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Sicherheitsgefühl ist besser als gedacht

Untersuchung Sicherheitsgefühl ist besser als gedacht

Philipp Bober befragte bei seiner Bachelorarbeit 398 Stadtallendorfer zu ihrem Sicherheitsgefühl. Die Umfrage ergab, dass sich 76,4 Prozent der Befragten aus allen Altersstufen sicher fühlen. Kritikpunkte will die Polizei aufgreifen.

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Stationsleiter Heinz Frank (von links), Fachbereichsleiter Hubertus Müller, Polizeidirektor Manfred Kaletsch, Marco Sommer vom Ordnungsamt, Polizeipräsident Bernd Paul, Autor Philipp Bober, Bürgermeister Christian Somogyi und Professor Dr. Hans Schneider stellten die Ergebnisse der Untersuchung vor. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Ende 2014 bekam das Sicherheitsgefühl einen besonderen Stellenwert in der Stadtallendorfer Öffentlichkeit. Im Zuge einer Hochschul-Befragung zur Innenstadtentwicklung gab es eine Frage nach dem Sicherheitsgefühl. Die Mehrzahl der Befragten vergaben die Note „befriedigend“. Das ließ die Polizei nicht ruhen. Mit Philipp Bober, der seine Bachelorarbeit an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung verfasste, fand sich ein Interessent für eine detaillierte Untersuchung des komplexen Themas „subjektives Sicherheitsgefühl“. Mit der Vorstellung der Ergebnisse löste die Polizei eine Zusage ein, die sie angesichts der Diskussion Ende 2014 gegenüber der Stadt gegeben hatte.

Die zentralen Ergebnisse: 76,4 Prozent der Befragten fühlten sich bei Dunkelheit in ihrer Wohngegend sicher. Speziell bei Dunkelheit ist das Sicherheitsempfinden ein wichtiger Faktor, auch in wissenschaftlichen Untersuchungen. Das machte Professor Dr. Hans Schneider bei der Vorstellung der Ergebnisse klar. Aber: 41,5 Prozent fühlten sich nicht zu jeder Zeit sicher. Unsichere Zeiten sind für die Befragten zwischen 17 und 21 Uhr und überwiegend zwischen 21 Uhr und 6 Uhr in der Frühe.

Alkoholisierte oder unter Drogen stehende Personengruppen sind dabei die Hauptursache für diese Unsicherheitsgefühle. Die Angabe, dass sie sich nicht immer sicher fühlen, machten vor allem Frauen und Bürger mit einem vergleichsweise niedrigen Bildungsabschluss.

Noch ein Punkt ragt bei den Ergebnissen heraus: 70,9 Prozent der Befragten sind mit der Polizeipräsenz in Stadtallendorf mindestens zufrieden. Wobei hier nicht nach Polizeibeamten oder freiwilligen Polizeihelfern differenziert wurde. Auch die Polizeihelfer sind uniformiert.

In der Untersuchung wurde allerdings nicht gezielt nach Angsträumen gefragt, also Orten, an denen sich die Menschen besonders unsicher fühlen.

Die Ergebnisse werden am morgigen Dienstag auch im Fachausschuss für öffentliche Sicherheit, Soziales und Kultur vorgestellt. Es war ein gewisses „Aufatmen“ während der Präsentation bei Bürgermeister Christian Somogyi, Polizeipräsident Bernd Paul, Polizeidirektor Manfred Kaletsch und Heinz Frank, Leiter der Polizeistation Stadtallendorf, spürbar.

Polizei regt Straßensatzung an

Paul verwies auf die Faktenlage: Bei der errechneten Häufigkeitszahl an Straftaten lägen sowohl der Landkreis Marburg-Biedenkopf als auch Stadtallendorf unter dem Landesdurchschnitt. Landesweit liegt die Häufigkeitszahl als statistische Kennziffer, die eine Vergleichbarkeit bei der Kriminalitätsentwicklung möglich macht, bei 5900, der Kreis liegt bei 4392. Stadtallendorf als zweitgrößte Stadt des Kreises ist also keineswegs eine besonders unsichere Kommune, auch was die Faktenlage angeht. So die Erkenntnisse der Polizei. Das beruhigt vor allem Somogyi, der auf die Initiativen von Stadt und Polizei verwies, etwa durch die sehr enge Kooperation, den Einsatz zusätzlicher Polizeihelfer und auch eines privaten Sicherheitsdienstes in der Stadtmitte. „Die Zahlen in Stadtallendorf zeigen auch im Vergleich mit anderen überregionalen Untersuchungen beim Sicherheitsgefühl keine Auffälligkeiten“, bewertete Wissenschaftler Dr. Schneider die Zahlen.

Doch Bober, wie auch Professor Schneider, machten klar, wie sehr und wie kurzfristig besonders das Sicherheitsgefühl beeinflusst werden kann - etwa durch das Internet und Medien. Wie wenig einige Befragte dabei mit den Realitäten vertraut sind, machte eine abgefragte Zahl deutlich: Die Schätzungen der Zahl der Straftaten in Stadtallendorf lagen gemessen an der Realität weit auseinander. Es fielen Angaben zwischen 2 und 35000.

Für die Polizei sind die Daten „kein Grund, sich jetzt auszuruhen“, wie es Polizeipräsident Paul formulierte. Heinz Frank wurde konkret: Mehr Kontrollen von Jugendlichen im Zusammenhang mit Alkohol, mehr Präsenz im Heinz-Lang-Park und im Bahnhofsumfeld habe sich die Polizei je nach personellen Möglichkeiten vorgenommen. An die Stadt richtete er seitens der Polizei den Wunsch, eine Straßensatzung zu erlassen. Damit wären örtliche Alkoholverbote rechtlich durchsetzbar. Es soll nicht bei dieser einen Untersuchung bleiben. Paul sagte zu, in zwei Jahren wieder eine Studie zu unterstützen.

Die Sitzung des Ausschusses findet am Dienstag, 20. Juni, ab 19 Uhr im Besprechungsraum 1 im Rathaus statt.

DIE METHODIK

Die Ergebnisse kamen auf Grundlage einer repräsentativen Befragung von 398 Bürgern am 15. Oktober 2016 an drei Standorten zustande. Neun Fragen, bei dreien mit Unterkategorien, waren zu beantworten. Die Fragebögen waren auch in türkischer und russischer Sprache verfasst. Acht Interviewer nahmen die Befragungen vor. Angesprochen wurden die Bürger nahe des Lidl-Marktes, am Rewe-Markt und am Edeka-Markt in der Kernstadt. Autor Bober setzte die Ergebnisse zugleich in Zusammenhang mit der Kriminalitätsstatistik 2014 und 2015.

von Michael Rinde

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