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Schwarzfahrer landet fast hinter Gittern

Wiederholungstäter Schwarzfahrer landet fast hinter Gittern

Ein 25-jähriger Mann aus Cölbe wurde wegen wiederholter Schwarzfahrten in Zügen der Deutschen Bahn vom Kirchhainer Amtsgericht zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe zur Bewährung verurteilt.

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Eine Tageskarte für beliebig viele Fahrten zwischen Marburg und Stadtallendorf ist für 8,85 Euro zu haben. Ein 25-jähriger Angeklagter wurde auf diesem Streckenabschnitt an einem Tag gleich dreimal als Schwarzfahrer erwischt. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Strafrichter Joachim Filmer hat es in Kirchhain immer wieder mit Schwarzfahrern zu tun, die Leistungserschleichung - so heißen Schwarzfahrten im Amtsdeutsch - mit einer gewissen Profession immer wieder begehen. Der Richter wird bei dieser Gelegenheit nicht müde zu erklären, wie ungern er Wiederholungstäter und Bewährungsversager wegen dieses Delikts ins Gefängnis schicke. Gleichwohl musste er dies bereits mehrfach tun.

Die Vorstellung, wegen des vermeintlichen Bagatelldelikts für Monate hinter Gitter zu verschwinden, erscheint juristischen Laien absurd. Für den Angeklagten wäre sie beinahe bittere Realität geworden. Die Anklage warf dem 25-Jährigen vor, zwischen August und Oktober 2014 in 13 Fällen ohne gültige Fahrkarte in Zügen der Deutschen Bahn gefahren zu sein - fast immer zwischen Marburg und dem Ostkreis. Der Höhepunkt: An einem Tag wurde er auf dem gleichen Streckenabschnitt gleich dreimal von den Zugbegleitern der Bahn erwischt.

Neben diesem Päckchen schleppte der Angeklagte geradezu erdrückenden Ballast in Form mehrerer einschlägiger Vorstrafen mit in die Hauptverhandlung. Allein die letzte Verurteilung hatte ihm eine Geldstrafe in Höhe von 180 Tagessätzen eingebracht. „Das ist die Deadline für eine Geldstrafe“, verdeutlichte Joachim Filmer dem Angeklagten, dass für ihn nur noch eine Freiheitsstrafe in Betracht komme. Ansonsten zeigte sich der Richter angesichts der Vielzahl an einschlägigen Vorstrafen ratlos. „Für das Geld, das sie inzwischen an Strafen zahlen mussten, hätten sie sich jahrelang Fahrkarten kaufen können“, sagte er.

Der Angeklagte entschuldigte die Schwarzfahrten damit, dass er keinen Führerschein mehr habe und nicht über die Mittel für die kostspielige Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) verfüge - bei einem Schuldenstand von 20000 Euro. Ebensowenig wisse er, wie er die von Gerichten auferlegten Geldstrafen abbezahlen solle. „Es läuft wohl auf eine Privatinsolvenz hinaus“, nannte der Angeklagte seine Perspektive.

Wenig Verständnis für den Angeklagten brachte die Vertretung der Anklage auf. „Sie riskieren Kopf und Kragen wegen Schwarzfahrens. Das ist nicht nachvollziehbar. Es ist zwar ein Bagatelldelikt, aber Kleinvieh macht auch Mist“, betonte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer. Er forderte eine achtmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung und sagte in Richtung des Angeklagten: „Das ist die letzte Chance, die sie haben. Das ist ein Schuss vor den Bug.“

Das Gericht folgte dem Antrag und verurteilte den jungen Mann zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe zur Bewährung. „Man ist wirklich sprachlos. Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Wegen dieses Deliktes in den Knast zu kommen ist unfassbar. Ich mache das nicht gerne, aber beim nächsten Mal gibt es keine andere Möglichkeit mehr“, gab Richter Filmer dem Angeklagten mit auf den Weg. Die Messlatte für diesen liegt extrem hoch, denn das Gericht setzte die Bewährungszeit, während der nicht passieren darf, auf drei Jahre fest.

von Julius Mayer

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