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Soziale Berufe sind für Schüler "mehr als ein Job"

Praktika Soziale Berufe sind für Schüler "mehr als ein Job"

Dass Nächstenliebe glücklich macht, erfuhren die 36 Zehntklässler der Martin-von-Tours-Schule während ihres Sozialpraktikums.

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Anette Eckhardt (Dritte von links) überreicht ein Lesezeichen an Ursula Lembach – eine der beiden Religionslehrerinnen, die das Sozialpraktikum der Zehntklässler begleitet hatten.

Quelle: Nadine Kalbleisch

Neustadt. Im ersten Halbjahr der Klasse 10 unterstützten die Jugendlichen - angebunden an das Fach Religion oder Ethik - ihre Mitmenschen im Seniorenwohnheim oder im Kindergarten, im Verein oder der Kirchengemeinde, im Jugendclub oder der Behindertenwerkstatt.

Während einer von Ursula Lembach und Babila Malki, die das Sozialpraktikum organisiert hatten, organisierten Feier gaben die Schüler einen Einblick in ihr Schaffen. „Nun habt Ihr nicht nur im Unterricht gelernt, dass man seinen Nächsten lieben soll, sondern auch selbst ganz praktisch erlebt, wie es ist, anderen Menschen zu helfen“, fasste Religionslehrerin Lembach die Erfahrungen der vergangenen Monate zusammen.

"Nicht nur ein Job"

Wie schön und befriedigend, aber auch wie anstrengend die soziale Arbeit sein kann, zeigte sich anhand der Präsentationen. „Eigentlich ist es nicht nur ein Job - man baut Beziehungen zu vielen der Patienten auf und lebt das Leben mit ihnen mit. Ich konnte viele Leute persönlich kennenlernen“, schrieb beispielsweise Celina Rang, die ihr Sozialpraktikum im ambulanten Pflegedienst absolvierte.

Die Jugendlichen leisteten 20 bis 25 Stunden Arbeit an ihren Praktikumsorten - teils in den Ferien als Kompaktwoche, zum Teil aber auch ein bis zwei Stunden wöchentlich über fast ein ganzes Schulhalbjahr verteilt. „Ich habe jetzt großen Respekt vor Erzieherinnen und Trainern“, berichtete Michelle Stolz, die ihr Praktikum zusammen mit Karolina Eva bei der Neustädter Fußball-F-Jugend abgeleistet hatte.

Fabian Lotter und Julian Lohse arbeiteten mit Behinderten während ihres Praktikums in der Diakonie Hephata: „Wir hatten viel Spaß und einen netten Umgang mit den Menschen dort!“ Als „Licht für die Bewohner“ sahen sich auch Anne Müller, Anette Eckhardt und Annabell Czaja, die in der Seniorenwohnanlage „Wiesenhof“ in Neustadt alte und pflegebedürftige Menschen unterstützten.

„Licht der Nächstenliebe“

Dieses „Licht“ der Nächstenliebe - beschrieben auch im Matthäus-Evangelium und in der Sure 39 des Koran - war Anlass und Leitfaden des Sozialpraktikums. Lotter spannte den Bogen vom Religionsunterricht zum Praktikum: „Vor Gott sind alle gleich - egal ob gesunde oder behinderte Menschen.“ Doch nicht nur das Glaubensempfinden, sondern auch die Berufswahl einiger Schüler wurde durch das Sozialpraktikum beeinflusst: Während sich viele Jugendliche vorher nicht vorstellen konnten, einen sozialen Beruf auszuüben, meinten einige, dass sich ihr Berufswunsch nun geändert habe. So berichtete eine Sechzehnjährige: „Ich habe immer gedacht, dass ich Kinder nicht leiden könnte. Allerdings habe ich bei diesem Praktikum bemerkt, dass ich sie sehr wohl leiden und sehr gut mit ihnen umgehen kann. Vielleicht möchte ich jetzt Erzieherin werden!“

„Wir haben unsere Schüler von einer anderen Seite kennengelernt. Sie zeigten so viel Einfühlungsvermögen und reflektierten auch über ihr eigenes Leben“, freuten sich Lembach und Malki. Schulleiter Volker Schmidt bezeichnete das „soziale Erleben und Erkennen“ als „wichtige Vorbereitung auf die Teilhabe an der sozialen Welt“, während Pfarrerin Kerstin Kandziora bemerkte: „Das soziale Arbeiten hat Euch Spaß gemacht - und das in einer Zeit, in der es anscheinend unmodern geworden ist, sich für andere einzusetzen!“

von Nadine Kalbfleisch und Ursula Lembach

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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