der Gemeinwesenarbeit: Montags kommen zwischen 14 und 17 Uhr Flüchtlinge und Neustädter im „Sprachcafé“ des Begegnungstreffs zusammen, um einander kennenzulernen und sich auszutauschen - und die Sprachfähigkeiten der Neu-Neustädter zu verbessern.

Außerdem stellt die Stadt ein kleines Gelände beim Edeka-Markt zur Verfügung, das dienstags ab 16 Uhr zum Begegnungsgarten ausgebaut werden soll: „Wir möchten zusammen etwas schaffen. Noch dazu kommt, wenn Erntezeit ist, etwas Nützliches dabei heraus“, sagt Schlüter und betont: „Gartenfreunde sind willkommen. Jeder kann mitmachen.“

von Florian Lerchbacher

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