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Solidaritäts-Welle ebbt nicht ab

Wohratal Solidaritäts-Welle ebbt nicht ab

Wohratals Bürgermeister spricht von einem "schwarzen Sonntag", wenn er über den Angriff auf das Asylbewerberheim in Wohra redet.

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Ein Polizeiwagen stand am 13. Januar vor dem Asylbewerberheim in Wohra. Archivfoto: Mayer

Wohratal. Am 13. Januar war dieser „schwarze Sonntag“. Vier geständige Männer im Alter von 18 und 19 Jahren randalierten vor und im Asylbewerberheim in Wohra. Das Ereignis löste weit über die Gemeinde hinaus Entsetzen aus. Bei ihren ersten polizeilichen Vernehmungen hatten die Männer angegeben, aus persönlichen Motiven gehandelt zu haben. Seinerzeit ermittelte die Polizei unter anderem wegen Landfriedensbruch und Sachbeschädigung. Inzwischen ist der Part der polizeilichen Ermittlungen gegen die Männer abgeschlossen. Derzeit laufe die Prüfung durch die Staatsanwaltschaft unter Einbeziehung der Verteidiger der vier Männer, erklärte Annemarie Petri, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der OP. Bis zur Anklageerhebung dürfte also nicht mehr allzu viel Zeit vergehen. „Die Motivlage der Männer wird im weiteren Verfahren durchaus eine Rolle spielen“, sagte Petri.

Unmittelbar nach den Ereignissen entwickelte sich in der Gemeinde eine Welle der Solidarität (die OP berichtete). Ein „Runder Tisch Integration“, in den auch der frühere Arbeitskreis Asyl eingebunden ist, hat bereits zahlreiche Initiativen entwickelt. In seiner jüngsten Sitzung hat das Gemeindeparlament einen Betrag von bis zu 4000 Euro genehmigt, um die Arbeit des „Runden Tisches“ zu unterstützen.

Harald Homberger, ein Initiator des „Runden Tisches“ und zugleich Gemeindevertreter, würdigte das Angebot: „Wir sind freudig überrascht über diese finanzielle Initiative, sehen aber im Moment noch nicht, wofür wir aktuell bereits Geld brauchen.“

Bisher geschieht alles ehrenamtlich: Für Sprachunterricht, ein großer Wunsch der Asylbewerber nach den schrecklichen Ereignissen, stehen vier engagierte Helfer bereit, darunter Lehrer und eine Marburger Studentin. Zweimal in der Woche gibt es Unterricht. Laut Homberger besuchen im Durchschnitt 15 der Heimbewohner die Termine. Alle Hilfestellungen seien in gemeinsamen Gesprächen mit den Bewohnern entstanden. „Es wurde nicht am grünen Tisch geplant“, betont Homberger.

Auch über den „Runden Tisch“ hinaus gibt es nach wie vor Zeichen der Solidarität. Als der Gedanke aufkam, den Heimbewohnern Gärten auf einer Gemeindefläche zu überlassen, boten mehrere Wohrataler gleich eigene, derzeit nicht genutzte Flächen dafür an. Inzwischen hat es zwei große Treffen des „Runden Tisches Integration“ gegeben, an beiden jeweils nahmen 25 Bürger teil.

Der Eigentümer des Gebäudes denke darüber nach, einen kleinen Bus anzuschaffen, um einen Fahrdienst für Bewohner anbieten zu können. Auch ein neuer Fahrradunterstand soll entstehen. Zum Kennenlernen der aktuellen Heimbewohner plant der „Runde Tisch“ außerdem im April ein gemeinsames Frühlingsfest. Alle Angebote und Initiativen sind auf Langfristigkeit ausgelegt.

„Es zeichnet sich ab, dass das Haus auf lange Sicht voll bleiben wird“, berichtet Homberger. Ziel bleibe es, eine generelle „Willkommenskultur“ zu schaffen.

von Michael Rinde

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