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Schwerer Beschuss zeigt erst spät Wirkung

Rathaus-Erstürmung Schwerer Beschuss zeigt erst spät Wirkung

Die Narren brauchten am Rosenmontag einen langen Atem: Bürgermeister Christian Somogyi hielt, was er angekündigt hatte und kämpfte mit seinen Mitstreitern bis zur "letzten Kamelle".

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Stadtallendorf. Orangefarbene Softbälle pfefferten vor die Fassade und die Scheiben des Bürgermeister-Büros im ersten Stock, Narren tanzten ausgelassen, laut hallten die Forderungen. Doch Bürgermeister Somogyi und seine Mitstreiter von Magistrat, Stadtverwaltung und Bundeswehr blieben standhaft.

So lange hat wohl noch keine Belagerung der Stadtallendorfer Trutzburg gedauert. Somogyi, der unter anderem von Brigadegeneral Reinhardt Zudrop Schützenhilfe bekam, drehte den Spies um. Er stellte Gegenforderungen. „Ich habe so lange um dieses Rathaus gekämpft, jetzt gehe ich nicht so ohne weiteres wieder“, verkündete er. Da half auch der närrische Einwand nichts, dass er ja eigentlich keine Forderungen zu stellen hätte. Und währenddessen hielt der Beschuss der Bürgermeister-Räume weiter an. 

Etwa 200 Narren stürmten am Rosenmontag das Rathaus von Stadtallendorf. Erbitterten Widerstand leistete dabei Bürgermeister Christian Somogyi.

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Und die Narren erfüllten tatsächlich einige der Forderungen „von oben“, ging es doch um das Tanzen. Somogyi und seine Frauen und Männer erhielten eine Galavorstellung, zum Beispiel davon, wie es sich am besten zu „Vader Abraham“ tanzen lässt. Norbert Naumann (FCKK) und Christoph Grimmel (NKC) gaben hervorragende Vortänzer ab.

Die eigenen Forderungen der Narren hatten Gewicht und es wie gewohnt auch durchaus in sich. Der Klassiker: Kinder sollen bis einschließlich Aschermittwoch freie Eintritt im Hallenbad bekommen. Das wurde durchgewunken, wobei Somogyi noch drauflegte: Er bot ab sofort freien Eintritt im Freibad an - und ab 1. Juni dann für ein Jahr im Hallenbad (das wird ab diesem Termin saniert).

Alfred Fink von der Kolpingfamilie Stadtallendorf verlangte, dass die Stadt nicht zeitgleich am zweiten Januarwochenende 2015 das Ohnsorgtheater verpflichten möge. Denn traditionell spielt dann die Theatergruppe der Kolpingfamilie, zuletzt vor 550 Besuchern.

Ganz praktisch auch der Wunsch des SV Schweinsberg, vorgetragen von Claudia Umbeck, der altbewährten Sitzungspräsidentin. Sie forderte die Sanierung des Bürgerhauses Schweinsberg bis Jahresende. „Damit wir dort dann unsere Sitzung wieder feiern können“, so ihre Begründung. Somogyis Antwort: „Ich werde Stadtrat Helmut Hahn bitten, dafür das Schweinsberger Moor zur Verfügung zu stellen, wenn es nicht klappt.“ Für den Bürgermeister wie auch für das FCKK-Prinzenpaar des vergangenen Jahres war die Rathauserstürmung gestern im übrigen ein „Nachholspiel“. Im vergangenen Jahr fiel sie wegen eines Trauerfalles aus. Doch Prinzessin Natascha I. und Prinz Mario I. zeigten sich auch ein Jahr danach in sehr guter närrischer Verfassung - und eroberten das Rathaus schließlich doch noch im Sturm. Zuvor hatte Prinz Mario I. aber noch eine wichtige Forderung an Somogyi: „Lassen Sie uns gemeinsam ein Fest für die Kinder planen, die es es nicht so gut haben.“ Die Zusage des Bürgermeisters folgte auf den Fuße. Doch das war es dann mit Somogyis Herrschaft. Geschlagen ließ er sich aus dem Rathaus führen, gab den Schlüssel ab und überreichte, als letzte Amtshandlung, einige Orden an die ehrwürdigen neuen Herrscher.

von Michael Rinde

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