Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Sehbehinderte erleben Unvergessliches

Besonderer Tag Sehbehinderte erleben Unvergessliches

Hoch hinaus ging es bei einem unvergesslichen Ausflug zum Segelflugplatz für zehn Schüler der Blindenstudienanstalt Marburg.

Voriger Artikel
Feldpausch prägt Kindergarten
Nächster Artikel
30 Metal-Bands an 3 Tagen

Sabine hat bei Pilot Steffen im Segelflieger Platz genommen, den Innenraum des Cockpits ertastet und macht sich bereit für den Flug.Foto: Mareike Bader

Quelle: Mareike Bader

Amöneburg. Sabine schwankt zwischen Aufregung und Vorfreude. Gleich geht es für sie in die Luft. Pilot Steffen erklärt ihr alles ganz genau, lässt sie das Cockpit erfühlen und hilft ihr beim Anlegen des Notfallschirms. Dann steigt Sabine vorsichtig ein, Steffen und Helfer Andreas schnallen sie an. Während Steffen sich auf seinen Platz setzt, schaut Andreas, dass das Seil am Segelflugzeug richtig sitzt. Dann geht es los: Andreas hält einen der Flügel hoch und gibt das Zeichen für den Start. Die Elektro-Winde zieht das Flugzeug steil nach oben. Dann ist ein Klicken zu hören: das Geräusch, wenn sich die Winde ausklinkt.

Hinter dem Flugzeug liegt Amöneburg - aber das sieht Sabine nicht. Auf dem rechten Auge ist sie komplett blind, auf dem linken Auge sieht sie nur ganz wenig, erzählt sie. „Wenn das Flugzeug so schräg war, hab ich links grün und rechts blau gesehen“, berichtet sie von ihrer Flugerfahrung „Wolken seh ich nicht, das ist mehr so ein Einheitsblau“. Viel mehr als die optischen Eindrücke hätten sie die Geräusche und die Empfindungen des Körpers beeindruckt. „Es ist ein echt krasses Gefühl, wenn du den Sitz nicht mehr unter dir spürst“, erzählt sie stolz von einem Flugmanöver und bekommt das Grinsen kaum aus dem Gesicht. Angst habe sie nicht gehabt, sie möge generell Schnelligkeit und habe ihren Piloten auch gefragt, ob sie ein paar Kunststücke fliegen könnten. Den Steilflug nach unten und die erlebte Schwerelosigkeit war ein unvergesslicher Moment, freut sie sich.

Auf dem Flugplatz warten Sabines Klassenkameraden der 10b von der Carl-Strehl-Schule, die zur Blindenstudienanstalt (Blista) gehört. Es ist der letzte gemeinsame Ausflug der zehn Schüler - eine Art Abschiedsausflug. Zwei Jahre lang gingen sie zusammen in eine Klasse, die in der Oberstufe jedoch aufgelöst wird.

Während zwei Schüler in der Luft sind, werden unten Erfahrungen ausgetauscht. Begierig fragen die Schüler die Klassenkameraden aus, die ihren Flug schon hinter sich haben.

Als erstes startete der 16-jährige Flo. „Richtig geil. Der Hammer. Absolut klasse. Genial“, stammelt er überglücklich nach der Landung. Der Start sei wie eine Achterbahnfahrt gewesen. Sein Sehvermögen beträgt nur noch fünf Prozent, trotzdem habe er die Aussicht genießen können und gesehen, wie alles immer kleiner wurde.

Anders als mit anderen Gästen im Flieger sei das nicht, berichtet Daniel Roesler vom FSV Blitz Amöneburg. Während des Fluges werde viel mit den Gästen gesprochen. Ein häufiges Thema sei die Frage nach den Gründen, warum es so wackelt, wenn der Flieger in eine Thermik hineinfliege.

Sabine unterhielt sich indes mit ihrem Piloten Steffen über „Blumenkohlwolken“.

Als Jannik von seinem Flug zurückkommt, herrscht helle Aufregung. Er war auf fast 1000 Metern Höhe. „Das war richtig cool“, grinst er. Die Windgeräusche beim Fliegen seien so gewesen, als ob man durch einen Tunnel fliegt. Ein wenig Pech hatte dagegen Christoph, bei dessen erstem Start das Seil riss. „Das war nicht so gut“, murmelt er. Aber am Ende des Tages überwiegt das positive Erlebnis bei allen.

Wer wie die Schüler auch einmal bei einem Segelflug zu Gast sein möchte, kann dies in der Flugsaison von Mitte März bis Mitte November, an Samstagen ab 14 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ab 10 Uhr tun. Weitere Informationen unter www.fsv-blitz.de

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr