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"Seien Sie einfach nett zu ihnen"

Clearingstelle für Jugendliche "Seien Sie einfach nett zu ihnen"

Am Dienstagabend gab es mehr als einmal zustimmenden Applaus für Erläuterungen rund um die geplante Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in einer bisherigen Halsdorfer Gaststätte.

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Die Gaststätte „Zur goldenen Aue“ wird den Eigentümer wechseln. Das Gebäude soll künftig minderjährige, jugendliche Flüchtlinge beherbergen. Foto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Halsdorf. Nach diesem herzlichen Empfang werde er in jedem Falle die Einrichtung in Halsdorf schaffen, erklärte Ben Schwieder nach der Sitzung des Gemeindeparlaments Wohratal am Dienstagabend. In der Clearingstelle sollen unbegleitet reisende minderjährige Flüchtlinge ihre ersten Wochen verbringen (die OP berichtete mehrfach). Im Gemeindeparlament gaben Schwieder als Inhaber der künftigen Betreiberfirma und Uwe Pöppler von der Kreisverwaltung Erläuterungen und beantworteten Fragen. Pöppler leitet den Fachbereich Jugend, Familie und Soziales. Er selbst bezeichnete sich vereinfachend als Jugendamtsleiter.

Überraschend war die hohe Besucherzahl im Treffpunkt Halsdorf. Rund 80 Zuhörer verfolgten die Sitzung. Karl-Ludwig Bubenheim (SPD), Vorsitzender des Gemeindeparlaments, hatte in seinen 31 Jahren als Parlamentarier noch nie ein derartiges Interesse erlebt. Bevor es an die eigentliche Information ging, gaben Dieter Engel (SPD) und Dr. Gerhard Willmund Erklärungen zum Thema ab. Auf verschiedene Weise warben beide dafür, die geplante neue Einrichtung und die ankommenden Jugendlichen in Halsdorf gut aufzunehmen. Engel erinnerte an die Verantwortlichkeiten westlicher Länder für die Flüchtlingsbewegungen. Willmund erinnerte an die Halsdorfer Erfahrungen aus der Vergangenheit, bei Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen. „Diese Erfahrungen sollten Sorgen dämpfen“, sagte Willmund.

Pöppler und Schwieder erläuterten zunächst die Fakten: Der Kreis als Jugendhilfeträger braucht eine derartige Einrichtung für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und etwa 17 Jahren. Zwischen 18 und 24 Jungen werden in der künftigen Clearingstelle untergebracht. Ihre durchschnittliche Zeit dort liegt bei etwa sechs Wochen. In einzelnen Fällen kann sie aber auch länger sein. Für den Kreis ist dabei der Umgang und die Arbeit mit jugendlichen Flüchtlingen beileibe kein Neuland. Im Kreis existieren feste Wohngruppen, in die junge Flüchtlinge nach ihrer Zeit in einer Clearingstelle aufgenommen werden, zum Beispiel in Wetter (lesen Sie hierzu auch unseren Bericht auf Seite 11).

Halsdorfer gründeneigenen Arbeitskreis

Uwe Pöppler geht davon aus, dass bis Jahresende - einschließlich der Jugendlichen aus der künftigen Clearingstelle - rund 200 minderjährige Jugendliche in Wohngruppen betreut werden. Diese Zahlen nannte er gestern gegenüber der OP.

In den Ausführungen Schwieders und Pöpplers fiel häufig das Wort „Ruhe“. Ruhe wird das Erste sein, was die Jugendlichen brauchen, wenn sie in Halsdorf ankommen. Ein Zuhörer stellte die naheliegende Frage, wie er am besten mit den Jugendlichen im Alltag umgehen sollte. „Seien Sie einfach nett zu ihnen“, bekam er zur Antwort. Meist seien die Jugendlichen fast schon erschrocken, wenn jemand nett zu ihnen sei, schilderte Pöppler. Er sei aufgrund aller bisherigen Erfahrungen sicher, dass die Halsdorfer die Jugendlichen kaum wahrnehmen werden.

Leben und wohnen werden sie im Gebäude an der Hauptstraße, das jetzt noch die Gaststätte „Zur goldenen Aue“ beherbergt. Schwieders Firma „Social Services“ aus Gießen wird das Gebäude, das schon länger zum Verkauf stand, erwerben. Der Kreis arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Schwieder als Wohngruppen-Betreiber zusammen. In der Halsdorfer Clearingstelle werden die Jugendlichen rund um die Uhr betreut. Schwieder hat mit der Personalsuche bereits begonnen. Bis zu zehn Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Erzieher werden in der Einrichtung arbeiten. Auf Nachfrage erklärte er, dass er für weitere Bewerbungen offen sei. „Weitere unterstützende Mitarbeiter nehmen wir gerne“, formulierte er es. Es ging während der Sitzung auch um alltägliche Fragen, etwa nach der ärztlichen Betreuung. Die medizinische Erstuntersuchung der Jugendlichen wird vom Gesundheitsamt übernommen. Sollten weitergehende Untersuchungen nötig sein, werden Fachärzte hinzugezogen.

Auch das Thema ehrenamtliche Hilfe kam Dienstagabend noch einmal zur Sprache. Bald kommt es zu einem ersten Treffen eines künftigen Arbeitskreises Asyl in Halsdorf. Harald Homberger vom Arbeitskreis aus Wohra verwies auf die zwei Jahrzehnte währende Erfahrung, die es dort mit der Begleitung von Flüchtlingen gibt. Er will sich auch in Halsdorf gerne beratend einbringen. Am Schluss stand noch einmal deutlicher Applaus für Ben Schwieder und Uwe Pöppler. Während des Abends gab es keine ablehnende Worte.

Schwieder rechnet damit, dass er die Einrichtung Ende Oktober, spätestens aber im November eröffnen kann.

n Der Arbeitskreis trifft sich am 5. Oktober um 19.30 Uhr im Treffpunkt Halsdorf.

von Michael Rinde

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