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Der Kreis will ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge, die demnächst in Neustadt in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung ankommen werden, bündeln.

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Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Bürgermeister Thomas Groll und Robert Seither, Ehrenamtskoordinator in Gießen, informierten engagierte Bürger. Foto: Yanik Schick

Neustadt. Etwa einen Monat dauert es noch, dann dürften die ersten rund 300 Flüchtlinge in der früheren Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne ankommen. Dort entsteht dann eine eigene Erstaufnahmeeinrichtung. Bis zum Jahresende wird sich deren Zahl auf etwa 700 erhöhen. Das bedeutet eine Herausforderung, der sich Neustädter Bürger ehrenamtlich stellen wollen. Knapp 50 Interessierte, darunter auch Gäste aus benachbarten Städten und Gemeinden, waren deshalb am Montag zu einem ersten Treffen ins historische Rathaus gekommen. Der Landkreis will gemeinsam mit der Stadt vor Ort ein Netzwerk aus Ehrenamtlichen etablieren.

Es geht vor allem darum, die Menschen, die bekanntlich nur für wenige Wochen in der Erstaufnahmeeinrichtung leben werden, möglichst schnell und effektiv in das gesellschaftliche Leben zu integrieren. Wie der Beitrag von Freiwilligen dafür konkret aussehen kann, ist allerdings noch weitgehend offen. „Das Angebot, das Ehrenamtliche für Flüchtlinge machen können, hängt vom Träger ab“, erklärte Bürgermeister Thomas Groll. Das bedeutet: neben den hauptamtlichen Sozialarbeitern, die auf professioneller Ebene das Gespräch mit Flüchtlingen suchen sollen, wird eine karitative Einrichtung oder ein sozial eingestellter Verein die Koordination ehrenamtlicher Unterstützung übernehmen.

Als ein Kandidat ist aktuell das Diakonische Werk Oberhessen im Gespräch. Diakoniepfarrer Ulrich Kling-Böhm suchte bei der Veranstaltung bereits den Austausch. „Ob wir diese Rolle übernehmen, hängt von vielen Sachen ab“, sagte Kling-Böhm im Gespräch mit der OP, „wir können, müssen es aber nicht machen.“ Noch bleiben also viele Fragezeichen.

Die Entscheidung über die Trägerschaft hat am Ende Elke Weppler, die Leiterin der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) in Gießen, zu treffen. Bis zu einem verbindlichen Entschluss wird es aber wohl noch mindestens zwei Monate dauern. Aktuell lege sie ihre ganze Kraft in die Fertigstellung der Unterkünfte für die Flüchtlinge. Dort laufen die baulichen Arbeiten auf Hochtouren. Zwar sind auch Räumlichkeiten am Gelände der früheren Kaserne für ehrenamtliche Betreuung vorgesehen, werden aber dem Zeitplan zufolge erst zirka vier Wochen nach Ankunft der ersten Flüchtlinge hergerichtet sein. Bis dahin soll ein Träger gefunden sein. „Wir werden dann genau absprechen, wo die Grenzen zwischen Sozialarbeit und Ehrenamt liegen“, sagte Elke Weppler, „denn eine Konkurrenzsituation wäre fatal. Jeder meint es ja nur gut.“

Wie sich die hilfsbereiten Menschen denn nun konkret engagieren könnten, erklärte Robert Seither, der Ehrenamtskoordinator der HEAE in Gießen. Dort fungiert die evangelische Kirche als Träger, rund 100 Freiwillige leisten in dem ehemaligen US-Depot wertvolle Unterstützung.

„Wir bieten Spiele und Sport am Nachmittag an, Malen und Basteln mit den Kindern, führen Gespräche. Ein weiteres wichtiges Standbein ist der Deutsch-Unterricht“, fasste Seither zusammen.

Ein Ehrenamtlicher brauche definitiv nicht viele Voraussetzungen. „Man muss eben damit umgehen können, dass man dieselbe Person vielleicht drei- oder viermal trifft, dann verlässt sie die Erstaufnahmeeinrichtung wieder.“ Am 7. Mai, so erklärte der Mitinitiator der Veranstaltung, Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow, ist ein zweites Treffen angedacht. Dann sollen konkrete Angebote besprochen werden.

von Yanik Schick

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