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Serien-Einbrecher gibt Spielsucht als Tatgrund an

Gericht Serien-Einbrecher gibt Spielsucht als Tatgrund an

Innerhalb von viereinhalb Monaten stieg ein Neustädter neunmal in einen Getränkemarkt beziehungsweise den benachbarten Supermarkt ein - oder versuchte es zumindest. Bei Tat Nummer zehn klickten die Handschellen.

Neustadt. Die Gerüchteküche war zu Beginn des Jahres kräftig am brodeln, halb Neustadt spekulierte, wer ständig in ein und denselben Getränkemarkt einsteigt und Zigaretten und Alkohol stiehlt. Am 11. Februar gelang der Polizei dann der entscheidende Schlag: Sie schnappte den Täter auf frischer Tat – mit 23 Kippenpäckchen in den Taschen. Gestern nun, am Tag seines 22. Geburtstages, gestand der Angeklagte sechs Einbruchdiebstähle, vier Versuche und die dazugehörigen Sachbeschädigungen: Mal hatte er, um sich Zutritt zu den Geschäftsräumen zu verschaffen, Scheiben eingetreten, mal hatte er Europaletten hindurchgeworfen, einmal gar eine Alarmanlage komplett aus den Angeln gerissen.

Das Diebesgut, vornehmlich Zigaretten der Marke Lucky Strike und Jack-Daniel‘s-Whiskey, verkaufte der Mann an einen Freund, dessen Namen er allerdings vor Gericht nicht preisgab. Er habe Geldmangel und sogar Schulden gehabt, nannte der junge Mann als Motiv und berichtete, den Lohn in Höhe von rund 1500 Euro netto für seine Tätigkeit als Lagerist teilweise komplett an Geldspielautomaten verzockt zu haben.

Ein Problem sei gewesen, dass sein Mandant gut bezahlt worden und somit leicht an Kredite gekommen sei – die der Angeklagte für den Kauf eines Autos und von Unterhaltungselektronik nutzte. Am Ende standen rund 30000 Euro an Schulden.

Immer, wenn sein Lohn aufgebraucht war, habe er sich auf Einbruchstour begeben, gab der Angeklagte zu – der sich auch für verschiedene Einbrüche in einen Imbisswagen verantworten sollte, das Verfahren war jedoch in Hinblick auf die gestrige Verhandlung eingestellt worden. Und so war er beispielsweise am 18. und am 24. September 2015, am 8. und 20. Dezember 2015 und am 20. und 22. Januar sowie am 1. Februar 2016 in den Getränke- beziehungsweise einmal in den angrenzenden Lebensmittelmarkt eingestiegen.

Drei Jahre Bewährungszeit

Ob er nicht daran geglaubt habe, eines Tages erwischt zu werden, wenn er immer wieder ins gleiche Geschäft einbreche, wollte Richter Dirk-Uwe Schauß wissen. „Doch“, entgegnete der Angeklagte knapp – der es aber vielleicht auch darauf angelegt hatte, geschnappt zu werden. Gegenüber der Polizei habe er gesagt, dass er weder Wohnung noch Job habe und ins Gefängnis wolle, berichtete die Staatsanwältin – woraufhin der Anwalt einwarf, dies sei eine Trotzreaktion seines bisher nicht vorbestraften Mandanten gewesen.

Vier Monate saß der Angeklagte nun in Untersuchungshaft. Die Polizei sei davon ausgegangen, dass er in seine Heimat Polen fliehen könnte, berichtete der 22-Jährige, betonte aber, dies nie geplant zu haben.

Er wurde letztendlich zu einem Jahr auf Bewährung (mit drei Jahren Bewährungszeit) verurteilt. Auflagen sind, dass er sein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren weiter verfolgt und sich auf Spielsucht untersuchen und gegebenenfalls therapieren lässt. Zudem muss der 22-Jährige, bis er Arbeit gefunden hat, monatlich 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

von Florian Lerchbacher

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