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Singen um der Freude Willen

Großer Andrang in Stausebach Singen um der Freude Willen

Scheinwerferpaare huschen durch die Nacht auf einem Feldweg. Plötzlich taucht im Lichtkegel ein einsam am Waldrand gelegenes Haus auf. Dort parken bereits einige Autos. Und im Tal verraten aufblitzende Lichtkegel, dass noch mehr Autofahrer dieses Ziel haben.

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Das Repertoire bestimmen die Sängerinnen und Sänger im Stausebacher Schützenhaus selbst. Heinrich Emmerich begleitet die Lieder am Akkordeon.

Stausebach. Im Haus begrüßen wohlige Wärme und weihnachtlich geschmückte Tisch-Reihen die Besucher. Letztlich fluten 40 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 80 den Saal. Sie alle sind gekommen, um gemeinsam zu singen. Es ist Liederabend in Stausebach. Genauer gesagt: Es ist das Weihnachtssingen. Und Gerhard Prölß, der so etwas wie der Spiritus rector dieser Veranstaltung ist, steht mitten im Raum und begrüßt freudig jeden Neuankömmling. 40 Sängerinnen und Sänger - davon können die meisten Gesangvereine nur träumen. Und der Gastgeber der großen Sangesrunde ist gar kein Gesangverein, sondern der Schützenverein Hubertus Stausebach. Und der hat, wie sich der Vorsitzende Paul Feldpausch ausdrückt, „eine aus einer Bierlaune heraus geborenen Schnapsidee“ eine Erfolgsgeschichte gemacht.Was es mit dieser Schnapsidee auf sich hat, erläutert Gerhard Prölß gegenüber dieser Zeitung. Der Schützenverein habe eine tragende Rolle im Dorfleben, sei unter anderen auch für das „Ständchensingen“ bei Alters- und Ehejubilaren zuständig. „Es fiel uns auf, dass unsere jungen Mitglieder meist schweigend dabei standen, weil sie die Texte nicht kannten. Deshalb hat die Generalversammlung im Februar 2013 beschlossen, vor allem für unsere jungen Mitglieder Liederabende anzubieten, damit sie die Lieder lernen können“, erklärt das Gründungsmitglied des Vereins. „Die Lieder“ stehen in dem schon 1976 zum ersten Kreisschützenfest in Stausebach erschienen Buch „Lieder aus dem Schützenhaus Stausebach“, das auch Grundlage der frühzeitig für alle Sangesfreunde aus der Region geöffneten Liederabende ist. Das Repertoire wird jedoch ständig erweitert, und so hat Gerhard Prölß auch diesmal Dutzende Zettel neuer Liedtexte mitgebracht, die er auf Wunsch von Sängerinnen und Sängern ausgedruckt hat. Er verteilt die Zettel und fragt dann noch einmal in die Runde: „Der Alte Schäfer - hat den jetzt jeder?“ Es erhebt sich kein Widerspruch. Es kann losgehen. Gerhard Prölß sagt das erste Lied an: „Steh‘ vor deinem Fensterlein“. Spätestens beim dritten Takt des erstmals in Stausebach gesungenen Liedes singt jeder mit. Prölß‘ kräftige Leitstimme bietet Halt und Orientierung. Dann geht es Schlag auf Schlag, der Liederabend wird zu einem Wunschkonzert. „72 oben“, „60 unten“, „54 oben“ schwirren die Liednummern durch den Saal. Ein Lied nach dem anderen wird gesungen. Es geht um die Heimat, die Liebe, die Religiosität und manchmal um alles drei zusammen in einem Lied. Nach der Pause gehört der zweite Teil des Abends ganz den bekannten Weihnachtsliedern, die ebenfalls im Liederbuch stehen. Was macht die Liederabende für die Besucher so anziehend? Für Heinrich Emmerich aus Kleinseelheim sind es die alten Lieder. Die begleitet der Autodidakt, der keine Noten lesen kann, am Akkordeon. Kennt er mal ein Lied nicht, so dauert es nicht lange, und der 80-Jährige hat sich in die Melodie hineingehört und er spielt mit. Hans Justus aus Kirchhain ist zum ersten Mal zum Liederabend gekommen. „Es gefällt mir hier richtig gut. Es ist so ungezwungen, jeder macht seine Späßen“, erzählt er. Er singe gern und möge auch die alten Lieder. In einen Gesangverein sei er trotz Anfragen nie eingetreten. „Das wäre mir zu verbindlich“, sagt er. Olivia Steinbrecher ist Schützin im Verein und möchte zur Traditionspflege die alten Lieder kennenlernen. Die 21-Jährige ist mit ihrem 18-jährigen Bruder Paul und mit dem 22-jährigen Andreas Jennemann ins Schützenhaus gekommen. Der Stausebacher Gerhard Fritsch schätzt die lockere Atmosphäre: „Der Liederabend ist so ungezwungen, einfach schön. Jeder kann Wünsche äußern. Und wenn mal einer fehlt ist das nicht schlimm.“ n Der nächste Liederabend im Schützenhaus findet am Freitag, 23. Januar, ab 19 Uhr statt. Gäste sind dazu willkommen.

von Matthias Mayer

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