Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Schwimmer geraten in ernste Nöte

Badsanierung Schwimmer geraten in ernste Nöte

Für die Schwimmabteilung des TSV Eintracht Stadtallendorfs droht die Sanierung des Hallenbades zum Fiasko zu werden. Dem Verein fehlen in jenen 16 Monaten die Schwimmschüler - und damit auch Geld.

Stadtallendorfs Hallenbad in der Stadtmitte wird ab Juni für 16 Monate geschlossen, um es grundlegend zu sanieren. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. Das Thema „Ersatzquartier“ während der Badsanierung schien längst abgearbeitet und erledigt zu sein. Auch für den Vorstand der Schwimmabteilung. Für die Schwimmschüler hatte der Verein mit einer Ausweichlösung im Mengsberger Hallenbad gerechnet, die Leistungsschwimmer weichen in das Bundeswehrbad aus.

Aber dann der Schock, wie Trainer Wolfgang Schüddemage schildert: Von den Stadtwerken sei vor wenigen Wochen die Rückmeldung gekommen, dass das Mengsberger Bad ja eine längere Sommerpause macht. Das ist seit Jahren in Neustadt üblich, seit 5. April ist das Mengsberger Bad bereits dicht. Es wird wohl im September oder Oktober wieder öffnen. Auch im nächsten Jahr ist das nicht anders. Die Schwimmabteilung war nach eigener Angabe erst Anfang April informiert worden.

Kein Ersatz für die Schwimmschule

Einen Ersatz für die Schwimmschule gibt es nicht. Das Kirchhainer Bad ist ausgelastet. Allerdings, so erklärte Bürgermeister Christian Somogyi auf OP-Anfrage, soll es dort nun doch Samstags und Sonntags Trainingszeiten geben können. „Die sind allerdings für die Leistungsgruppe gedacht“, bestätigt Trainer Schüddemage auf Nachfrage der OP. Es sei ein „letzter Strohhalm“ für die Abteilung gewesen, in Kirchhain doch noch weitere Zeiten für die Anfängerkurse zu bekommen. Das habe sich aber mittlerweile zerschlagen. Bei einem Termin mit den Eltern der jungen Schwimmschüler ist in der vergangenen Woche eine Entscheidung gefallen: Während der Sanierungszeit wird es keinen Schwimmunterricht oder Anfängerkurse geben. Ein Schritt, der allen Beteiligten schwerfiel. „Unser Problem ist, dass wir bis heute nichts wirklich Verbindliches haben, nur Inoffizielles“, beklagt Schüddemage.

Bisher gibt es auch noch keine schriftlichen Verträge zwischen Stadtwerke und Bundeswehrverwaltung. Sie sind noch in Arbeit, wie Somogyi auch bestätigt. Für die Schwimmabteilung hatte sich die wachsende Unsicherheit über die garantierten Trainingsmöglichkeiten für die Kinder schon vor der Entscheidung über den Schwimmunterricht bemerkbar gemacht - in zahllosen Kündigungen. Bei der Schwimmabteilung gilt eine Besonderheit: Der größte Teil der Mitglieder besteht aus den Eltern, deren Kinder die Schwimm- und Anfängerangebote der Abteilung nutzen. 25 Prozent der vorher etwa 210 Mitglieder haben schon gekündigt. Und es kämen täglich neue Kündigungsschreiben, sagen Abteilungsleiterin Gabi Dingel und Trainer Schüddemage im Gespräch mit dieser Zeitung.

Dingel und Schüddemage werden übrigens demnächst vom Hessischen Schwimmverband für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt. Mittlerweile haben sich die Schwimmer entschieden, den vereinseigenen Bus zu verkaufen, um liquide zu bleiben. Doch es geht trotzdem in der Zeit der Badsanierung um die wirtschaftliche Zukunft des Vereins. „Das ist eine Katastrophe auf ganzer Linie“, beschreibt Dingel die für die ehrenamtlichen Schwimmsportler belastende Situation. Ein Beispiel: Geld braucht die Schwimmabteilung unter anderem dafür, um den Leistungsträgern des Vereins die Teilnahme an regionalen wie nationalen Wettkämpfen zu ermöglichen. Laut Schüddemage liegen die Startgelder je Sportler und Wettkampf zwischen 7 und 17 Euro. Die Unterbringung zahlen bereits die Eltern der jungen Sportler.

Problem mit Trainingsplänen für Talente

Und es gibt noch ein weiteres Problem für die Schwimmabteilung: Am 20. Juni stehen die Deutschen Meisterschaften in Berlin an. Es gibt einige Hoffnungsträger, junge Sportler, die bei Erfolgen dann auch der Stadt Stadtallendorf wieder alle Ehre machen werden. Paradebeispiel ist Jonathan Berneburg, zurzeit auf Platz 2 der Bestenliste über die Strecke 50 Meter Freistil in seiner Altersklasse. Für eine erfolgreiche Teilnahme ist ein genauer Trainingsplan nötig - und dessen Einhaltung. Schüddemage als Trainer braucht nach Schließung des Bades noch zwei Freitagstermine am 6. und 13. Juni. Das Bad macht zum 1. Juni für die Sanierung dicht. Da er noch keine Zusage für einen Termin hat, ist er nun in arger Sorge. Er hofft, dass er mit seinen Schützlingen vielleicht doch noch in das geschlossene Bad kann. Für ihn ist das alles vor allem „eine Frage des guten Willens“.

Bürgermeister Christian Somogyi ist zumindest beim letzten Punkt zuversichtlich: „Wir werden tun, was in unseren Möglichkeiten liegt, um ­dieses Training zu ­ermöglichen.“ Doch für die übrige Situation und Kritik aus Reihen der Schwimmabteilung bringt er kein Verständnis auf. Die Situation mit dem Mengsberger Bad sei von Anfang an klar gewesen, die Gespräche darüber habe sein Vorgänger geführt. Mit der Schwimmabteilung seien zuletzt Anfang April Gespräche ­geführt worden. „Um das Mengsberger Bad während des Sommers aufzuhalten, müssten wir bis zu 75000 Euro dafür zahlen“, sagt Somogyi. Letztlich sei die Stadt immer gesprächsbereit. „Wir diskutieren gerne, können uns aber auch nicht um alles kümmern“, erklärt Somogyi. Er verweist auf die Zusagen zur Nutzung des Bundeswehrbades von Montag bis Sonntag. Dass freitags dort kein Zeitkontingent zur Verfügung steht, lasse sich nicht ändern.

von Michael Rinde

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr