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Spielsüchtiger muss in Therapie, um Haft zu entgehen

Gericht Spielsüchtiger muss in Therapie, um Haft zu entgehen

Es herrschte große Erleichterung beim 25-jährigen Angeklagten aus Stadtallendorf, der wegen Handtaschenraubes und Kreditkartenmissbrauchs seit Mitte Juni vor Gericht stand (die OP berichtete).

Stadtallendorf. Richterin Nadine Bernshausen hat ihr Urteil gesprochen: Der stark Spielsüchtige war um eine Freiheitsstrafe herumgekommen, allerdings mit deutlichen Bewährungsauflagen. Seit er mit 18 Jahren zum ersten Mal gespielt hatte, war der Stadtallendorfer immer weiter in eine Spielsucht hineingeschlittert.

Diese gipfelte mit einem Missbrauch der Kreditkarten seiner Patentante und kurz darauf mit dem Überfall auf eine 76-Jährige aus Stadtallendorf. Der junge Mann hatte aus einer Situation der Geldnot heraus und in einer Kurzschlussreaktion der Spaziergängerin ihre Handtasche entrissen.

Dabei stürzte sie so unglücklich, dass sie sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog, mit dessen Folge sie nach wie vor zu kämpfen hat. Die Tat ereignete sich im Juni 2012. Eine Woche nach dem Handtaschenraub mit Folgen ermittelte die Polizei den Täter. Seitdem saß er zunächst in Untersuchungshaft. Entgegen des Plädoyers der Staatsanwaltschaft, wurde der Angeklagte zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Bewährungszeit setzte das Gericht auf vier Jahre fest. Dafür muss er sich einem Bewährungshelfer unterstellen, sich so schnell wie möglich in eine stationäre Therapie begeben, um seine Spielsucht zu bekämpfen und sich einer anschließenden ambulanten Behandlung unterziehen. Außerdem hat er der Zahlung eines Schmerzensgeldes von 5000 Euro an die Geschädigte nachzukommen. Hält sich der 25-Jährige nicht an diese Auflagen oder betritt er während der laufenden Bewährung eine Spielhalle, so muss er für zwei Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten ohne Bewährung beantragt.

Das Gericht kam der Auffassung der Verteidigung nach. Der Anwalt des Angeklagten hatte darauf plädiert, dass die bisherige Haftzeit seinen Mandanten tief beeindruckt habe. Er sei sehr spielsüchtig und brauche dringend eine Therapie. Es nutze nichts ihn jetzt weiter einzusperren, denn am Ende sitze ihm immer noch die Sucht im Nacken.

Besser wäre eine Therapie mit der Haftstrafe im Nacken hatte der Verteidiger in seinem Plädoyer argumentiert. Außerdem müsse die Sache pragmatisch betrachtet werden: Ein Strafvollzug koste Geld und es wäre besser den jungen Mann so schnell wie möglich wieder in Lohn und Brot zu bringen, damit er Unterhalt für seinen kleinen Sohn, wie auch das Schmerzensgeld zahlen könne.

Richterin Bernshausen rechnete dem Stadtallendorfer sein umfangreiches Geständnis und die ehrlich gemeinte umfassende Entschuldigung an das Opfer positiv an. „Das hier ist der tiefste Punkt meines Lebens“, sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort bevor sich das Gericht zur Beratung zurückzog. „Wenn ich eine Bewährungsstrafe habe, werde ich definitiv nicht spielen, denn ich weiß dann dass ich für zwei Jahre in den Knast müsste.“

von Kristina Gerstenmaier

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