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„Scufelbachs“ Geschichte auf 544 Seiten

750 Jahre Schiffelbach „Scufelbachs“ Geschichte auf 544 Seiten

Sie ist ein Werk von Schiffelbachern für Schiffelbacher: Die Dorfchronik. Die fast drei Jahre währenden Arbeiten. An dem 544 Seiten starken Buch sind jetzt abgeschlossen. Am 17. Mai soll die Chronik erscheinen.

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Noch ist sie nicht gebunden, doch eine Vorabversion der Schiffelbacher Chronik präsentiert der Chronik-Ausschuss schon jetzt. Jens Berkenkopf, Heinz-Jürgen Hammer, Heinz Grosch, Heinrich Schmidt und Walter Kohl.Foto: Malte Glotz

Schiffelbach. „Vun naut kemmt naut“, das sind die ersten Worte in der Schiffelbacher Dorfchronik. „Von nichts kommt nichts“, eine Redewendung, die wohl auch die Arbeit des Chronik-Ausschusses beschreibt. Im August 2010 standen die Mitglieder ohne feste Ideen, ohne umfassendes Archivmaterial nach einer Bürgerversammlung erstmals beisammen und überlegten, wie eine Chronik ihres Dorfes aussehen könnte. Wer eine Vorabversion durchblättert, merkt: Gut sieht sie aus, die Chronik von Schiffelbach. Stolze 544 Seiten dick ist das Werk, beinhaltet rund 560 Bilder, Stiche und Grafiken und behandelt viele Themen aus 750 Jahren wechselvoller Geschichte zwischen Frankenberg, Haina und Marburg. Bis zur Gebietsreform 1974 gehörte das vollständig vom Gebiet des Landkreises Frankenberg umschlossene Schiffelbach als Enklave zum Landkreis Marburg. Mit der Gebietsreform verschwand das Kuriosum; Schiffelbach wurde in den neuen Landkreis Waldeck-Frankenberg eingekreist.

Senioren kommen zu Wort

Wie viele Chroniken anderer Dörfer, Gemeinden und Städte auch befasst sich das Schiffelbacher Werk mit den Vereinen, der Kirche, der ehemaligen Schule. Was das Werk aber auszeichnet - wissenschaftliche Puritaner würden es ihm wohl als unsaubere Arbeit ankreiden - ist eine ganz besondere Authentizität. Denn in dem Werk kommen besonders die Schiffelbacher selbst zu Wort. „Unsere Daten reichten eigentlich nur bis etwa 1950“, beschreibt Berkenkopf das Dilemma, vor dem die Chronisten am Anfang ihrer Arbeit standen. Doch die Chronik sollte bis ins Jahr 2013 reichen. Die jüngsten Jahren waren da noch relativ einfach zu füllen - was aber tun mit den Jahren nach dem Krieg? Und dem Krieg selber? „Es hat wohl jemand bewusst alle Akten zum Nationalsozialismus in Schiffelbach vernichtet“, berichtet Ausschuss-Mitglied Heinz Grosch - die Schiffelbacher konnten nichts finden.

Also haben sie sich auf lebendige Archive gestützt: die Schiffelbacher Senioren. Etwa 20 betagte Einwohner kamen zu Wort. Heinz Grosch und Heinrich Schmidt besuchten die Senioren, unterhielten sich mit ihnen. Ein Tonband lief mit. Aus den vielen verschiedenen, persönlichen Erinnerungen versuchten sie dann, ein möglichst objektives Bild zu gewinnen, ohne aber dabei die Lebensgeschichten, die hinter der Geschichte stehen, zu vernachlässigen.

Nicht immer war das leicht. „Etwa der Flugzeugabsturz im Krieg“, erinnert Grosch: „Es gab mehrere Abstürze über Schiffelbach. Aber jeder, den wir dazu befragt haben, meinte natürlich von dem einen einzigen Absturz zu berichten“, sagt er und lacht. Verschiedene Blickwinkel auf das Geschehen hingegen lieferte das Alter der Einwohner: Beim Einmarsch der Amerikaner etwa waren einige der Interviewten schon junge Erwachsene, andere hingegen waren damals noch Kinder.

Auf diese Weise haben die Mitarbeiter an dem Werk - Jens Berkenkopf, Heinz-Jürgen Hammer, Heinz Grosch, Heinrich Schmidt und Walter Kohl, Dr. Hermann Otto Schwöbel, dessen Frau Heide, Heiko Lingelbach, Anneliese Balzer und Heinz Schmidt - den größten Teil des Buches gestützt. Die ersten 680 Jahre Schiffelbacher Geschichte hingegen finden Platz auf 150 Seiten. „Zum Glück konnten wir uns hier auf die Arbeit des Ehepaars Schwöbel verlassen“, sagt erleichtert Jens Berkenkopf.

Vorarbeit von Schwöbels

Das Ehepaar, das in den 1970er-Jahren in die ehemalige Schule Schiffelbachs zog, begann rasch mit der Erforschung der Dorfgeschichte. Dabei haben sie sich insbesondere auf die Arbeit der Dorflehrer gestützt. „Die haben immer notiert, wenn im Dorf etwas vorgefallen ist“, erklärt Berkenkopf. Aus diesen Aufzeichnungen entwarfen Schwöbels ein Bild des historischen Schiffelbachs. Hinzu kam - für das Ehepaar als Historiker an der Marburger Universität leicht zugänglich - Archivmaterial von der Universität und aus dem Staatsarchiv, ebenso wie vom Hainaer Kloster.

So können die Schiffelbacher heute ihre Chronik mit einer Ablichtung der Ersterwähnungs-Urkunde beginnen. Schon die zeigt auf, dass die Geschichte des Dorfes an der heutigen Landkreisgrenze eine wechselhafte ist. Gezeichnet ist sie in Frankenberg, unter anderem von einem „Ludwig von Verse, Herold von Scufelbach“, aber auch von Herren aus dem gesamten Altkreis Frankenberg wie auch aus Münchhausen.

Die Zugehörigkeit zu Marburg und Frankenberg wechselte mehrfach, auch davon berichtet die Chronik - ebenso wie von der Herrschaft des Adelsgeschlechts Schleier, deren drei Schlägel im Wappen noch immer das Schiffelbacher Dorfwappen bilden.

von Malte Glotz

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