Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Seit zehn Jahren im ständigen Austausch

Projekt Seit zehn Jahren im ständigen Austausch

Seit zehn Jahren kommen Woche für Woche einen Nachmittag Schüler der Landgräfin-Elisabeth-Schule in das benachbarte Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt und besuchen ältere Menschen.

Voriger Artikel
„Komm mach mit – tratsch dich fit“
Nächster Artikel
Wegen zweier Schwarzfahrten droht der Knast

Während der Feier rund um das zehnjährige Bestehen des Projektes kegelten Senioren und Jugendliche.

Quelle: Klaus Böttcher

Stadtallendorf. Seit zehn Jahren gibt es das Projekt „Alt trifft Jung - Jung trifft Alt“. Die Mitglieder der schulischen Arbeitsgemeinschaft haben bereits mehrfach gewechselt, und von den älteren Menschen der ersten Stunde lebt keiner mehr. Trotzdem ist es für beide Seiten immer wieder ein Erlebnis, wenn sie zusammenkommen. Manche Kinder, die meist zwischen zehn und zwölf Jahre alt sind, hatten anfangs Vorbehalte oder Berührungsängste. Das gab sich in den meisten Fällen aber sehr schnell. Mitschüler, die schon länger dabei sind, rissen sie meist mit - und auch die Freude der älteren Menschen über den Besuch der Jugendlichen und die einhergehende Abwechslung machen die Eingewöhnung leicht.

Viele Ehemalige denken gerne zurück

Zur kleinen „Jubiläumsfeier“ kamen entsprechend nicht nur die sieben Schüler der Arbeitsgemeinschaft, sondern auch einige Ehemalige. „Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler erinnern sich gerne an die Besuche im Haus und kommen hierher“, sagt Irmi Speth, die Sozialpädagogin des Altenzentrums. Sie und Lehrerin Petra Habermann sind die Mütter des Projektes - das in dieser Kontinuität im Kreis wohl einmalig ist.

Der 15-jährige Domenico kommt schon seit drei Jahren jeden Dienstagnachmittag in das Altenzentrum. Frau Schmidt ist seine Patin, denn jeder Schüler hat einen älteren Menschen, mit dem er oder sie hauptsächlich zusammen ist. „Das gefällt mir sehr gut“, sagt Domenico und flitzt davon. Er geht zum Eiswagen, um „seiner Frau Schmidt“ ein Eis zu holen. Und die strahlt und verrät: „Er möchte gerne mein Enkel sein.“ Auf Nachfrage, ob sie ihn denn auch zum Enkel nehmen würde, wenn das ginge, sagte sie bestimmt: „Das können Sie glauben, das ist ein ganz Lieber.“

Manchmal braucht es Zeit

Wie bei Domenico entwickeln sich oftmals so gute Verhältnisse, dass Schüler auch in der Freizeit oder an Wochenenden ins Altenzentrum kommen würden, erzählt Habermann, Lehrerin an der Landgräfin-Elisabeth-Schule - einer Schule für Lern- und Erziehungshilfe. „Die Teilnahme an der Arbeitsgemeinschaft ist freiwillig. Manche Kinder kommen damit auch nicht klar und springen nach kurzer Zeit wieder ab“, sagt die Lehrerin. Das Interesse sei allerdings immer noch da, es habe sogar eine Zeit gegeben, in der sie eine Warteliste aufstellen musste.

Die Jungen hören begeistert zu

Die Schüler und die Senioren spielen, basteln, handarbeiten, gehen spazieren oder reden einfach nur. Sie feiern gemeinsam kleine Feste zu Ostern oder Weihnachten. Und die Jungen hören begeistert zu, wenn die Älteren von früher erzählen. Ganz nebenbei erfahren die Besucher einiges über die Altenpflege und absolvieren häufig Tagespraktika, um zu sehen, ob das eine Berufsperspektive ist.

Die meisten der älteren besuchten Menschen fiebern dem Nachmittag, wenn die Kinder kommen, entgegen. „Es gibt aber auch traurige Fälle“, erzählt Irmi Speth. Der 12-jährige Laurin hatte seinen Paten ein Jahr besucht. Dann starb dieser: „Laurin war fix und fertig und musste betreut werden.“

Hedwig Clasani, die Leiterin des Altenzentrums, steht ebenso wie Schulleiter Ralf Bednarek voll hinter dem Projekt. „Das kann ich nur begrüßen, das ist grandios“, schwärmt er und lobt den guten Kontakt zu den Mitarbeiterinnen des Hauses.

von Klaus Böttcher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr