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Sechs Windräder? Oder acht? Oder keine?

Energie Sechs Windräder? Oder acht? Oder keine?

Der Gegenwind ist bereits stark - dabei haben Mardorfs Waldinteressenten noch keine Entscheidung getroffen, ob sie Flächen für weitere Windräder zur Verfügung stellen oder nicht.

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Die Mardorfer Kuppe ist Vorranggebiet für die Windenergiegewinnung. Auf dem Mittelgebirgszug stehen bisher fünf Windräder.

Quelle: Tobias Hirsch

Mardorf. „Es ist legitim, gegen weitere Windräder zu sein. Es ist aber auch legitim, unsere ­Möglichkeiten zu nutzen“, sagt Josef Kräuter, der Vorsitzende der Mardorfer Waldinteressenten. Diese denken derzeit ­darüber nach, Flächen zu verpachten, auf denen Projektentwickler Windräder bauen könnten. Eine Entscheidung haben sie aber noch nicht gefällt.

In der vergangenen Woche hatten die Waldinteressenten während einer internen Sitzung Vertreter von zwei Projektentwicklern zu Gast, die ihnen ihre Angebote unterbreiten durften. Einer plane mit sechs Anlagen, der andere mit acht, berichtet Karl Rhiel, der stellvertretende Vorsitzende der Waldinteressenten, und legt eine Betonung auf das Wort „plant“: „Es kann ja auch sein, dass das Regierungspräsidium den ein oder anderen Standort für Windräder streicht“, wirft Kräuter ein.

Beide Projektierer sehen Anlagen mit einer Nabenhöhe von 164 Metern und einer Leistung von 3,6 MW vor, die, wie Rhiel betont, je nach Anbieter mindestens 1,1 beziehungsweise 1,2 Kilometer von den umliegenden Dörfern entfernt stehen würden. Eine Realisierung wäre für das Jahr 2020 vorgesehen. Pro Anlage müssten die Waldinteressenten einen halben Hektar Land zur Verfügung stellen. Bei acht Anlagen wäre weniger als ein Prozent der Fläche des Mardorfer Waldes betroffen, erklärt Rhiel. Ziel sei es, möglichst Freiflächen zu nutzen - von denen es seit dem Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 noch einige gebe.

„Das Projekt ist aus Sicht des Vorstandes nicht realisierbar, wenn nicht alle Bürger der Stadt die Möglichkeiten haben, davon zu profitieren“, teilen Kräuter und Rhiel mit. Die Projektierer hätten entsprechend auch über Möglichkeiten der Beteiligung berichtet - ein Punkt, über den die Waldinteressenten ebenso diskutieren müssen wie über die grundlegende Frage, ob sie überhaupt Flächen verpachten wollen (und wenn ja: an wen?) oder nicht. Diese Entscheidung, die im Mittelpunkt des Interesses der Öffentlichkeit steht, treffen sie in ihrer nächsten Sitzung am 17. Februar.

Teilbeträge an gemeinnützigen Einrichtungen

Dann will der Vorstand den Mitgliedern auch den Vorschlag unterbreiten, Teilbeträge ihrer Einnahmen aus Windenergie gemeinnützigen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Ein Versuch, Akzeptanz zu kaufen beziehungsweise Skeptiker durch Geld für sich zu gewinnen? „Nein!“, meint Rhiel und fügt hinzu: „Das wäre die negative Auslegung dessen, dass wir teilen wollen. Wir möchten etwas für die Region tun. Nur, wenn man bereit ist, zu teilen, kann man Akzeptanz gewinnen.“

Das Projekt steht schließlich in der Kritik. Seit mehreren Wochen gibt es die Bürgerinitiative „Es reicht“, die Unterschriften sammelt, damit nach den Windrädern im Roßdorfer Wald nicht noch weitere Anlagen auf der Mardorfer Kuppe gebaut werden. Zu Beginn des Jahres schrieben die Gegner jeden Waldinteressenten persönlich an und fragten kurz gesagt, wie es mit der „gesellschaftlichen Verantwortung, den Wald für die nachfolgenden Generationen als Wald zu erhalten“ aussehe. Ob dies nicht wichtiger sei, als das schnelle Geld zu machen?

Sachlicher Austausch mit den Gegnern

„Wer keine Argumente hat, der appelliert ans Gewissen“, kommentiert Rhiel, gibt zu, den Brief gar nicht erst komplett gelesen zu haben und verweist darauf, dass es immer schwieriger werde, Wald ohne Verluste zu bewirtschaften. „Wir wollen ja nichts Verwerfliches“, sagt Kräuter.

Einige der Waldinteressenten sind auch Mitglieder der Bürgerinitiative. Mit ihnen habe es eine „sehr sachliche“ Diskussion gegeben, berichten die ­Vorstandsmitglieder und hoffen, dass es auch in Zukunft einen sachlichen Austausch mit den Gegnern neuer Windräder gebe.

„Wir weisen darauf hin, dass das Vorranggebiet für die Windenergiegewinnung Mardorfer Kuppe nach Offenlegung und Zustimmung aller Stadtverordneten der Stadt Amöneburg durch das Regierungspräsidium Gießen ausgewiesen wurde, was bereits den Bau der Roßdorfer Anlagen ermöglicht hat“, unterstreichen die Vorstandsmitglieder.

Bei der vergangenen Sitzung der Waldinteressenten waren 31 Mitglieder anwesend, die 41 von 71 Anteilen halten. Nach einer Satzungsänderung müssen sich zwei Drittel der Waldinteressenten für das Projekt aussprechen, damit es umgesetzt werden kann. Vor einigen Jahren hätten es noch 100 Prozent seien müssen - eine Hürde, an der die Mardorfer damals im Gegensatz zu den Roßdorfern gescheitert waren.

von Florian Lerchbacher

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