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Spielmacher geht mit Tabak in der Hand

Abschied Spielmacher geht mit Tabak in der Hand

Mit Urban Sersch an der Spitze ist die Georg-Büchner-Schule viele neue Wege gegangen. Der Leiter hat viel bewegt. Nun wurde er während einer zweistündigen Zeremonie feierlich verabschiedet.

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Heike Grosser (großes Foto) überreichte Urban Sersch die Entlassungsurkunde, von Nachfolgerin Amanda Chisnell bekam der scheidende Schulleiter eine Tabakpflanze.Fotos: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. Viel Lob, große Wertschätzung und stehende Ovationen - so wurde Urban Sersch nach 35 Jahren Dienstzeit und stolzen 22 Jahren Schulleiterarbeit in den Ruhestand verabschiedet. Viele Wegbegleiter zollten ihm großen Respekt, würdigten seine menschliche Art des Umgangs und ließen ihn nur ungern gehen. Eine Verabschiedung ohne große Worte hatte sich Urban Sersch gewünscht, was angesichts seiner Leistungen manchem Redner schwerfiel.

Allein die Liste einiger seiner Tätigkeitsfelder, die Heike Grosser, leitende Schulamtsdirektorin des Staatlichen Schulamts Marburg, vortrug, war lang. Sie reichte unter anderem von der Referendarzeit an der Alfred-Wegener-Schule, der Arbeit als Klassenlehrer, Abiturprüfer, Vertrauenslehrer, stellvertretender Schulleiter am Landschulheim Steinmühle, Mitglied in der Gruppe „Blick über den Zaun“, Fördervereinsvorstandsmitglied bis hin zum stellvertretenden Schulleiter und seit sechs Jahren Schulleiter an der GBS.

Geboren wurde Sersch (Jahrgang 1954) in Tünsdorf, an der Saarschleife in unmittelbarer Nähe zu Frankreich. „Sie sind neue Wege gegangen und haben an der GBS viel bewegt“, hob Grosser hervor und nannte die Weiterentwicklung als Ganztagsschule als ein Beispiel. Viele Jahre sei er als Verbindungs- und Suchtpräventionslehrer tätig gewesen - und greife doch selbst gern mit Genuss zur Zigarette, scherzte sie, ehe sie sich über die konstruktive Zusammenarbeit und das außerordentliche Engagement freute.

Großes Lob für das Erreichte

Andreas Grün schaltete sich zwischen den Reden „live“ als Nachrichtensprecher in die „Sondersendung aus der GBS“ und führte unterhaltsam durch das Programm, das Schüler Elias Theis am Klavier virtuos mit einem Stück von Chopin eröffnet hatte.

Bürgermeister Christian Somogyi hob die guten Beziehungen zwischen Stadt und Schule hervor. „Was wir bewegt haben, ist beachtlich“, sagte er und nannte unter anderem die geschichtliche Aufarbeitung der Stadtgeschichte, den Aktionstag und den Sportabzeichentag. Gekommen waren rund 120 Gäste, darunter das gesamte Kollegium, ehemalige Schulleiter und ehemalige Kollegen sowie Ehefrau Almut. „Einen Blick in die Vergangenheit“ warf Wegbegleiter Dieter Bachmann mit einem selbst geschriebenen Lied, das er gemeinsam mit Philipp Konrad, Volkan Aksakal und einigen Schülern der Musikklasse präsentierte.

„Wer Schulleiter ist, der hat es gut“, formulierte das Schulleitungsteam mit Barbara Voeth, Robert Siebeneicher, Amanda Chisnell, Cornelia Gampe, Björn Wagner und Gabi Schuster-Gößmann frei nach Wilhelm Busch. Die zukünftige Schulleiterin Amanda Chisnell sorgte mit dem Überreichen einer Tabakpflanze für den Garten für Amüsement.

„Was ein Schulleiter eigentlich so macht“, zeigte eine gelungene Videodokumentation, die Kristin Drenkelfuß mit ganz vielen Schüler-O-Tönen zusammengestellt hatte. AWS-Schulleiter Matthias Bosse hob die besonders gute Zusammenarbeit der Schulen während der Flüchtlingswelle und der Umstellungsphase der AWS von G8 auf G9 hervor.

„Wir lassen Sie nur ungern gehen“, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow, der schnell das Thema Fußball als verbindende Gemeinsamkeit fand. Er würdigte Sersch als „Spielmacher mit einer unheimlichen Leidenschaft für die Schule“. „Wir werden Sie vermissen und vielleicht auf den ein oder anderen Rat zurück kommen“, sagte er.

Barbara Seeber vom Personalrat würdigte Sersch als genialen Mathematiker und Physiker, der „unschlagbar gut“ Stundenpläne erstellen konnte. Er habe immer ein offenes Ohr, immer eine offene Tür und ein mitfühlendes Herz gehabt.

Abschied nahm Sersch so, wie ihn wohl viele kennen: heiter, bescheiden und mit einem Vergleich aus der Physik. „Im Moment fühle ich mich wie kurz vor dem Zwiebelschneiden, dieses Gefühl, kurz bevor die Tränen kommen“, erklärte er, zauberte eine Zwiebel aus der Tasche und erläuterte das Prinzip der Wechselwirkung, um zu erklären: „Die Geschichten, die Sie über mich erzählt haben, könnte ich von einer anderen Seite erzählen, dann wären andere Personen im Mittelpunkt. Die zugeschriebenen Eigenschaften haben viel mit ihnen zu tun, deswegen bin ich ihnen zu Dank verpflichtet, sie haben mein Leben bereichert“, sagte er.

von Karin Waldhüter

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