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Sexuelle Belästigung - und alle schauen weg

Kirchhain Sexuelle Belästigung - und alle schauen weg

Kirchhain und Flüchtlinge - das war bislang ein fast ausschließlich von der Sonne beschienenes Thema. Seit Montagabend liegt ein Schatten über dem Miteinander von Flüchtlingen und Bürgern.

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Der Einkauf im Kirchainer Aldi-Markt wurde am Montagabend für eine Kundin zu einem schockierenden Erlebnis.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Montagabend, 19 Uhr. Eine aus der Umgebung von Marburg stammende Frau ist nach Dienstschluss zum Einkaufen nach Kirchhain gefahren. Im Aldi-Markt trifft sie auf einen Araber. Der fällt ihr auf, weil er in ihre Richtung obszöne Bewegungen mit dem Mund und der Hand macht. „Er wollte es richtig wissen und packte mich am Arsch“, sagt das 33-jährige Opfer gegenüber der OP, um sich sofort für diese Wortwahl zu entschuldigen.

Die Frau gibt Kontra, stellt den als äußerst aggressiv beschriebenen Mann zur Rede. Hilfreich dabei: Sie kann etwas Arabisch. Die Folge: Sie wird als „Bitch“ beleidigt und weiter massiv bedrängt. Das Opfer wird laut, will auf sich aufmerksam machen. Aber die Umstehenden schauen einfach weg. „Keiner hat gesagt, halt‘s Maul, lass‘ die Frau in Ruhe“, beklagt sich das Opfer und bekennt: „Ich war selten so schockiert wie in diesem Moment.“

Exakte Beschreibungdes Täters

Das Opfer, dessen Name der Redaktion bekannt ist, hat selbst einen Migrationshintergrund, wuchs in einem Land auf, in dem es früher für Frauen so gut wie kein selbstbestimmtes Leben gab. Weil sie aus religiösen Gründen verfolgt wurde, musste ihre Familie fliehen. Deshalb ist es für die mit einem Deutschen verheiratete und in Deutschland sozialisierte Frau selbstverständlich, sich in der Marburger Flüchtlingsarbeit zu engagieren.

Um so mehr schmerzt es sie, dass „Die alles kaputt machen“. Mit „Die“ meint sie nicht nur den Aggressor vom Aldi-Markt, sondern auch die anderen Männer aus dem muslimischen Kulturkreis, die glauben, sie können mit Frauen umgehen, wie sie wollen. „Wer zu Gast ist in meinem Haus muss sich auch benehmen. Wir haben uns die Freiheit und Eigenständigkeit über lange Jahre erkämpft“, erklärt sie, warum sie sich so vehement gegen den Angreifer wehrte.

Polizeistreifen waren bereits im Einsatz

Letztlich wählt sie die Telefonnummer 110, landet beim Polizei-Notruf in Gießen. Sie schildert einem Beamten ihre Notsituation. Der verweist darauf, dass leider alle der auch für Kirchhain zuständigen Streifenwagen-Besatzungen unterwegs zu einer Schlägerei sind (die in einer Neustädter Wohnung zwischen Asylbewerbern ausgebrochen war, die Red.). „Sie sind im Markt, holen Sie sich Hilfe“, sagt der Polizist und legt auf.

In diesem Moment fühlt sich die Frau alleingelassen. Mithilfe eines Marktmitarbeiters gelangt sie ins Freie, wo sie von zwei weiteren Kundinnen angesprochen wird. Auch diese wurden von dem Mann belästigt und als „german Bitch“ beleidigt. Derweil fährt der Täter auf einem silberfarbenen Fahrrad davon. Die Täterbeschreibung ist ziemlich exakt: 1,85 bis 1,90 Meter groß, buschige, schwarze Augenbrauen mit Oberlippen- und Kinnbart. Bekleidet war er mit einer schwarzen Jacke, einer blauen Jeanshose und auffälligen Römersandalen.

Das Opfer erstattete online Strafanzeige. Sie sei sicher, dass sich der Mann nicht zum ersten Mal so gegenüber Frauen verhalten habe. „Das sehe ich an seinen Augen“, erklärt die Frau, die verhindern möchte, dass eines Tages auch mal eine 18-Jährige zum Opfer werden könnte, die sich nicht wehren kann.

Polizei suchtdringend Zeugen

Die Polizei nimmt diesen Vorfall sehr ernst, wie Polizeisprecher Jürgen Schlick auf OP-Anfrage erklärte. Die Reaktion seines am Montagabend in der Notrufzentrale Dienst versehenden Kollegen wollte er nicht kommentieren. Er kenne die Umstände nicht, unter denen die fragliche Äußerung gefallen sei.

In einer Pressemitteilung bittet die Polizei Augenzeugen des Vorfalls im Markt, sich bei der Kriminalpolizei zu melden. Das gelte insbesondere für die beiden Frauen, die nach dem Zwischenfall dem Opfer von ihren selbst erlittenen Belästigungen berichteten. Telefon: 06421/4060.

von Matthias Mayer

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