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Senioren wünschen sich Entlastung

Altenhilfe Senioren wünschen sich Entlastung

Eigentlich fühlen sich Senioren in Neustadt und den Stadtteilen wohl. Doch damit die Lebensqualität in der Stadt noch besser wird, hätten sie einige Vorschläge.

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85 Prozent von Neustadts Senioren wollen ihren Lebensabend in ihrem Heim verbringen. Doch viele von ihnen sind dabei auf Unterstützung angewiesen. Manche benötigen ein niedrigschwelliges Angebot, andere hingegen eine Tagespflege.Archivfoto

Neustadt. Neustadt. Die Senioren in Neustadt haben drei zentrale Wünsche: Sie hätten gerne einen Bürgerbus, um mobiler zu sein und besser von A nach B zu kommen. Zudem wünschen sich gerade ältere Menschen, deren Familien nicht mehr der Stadt leben, eine Art Tagespflege beziehungsweise Bürgerhilfe, damit ihr Leben erleichtert wird und sie länger in ihrer Heimat wohnen können. Als Drittes hätten sie gerne – vor allem die Menschen in der Kernstadt – ein besseres Handels- und Dienstleistungsangebot. Mit der Lebensmittelversorgung sind die Bürger indes zufrieden.

In Momberg wurde zudem beispielsweise die Forderung nach einer Verbesserung der medizinischen Versorgung laut, in der Kernstadt außerdem nach einem barrierefreien Bahnhof und einem zwanglosen Treffpunkt für Senioren. Dies alles ergab eine Umfrage der Stadt und des Büros akp, das sich primär dem Thema „Soziale Stadt“ widmet. Von den rund 2400 Menschen über 60 Jahre, die im Stadtgebiet leben, haben zwar nur 107 und somit lediglich knapp fünf Prozent den Fragebogen ausgefüllt, Bürgermeister Thomas Groll ist mit dem Rücklauf aber dennoch zufrieden: „Ich hätte maximal mit zehn Prozent gerechnet. Entscheidend ist aber auch nicht die Quantität der Antworten, sondern die Qualität.“ Rückfragen im Familien- und Freundeskreis hätten ergeben, dass die „engagierten fünf Prozent“ die richtigen Themen angesprochen hätten.

Grundsätzlich zeigte sich, dass die Senioren in Neustadt ihre Wohn- und Lebensverhältnisse überwiegend als gut bezeichnen. Nur in Speckswinkel scheinen sie nicht zufrieden sein. „Ich gehe davon aus, dass dies mit der fehlenden Infrastruktur zu tun hat“, analysiert Heike Brandt, Städtebauarchitektin von akp. Und während die Senioren in der Kernstadt die Lebensmittelversorgung und die Verkehrsanbindung beziehungsweise den Bahnanschluss loben, sind beispielsweise den Menschen in Momberg die guten nachbarschaftlichen Verhältnisse wichtig.

Bei der Seniorenarbeit bekommt besonders die Kirchengemeinde großes Lob für „3x20 plus/minus“: „Das Angebot findet an einem guten Ort statt und wird von guten Leuten betreut. Das ist wichtig“, stellt Brandt heraus, während Groll ebenfalls voll der lobenden Worte ist, gleichzeitig aber betont: „Das ist traditionelle Seniorenarbeit.“ Seiner Meinung nach hätten sich jedoch die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen über 60 geändert: Sie seien im Vergleich fitter als früher und wünschten sich mehr Aktivität.

In Zukunft will er bei der Stadt einen festen Ansprechpartner für Senioren installieren. In Sachen „Barrierefreiheit des Bahnhofs“ kündigt er an, Gespräche mit dem Regionalen Verkehrsverband Marburg-Biedenkopf und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund führen zu wollen: „Dort sollen ab 2019 neue Planungen für Bahnhöfe entwickelt werden. Da wollen wir rein.“

Auch den Wunsch nach einem zwanglosen Treffpunkt für Senioren hält der Bürgermeister für umsetzbar: Vielleicht lasse sich dies im entweder renovierten oder neu gebauten Haus der Begegnung unterbringen. Dazu passe die Überlegung, das Familienzentrum aus dem „Regenbogen“ dorthin zu verlegen – denn auch dessen Angebot will die Stadt umstrukturieren: Sie sollen nicht mehr vornehmlich auf Familien mit Kindern von 0 bis 6 Jahren ausgerichtet sein, sondern Menschen von 0 bis 99 insgesamt ansprechen.

Noch zu viele Fragen offen, um konkret zu werden, sind ihm beim Thema Bürgerbus. Klar sei, dass sich die Menschen mehr Mobilität wünschten – doch es sei beispielsweise noch zu klären, ob tatsächlich Bedarf vorhanden sei, wo der Bus hinfahren und welche Ziele er konkret anfahren solle.

Den Bedarf nach einer Art Bürgerhilfe beziehungsweise einem Tagespflegeangebot haben Stadt und akp sowohl aus den Antworten auf den Fragebogen für Senioren als auch für den Teil für pflegende Angehörige herausgelesen: 85 Prozent der Senioren wollten im eigenen Heim ihren Lebensabend verbringen. Viele von ihnen benötigen aber schon jetzt bei kleineren Aufgaben im Haushalt, bei Behördengängen, Krankheiten oder beim Einkaufen Unterstützung. Meistens kommen dann Partner beziehungsweise Familie zum Einsatz. „Das ist nicht untypisch“, wirft Brandt ein und ergänzt: „Die Familie ist das zentrale Element, das beim Älterwerden hilft.“ Aus den Antworten der Senioren, aber auch der pflegenden Angehörigen hat sie herausgelesen, dass es einen Bedarf für Kurzzeit- und Tagespflege gibt – aber ebenso für eine Bürgerhilfe, die ein niedrigschwelliges Hilfsangebot macht, durch das sich viele kleine Probleme beseitigen lassen. Musterbeispiel einer funktionierenden Bürgerhilfe ist für Brandt jene in Mardorf – von der sie einen Vertreter nach Neustadt einladen will, der dort über das Angebot und das Engagement berichtet: „Auch da ist vieles von den Menschen, die sich engagieren, abhängig“, so Groll, der zur Tagespflege noch ergänzt, dass die Stadt dabei auf private Anbieter zurückgreifen müsse.

Derzeit präsentieren Stadt und akp die Ergebnisse der Befragungen den Senioren – jeweils auf die einzelnen Stadtteile ausgerichtet – und nehmen noch Anregungen auf. Die Kernstadt und Momberg haben sie bereits abgearbeitet, am kommenden Dienstag ist Mengsberg an der Reihe (16 Uhr im evangelischen Gemeindehaus). Am Dienstag, 2. Mai (ebenfalls 16 Uhr, im Zollhof) kommen sie dann nach Speckswinkel.

von Florian Lerchbacher

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