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Solidaritäts-Welle schwappt durch Stadt

Nach der Brandkatastrophe Solidaritäts-Welle schwappt durch Stadt

Ein Todesopfer, fünf verletzte Bewohner und eine verletzte Feuerwehrfrau, 30 Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Das ist die bisherige Bilanz der Feuerkatastrophe „In der Spaltanlage“.

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Nach dem verheerenden Hausbrand „In der Spaltanlage“, bei dem zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort waren, ist die Hilfsbereitschaft in Stadtallendorf riesig.

Quelle: Florian Gaertner

Stadtallendorf. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen fahrlässiger Brandstiftung und, nachdem ein 58-Jähriger seinen beim Brand erlittenen Verletzungen erlegen ist, fahrlässiger Tötung. Im Visier: Ein Paar, das in der Erdgeschosswohnung lebte, in dem das Feuer nach bisherigen Erkenntnissen ausbrach. Die Ursache für die Katastrophe steht noch nicht fest - doch es bestehe eben ein Anfangsverdacht, erklärt Ute Sehlbach-Schellenberg. Mehr will die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft nicht sagen: Zunächst müsse sie die Analyse durch die Brandermittler abwarten. Und die nehmen das Haus erst morgen unter die Lupe.

Wohl nicht finden werden sie dort die Überreste von Rauchmeldern, die seit Anfang des Jahres in Hessen eigentlich Pflicht sind. „Wir haben zumindest keine gesehen“, berichtet Stadtbrandinspektor Uli Weber. Diese hätten zwar den Brand nicht verhindert, aber zumindest die Bewohner - von denen einige Rauchgasvergiftungen erlitten - gewarnt. Nach Informationen dieser Zeitung fehlt vom Vermieter des Hauses bisher jede Spur. Er scheint abgetaucht zu sein.

Bei einem Feuer am frühen Dienstagmorgen in der Straße Spaltanlage meldeten die Einsatzkräfte drei Schwerverletzte und 20 weitere Hausbewohner mit leichten Rauchvergiftungen.

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Die geretteten Bewohner - die weder bei Verwandten noch Freunden Unterschlupf fanden - hat die Stadt Stadtallendorf in Niederklein untergebracht. In der Stadt stoßen die Menschen unterschiedlicher Herkunft auf große Solidarität. Schon am Dienstagmorgen habe eine Frau ihn kontaktiert und Kleidung zur Verfügung stellen wollen, freut sich Hubertus Müller, der Leiter des Fachbereichs 3 bei der Stadt. Ähnlich sieht es im Internet aus: Im sozialen Netzwerk Facebook nahm Tobias Kindermann in der Gruppe „Du bist Stadtallendorfer wenn Du...“ das Heft in die Hand. Er kenne eine der betroffenen Familien - da sei es selbstverständlich gewesen, eine Hilfsaktion zu initiieren. Und die hat es in sich: Zahlreiche Stadtallendorfer - und Bürger aus Nachbarkommunen - zeigten sich sofort bereit, Geld, Kleidung oder andere benötigte Dinge zu spenden. Kleiderkammern riefen die Betroffenen auf, sich bei ihnen einzudecken. Zusätzlich lief Kindermann mit einer Sammeldose durch die Stadt, sprach zahlreiche Gewerbetreibende an und stieß auch dort auf großes Hilfsbereitschaft. Ein Unternehmen kündigte gegenüber Müller bereits eine Spende in Höhe von 10000 Euro an.

Problematisch bei den Geldspenden war, dass die Helfer die Überweisungen aus finanzrechtlichen Gründen nicht direkt auf die Konten der Betroffenen überweisen konnten. Doch auch dieses Hindernis überwanden die Stadtallendorfer im Nu: Das Jugendzentrum Stadtallendorf stellt sein Konto als Spendenkonto zur Verfügung (auf Überweisungen muss beim Verwendungszweck das Stichwort „Brand“ angegeben werden).

Das Jugendzentrum ist Anlaufstelle für Spender

Sach- und natürlich auch Bargeldspenden wurden und werden derweil montags bis freitags zwischen 15 und 21 Uhr im Jugendzentrum (Röntgenweg 1) entgegengenommen. Dort findet heute um 15 Uhr ein Treffen der Helfer statt, die zum einen ihren Einsatz koordinieren wollen, zum anderen aber auch noch Mitstreiter suchen. „Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß“, betont Müller. Sie kann aber selbstverständlich noch weiter wachsen.

Und auch um die zurückgelassenen Tiere wurde sich inzwischen gekümmert: Tina Losekam vom Tierschutzverein Marburg und Umgebung durfte das Gebäude „In der Spaltanlage“ betreten und rettete mit Unterstützung der Feuerwehr sieben Katzen, drei Schlangen, zwei Vogelspinnen und einen Leguan. Alle seien sehr verstört, berichtet die Stadtallendorferin, die hofft, alle Tiere entdeckt zu haben. Einige kamen zu ihren Herrchen, andere ins Tierheim -wo die Besitzer sie abholen können, wenn sie wieder die Möglichkeit haben, sie unterzubringen. Bei einer Katze steht bereits fest, dass ihr Frauchen sie ob des begrenzten Platzes nicht mehr bei sich behalten kann. Sie sucht nun eine neue Bleibe. Ansprechpartnerin ist Tina Losekam (Telefon 06428/40164).

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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