Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Schutz für 1000 Jahre alten Taufstein

Ehrenamtliche Restaurateure Schutz für 1000 Jahre alten Taufstein

Fast 1000 Jahre alt ist der Taufstein, der 40 Jahre im Freien stand. Dank des Einsatzes des Verschönerungsvereins bleibt der Stein auch für die kommenden Generationen ein Stück Kirchengeschichte.

Voriger Artikel
Probleme sind sicht- und riechbar
Nächster Artikel
Riesenmagnet schwebt durch die Luft

Vor dem restaurierten alten Taufstein stellten sich die ehrenamtlichen Helfer auf. Von links: Alfons Preis, Reinhold Jennemann, Berater Klaus Eufinger, Otto Boland, Manfred Schraub, Leo Falker, Ulrich Preis, Markus Jennemann und Willibald Preis. Markus Jennemann (rechts) war für die Holzkonstruktion verantwortlich.

Quelle: Karin Waldhüter

Himmelsberg. Am Ende des sonntäglichen Gottesdienstes­ lud Pater Josua alle Gottesdienstbesucher dazu ein, mehr über die Sanierungsarbeiten zu erfahren und sich nach der Messe auf dem Kirchenvorplatz zu versammeln.

Die Geschichte des alten Taufsteins ist bemerkenswert und reicht rund tausend Jahre zurück. Willibald Preis, seit 41 Jahren Vorsitzender des Verschönerungsvereins, stellte die ­Sanierungsarbeiten vor und ­erläuterte die Geschichte des ­alten Taufsteins. Auf das Jahr 1243 ist die erste urkundliche Erwähnung als „Himmelsberg“ datiert, ebenso eine Kirche im Ort. Graf Berthold von Ziegenhain übergab der Urkunde zufolge durch Schenkung den Ort an das Zisterzienserkloster Haina. Fachleute gingen davon aus, berichtet Preis, dass der Ort ­bereits 100 bis 150 Jahre früher erbaut worden sei.

„Was hier steht, ist ein Stein aus dieser Zeit“, erläuterte Preis. Der Stein wurde benutzt, bis die Vorgängerkirche wegen Baufälligkeit im Jahre 1869 abgerissen wurde. Im gleichen Jahr begann man mit dem noch heute stehenden Neubau im neugotischen Stil. Die Kirche wurde am 27. August 1871 vom Fuldaer Bischof, dem heiligen Nikolaus, geweiht. Nach Fertigstellung wurde der Taufstein in die neue Kirche übernommen.

Taufstein "stand da wie der schiefe Turm von Pisa"

Besonders zeichnete die Kirche die Bemalung im Stil der Nazarener aus. Doch das zweite Vatikanische Konzil brachte viele Veränderungen mit sich. Die gesamte farbige Bemalung wurde weiß übermalt, der gotische Hochaltar wurde mit dem Altartisch entfernt, die Kanzel und Kommunionbank abgebaut und der untere Teil der Kanzel dient seither nach einer Umgestaltung als Taufstein. Der alte Taufstein und der Altartisch wurden auf dem Vorplatz aufgestellt.

Im Rahmen der Dorferneuerung war die Anlage dann zu ­einem geschlossenen Platz ­gemacht und ertüchtigt worden. Ungeschützt vor Regen und Schnee war der alte Taufstein in Schieflage geraten und stark vermoost. „So stand er da wie der schiefe Turm von ­Pisa und sah elend aus“, verdeutlicht Preis. Die Arbeiten ­seien alles andere als einfach gewesen, berichtet er.

Abgestimmt mit der Denkmalpflege standen Klaus ­Eufinger und eigene Fachleute­ den ­Helfern beratend beiseite. Der Stein musste gereinigt und versetzt werden, weil Arbeiten am Fundament nötig waren. Schwierig fiel der Verbau von Steinersatzmasse in der entsprechenden Farbe aus, denn der Stein hat zehnerlei Nuancierungen. Nicht einfach gestaltete sich der Bau der Abdeckung, die gleich mehreren Anforderungen entsprechen musste, sollte sie doch Schnee und ­Regen abhalten und so angebracht sein, dass keine Befestigungen mit Schrauben und Bohren notwendig würden.

Helfer leisteten rund 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit

Markus Jennemann, zuständig für die Dachkonstruktion, habe daraus eine Doktorarbeit gemacht, lobte Preis die „außergewöhnlich gute handwerkliche Arbeit“. Mit rund 60 Arbeitsstunden investierte Markus Jennemann, trotz halbseitiger Lähmung, unter den Helfern die meiste Zeit. Stefan Euker hatte ihn bei den Arbeiten unterstützt. Manfred Schraub führte­ entsprechend der Formen des Steins die Spenglerarbeit aus. Von Beratung bis zum Abschluss der Arbeiten vergingen rund vier Monate. Die Helfer leisteten rund 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit.

Für Farbgestaltung, Arbeiten am Fundament, Spenglerarbeiten, Verfugung, Steinbewegung, Bau der Dachkonstruktion und Beratung setzten sich Alfons Preis, Reinhold Jennemann, Otto Boland, Leo Falker, Manfred Schraub, Ulrich Preis und Markus Jennemann dafür ein, dass der restaurierte Taufstein noch vielen Generationen von seiner Geschichte erzählen kann.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr