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Speckswinkler wollen ihr Vereinsleben ankurbeln

Sorgenkind Speckswinkler wollen ihr Vereinsleben ankurbeln

Dorfladen und Grundschule gehören bereits der Geschichte an, im Sommer verliert Speckswinkel auch noch seinen Kindergarten - entsprechend groß war das Interesse an Gesprächen über die Zukunft des Ortes.

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Immerhin eine positive Nachricht gab es für die rund 120 Speckswinkler, die zu Zukunftsgesprächen in den Zollhof gekommen waren: Sie bekommen wieder einen Pfarrer.Foto: Klaus Böttcher

Speckswinkel. 120 Bürger jeden Alters waren in das Gemeinschaftshaus Zollhof gekommen, um über die Zukunft ihres Dorfes zu sprechen. Veranstalter war neben dem Ortsbeirat und dem Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde die Abteilung „Dienst auf dem Lande“ im Referat „Wirtschaft - Arbeit - Soziales“ der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Von dem Referat war Pfarrer Karl-Günter Balzer gekommen, der den Abend moderierte und einigen Speckswinklern ihre Meinung zur Zukunft des Dorfes entlockte.

Für den kulturellen Teil des Abends sorgten die Trachtengruppe, der gemischte Chor „Frohsinn“ und die Line-Dancer „Step by Step“. Mit ihren Auftritten gaben sie einen Einblick in die Vielfalt und die Fröhlichkeit des kulturellen Vereinslebens. Es wurde deutlich, dass dies noch in Ordnung ist - wenngleich auch in Speckswinkel der Rückgang der Mitgliederzahlen oder die zunehmende Überalterung in den Vereinen zu spüren ist. So erklärte Christiane Losekamm von der Trachtengruppe, dass diese sich jetzt mit der Landjugendgruppe Erksdorf zusammengeschlossen habe und dies der erste Auftritt nach der Fusion gewesen sei.

In den Einzelinterviews, der Talkrunde und der Publikumsbefragung wurde deutlich, dass die Mehrzahl der Speckswinkler sich im Dorf recht wohl fühlt und nicht daran denkt, den Wohnort zu wechseln. „Es gibt ganz viel Schönes, aber vieles wird vermisst“, hatte der Moderator Balzer anfangs gesagt - und dies bestätigte sich im Laufe des Abends. So kam immer wieder zur Sprache, dass es keinen Laden, keine Schule und bald keinen Kindergarten mehr gibt und die Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln doch sehr dürftig sei.

Es gab viele positive Stimmen. Doch Marga Beyer antwortete auf die Frage, ob man in Speckswinkel als älterer Mensch gut leben könne, mit einem klaren Nein. Sie war ihrem Mann zuliebe in dessen Heimat und sein Elternhaus gezogen. „Man muss mobil sein“, betonte sie, schließlich gebe es „nichts“ im Ort. Allerdings arrangiere sie sich damit, in Speckswinkel zu leben, ergänzte sie.

„Wird nichts gemacht, ist das Dorf tot“, sagte Christiane Losekamm, warb für die Vereine und ergänzte: „Wer den Kontakt sucht, der findet ihn auch.“ In die Kerbe schlug auch Heinrich Schnell, der sich als Beigefreiter seit 30 Jahren in Speckswinkel sehr wohl fühlt. Er rief dazu auf, das Dorfleben durch die Vereine noch mehr zu intensivieren, zum Beispiel beim Dorffest. Ebenso wurde die mangelhafte Beteiligung an der Kirmes beklagt und Harald Geißel appellierte an junge Familien, sich mehr am Dorfleben zu beteiligen.

In Sachen Schule und Kindergarten regten die Bürger eine Fusion mit Momberg und Mengsberg an. Weitere Themen waren die Leerstände in der Dorfmitte und alte, baufällige Gebäude. Der Tenor dabei war, dass sich der Denkmalschutz etwas flexibler zeigen und nicht mit aller Gewalt alte Gebäude erhalten solle. „Selbst, wenn ein Haus zusammengefallen ist, dürfen wir es nicht abreißen“, monierte Ortsvorsteher Karl Stehl und erklärte, dass alle Vorhaben in der Dorfmitte bisher gescheitert seien, weil ein Grundstücksbesitzer nicht verkaufswillig sei.

Stehl stellte die Vorzüge des Dorfes mit „den wunderbaren Landschaften, Grün- und Teichanlagen“ heraus. Positiv sei die gute Vereinsgemeinschaft, die Neuansiedlung von Betrieben, ein Internetanschluss mit 50 Mbit/s und die günstigen Lebenskosten. Zu den Problemen sagte er: „Als Dorfgemeinschaft müssen wir zusammenstehen und die Probleme gemeinsam bewältigen.“ Er wolle sich der Nahverkehrsproblematik und einer besseren Strukturierung der ärztlichen Versorgung annehmen.

Eine gute Nachricht hielt der Dekan des Kirchenkreises, Hermann Köhler, bereit, der den Bürgern zusagte: „Sie bekommen wieder einen Pfarrer.“

von Klaus Böttcher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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