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Selbst unterrichten ist ihm wichtig

Neuer Schulleiter in Kirchhain Selbst unterrichten ist ihm wichtig

Als am Dienstag die „i-Dötzchen“ an der Grundschule Kirchhain eingeschult wurden, war es für Mario Michel „ein ganz besonderer ­Moment“. Erstmals durfte er als Schulleiter die Zeremonie übernehmen.

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Das Unterrichten will sich Mario Michel auch als Schulleiter nicht nehmen lassen. Hier sitzt er am Lehrerpult in einem der frisch renovierten Klassenräume.

Quelle: Peter Gassner

Kirchhain. Dass Mario Michel einmal Schulleiter werden würde, wusste er schon früh in seinem Leben. „Mir war relativ schnell klar, dass ich einmal in diese Positionen reingehe“, sagt er. Schließlich sei er ein Mensch, der gerne den Blick auf das Ganze habe. „Wenn es noch etwas länger gedauert hätte, wäre das aber auch in Ordnung gewesen“, schiebt er nach. Mit 38 Jahren ist er für die Position noch vergleichsweise jung. Zudem war er erst wenige Monate zuvor als Konrektor an die Grundschule in Gladenbach-Weidenhausen gegangen. „Ich weiß nicht, ob ich zu diesem Zeitpunkt schon den Job an einer anderen Schule übernommen hätte“, sagt er deshalb. Doch als sich ihm die Möglichkeit bot, an die Grundschule Kirchhain zu gehen, konnte er diese Chance nicht ausschlagen. Zwischen 2010 und 2015 hatte er dort bereits als Konrektor gearbeitet.

Seit dem 1. Februar 2016 ist er kommissarisch im Amt des Schulleiters. „Das war, wie nach Hause zu kommen“, berichtet er. Eine Schule zu übernehmen, die er in den vergangenen Jahren mitgestaltet hat, ist für ihn ein besonderer Reiz. Ab Oktober wird er vom Schulamt fest für den Posten berufen, lediglich die Zustimmung der Schulkonferenz steht noch aus. Doch Pläne für die Weiterentwicklung der Schule hat der Mario Michel schon heute.

„Wir wollen noch enger mit der Alfred-Wegener-Schule als weiterführende Schule kooperieren, damit der Übergang von der vierten in die fünfte Klasse den Kindern nicht so schwerfällt.“ So könnten Grundschüler dort beispielsweise an AGs teilnehmen. „Ziel ist es, dass die Schüler schon im Vorfeld wissen, was sie auf der neuen Schule erwartet“, erklärt Michel. Auch mit den Kindertagesstätten sollen die Kooperationen ausgebaut und die Nachmittagsbetreuung zudem erweitert werden.

Englisch, Musik und Sport stehen im Fokus

Im Unterricht ist ein Projekt mit dem Beginn dieses Schuljahres bereits angelaufen. Statt wie bisher ab Klasse 3, startet der Englischunterricht nun testweise bereits in der zweiten Klasse. Wie sich das auswirke, müsse im Laufe des Schuljahres bewertet werden. Denkbar wäre dann möglicherweise auch schon in der ersten Klasse mit dem Englischunterricht zu beginnen. Eine mögliche Schwerpunktsetzung der Grundschule könnte langfristig auch auf Sport und Musik liegen, da auch die AWS dort ihre Schwerpunkte habe.

Wichtig ist Michel die Zusammenarbeit mit den Eltern. Einerseits müsse die Schule „Beruf und Familie für die Eltern vereinbarer machen“. Zum anderen sei sie andersherum aber auch auf das Engagement von Eltern angewiesen. Aus diesem Grund bringt er sich auch an der Schule seiner Tochter ein, die in Gladenbach in die zweite Klasse geht. Michel sitzt dort im Elternbeirat - und hat naturgemäß einen ganz anderen Blick auf die Dinge, die dort geschehen. „Lehrer schauen da bei ihren Kindern naturgemäß mit anderen Augen drauf. Manchmal muss ich mich da ein wenig zurückhalten“, gesteht er. Für seine Tochter engagiert er sich dort trotzdem gerne.

Ohnehin soll sein Familienleben nicht unter der arbeitsreichen Aufgabe als Schulleiter leiden. Seine Karriere als Fußballer, zuletzt bei der FSG Südkreis, hat der leidenschaftliche Kicker altersbedingt und auch aus beruflichen Gründen aufgegeben. „Darauf zu verzichten schaffe ich“, sagt er. Die Zeit mit seiner Tochter ist dem Familienvater aber heilig. „Da muss man bei aller Arbeit auch einmal abschalten und den Beruf vom Privatleben trennen können“, sagt er.

Dienstbeginn eine Stunde vor allen anderen

Seinen Dienst an der Schule beginnt er meist am frühen Morgen um halb 7 - eine Stunde, bevor die übrigen Lehrer eintreffen. „Da habe ich noch ein wenig Ruhe“, begründet er dies. Post bearbeiten, Statistiken führen, die Homepage betreuen, das Schuljahr planen und vorbereiten, Kontakte mit Eltern und Kooperationspartnern pflegen, Arbeiten mit dem Hausmeister erledigen, für Kollegen ansprechbar sein - all das zählt zu seinen Aufgaben. Dennoch ist es ihm wichtig, weiterhin zu unterrichten. Statt früher 29 Stunden sind es nur noch 13 Stunden - doch die verbleibende Zeit will er unter keinen Umständen aufgeben. „Es ist wichtig, weiterhin Kontakt zu den Schülern zu haben - wie soll ich sonst den anderen Lehrern als Ansprechpartner dienen können?“, erklärt der Mathe- und Sachkundelehrer.

Der Umgang mit den Kollegen hat sich naturgemäß ein wenig gewandelt. „Als Schulleiter wird man natürlich ganz anders wahrgenommen. Als Konrektor war man noch eher der Kollege, jetzt ist man der Chef“, sagt er. Dennoch „hoffe und denke ich, dass mir dieser Switch ganz gut gelungen ist“. Keinesfalls wolle er sich ändern. „Ich will weiterhin authentisch bleiben und einfach Mario Michel sein. Den Job mache ich ja aus Überzeugung.“

Auch seine Konrektorin Susanne Frische ist erst seit Ende des vergangenen Novembers da. Gemeinsam arbeiteten sie sich zunächst ein, auch wenn das Michel aufgrund seiner früheren Zusammenarbeit mit seiner Vorgängerin Elke Biebricher-Maus nicht schwer fiel. „Die Übergabe hat nur einen Nachmittag gedauert“, sagt er. Zusammen mit dem jungen Kollegium wollen sie dafür sorgen, dass die rund 400 Schüler Spaß an der Schule haben. Denn, so Michel, „diese vier Schuljahre sind die wichtigsten in der ganzen Schullaufbahn“.

von Peter Gassner

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