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Schulteam klagt über "schlechten Stil"

Kritik Schulteam klagt über "schlechten Stil"

Das Team der Grundschule Wohra setzt bei der Diskussion über den zukünftigen Umgang der Gemeinde mit ihrem Anteil an der Grundschulbetreuung auf die Fraktionen im Parlament.

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Die Grundschule Wohra ist einer von zwei Schulstandorten in der Gemeinde. Foto: Michael Rinde

Wohratal. Seit Anfang Oktober ist der Plan des Wohrataler Gemeindevorstandes bekannt, sich aus der Mitfinanzierung der Grundschulbetreuung zurückzuziehen. Damit könnte die Gemeinde ab dem Schuljahr 2015/2016 rund 42000 Euro über das Jahr gerechnet sparen (die OP berichtete).

Das Geld der Gemeinde deckt die Grundschulbetreuung in den Randzeiten ab: von 15 bis 17 Uhr und eine Frühbetreuung in der Zeit von 7 bis 8.30 Uhr. Von der Grundschule Wohra kommt in einer Stellungnahme deutliche Kritik am Vorgehen des Gemeindevorstandes. Diese Stellungnahme hat das Team der Schule sowohl an den Bürgermeister als Sprecher des Gemeindevorstandes als auch an die OP versandt. Zum Team der Schule gehören vier Lehrer, ein Sozial-Pädagoge und zwei Erzieherinnen, erläuterte Ben Bender von der Grundschule Wohra. Im Kern kritisiert das Schulteam vor allem, wie es zu dieser Entscheidung kam - wenn sie auch noch nicht endgültig ist. Weder Schule noch Eltern seien in den Entscheidungsprozess einbezogen worden. „Wir halten das für schlechten politischen Stil“, heißt es im Schreiben der Grundschule Wohra. Eltern der Kinder, die derzeit die Schule besuchten, hätten außerdem einen Anspruch auf das ihnen bisher gewährte Angebot. „Denn nur das gewährleistet ihnen das vielbeschworene Vereinbaren von Familie und Beruf“, erklärt die Grundschule Wohra in Richtung Gemeindepolitik. In einer zukünftigen „Halbtagsbetreuung“ sähe das Team eine „unverantwortliche Schwächung des Schulstandortes“ und eine „Mogelpackung“ für die Eltern.

Die Kernzeiten des Betreuungsangebotes gewährleistet der Landkreis Marburg-Biedenkopf als Schulträger. Hinter den Plänen des Gemeindevorstandes wittern die Pädagogen derzeit auch einen Konflikt zwischen Kreis und Gemeinde, der unnötig auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen werde.

Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) reagierte zunächst „enttäuscht“ auf den Ton des Schreibens der Schule. Schließlich habe die Gemeinde über Jahre hinweg das breite Betreuungsangebot finanziert, ohne dass sie das Geld dafür gehabt habe. In der Tat sieht Wohratals Bürgermeister den Kreis gefordert, das Angebot in seiner bisherigen Weise weiterzufinanzieren.

Bürgermeister bietet Zusammenarbeit an

Er wirbt im Gespräch mit der OP für eine gemeinsame Position der beiden Schulen und der Gemeinde Wohratal gegenüber dem Landkreis. „Dass wir unseren Anteil an der Finanzierung der Grundschulbetreuung einstellen müssen, tut mir selbst in der Seel weh“, betont Hartmann. Schließlich habe er das Modell einer gemeinsamen Finanzierung mit dem damaligen Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern entwickelt.

Das Team der Grundschule Wohra hofft indessen auf Unterstützung von den Fraktionen im Gemeindeparlament, das das alleinige Haushaltsrecht hat. Sie sollen mit den Schulen in einen Dialog treten, um gemeinsam daran zu arbeiten, „den Menschen in Wohratal einen attraktiven Wohnort zu bieten.“ Der Gemeindevorstand wird im Haushaltsentwurf 2015 nun zunächst den Betrag für die Beteiligung an der Grundschulbetreuung nur noch bis Ende Juli nächsten Jahres vorsehen. Danach bleibt es dem Parlament überlassen, ob es Änderungen vornimmt. Der Kreis hatte bereits erklärt, noch genügend Zeit für eine Regelung des künftigen Betreuungsangebotes zu haben. Hintergrund der Entscheidung des Gemeindevorstandes ist die finanzielle Gesamtsituation der Gemeinde, hinzu kommen die schärfer werdenden Auflagen für Gemeinden mit unausgeglichenem Haushalt. Außerdem muss Wohratal im nächsten Jahr auch noch die vom Parlament beschlossene höhere Beteiligung am Gesamtdefizit der kirchlichen Kindergärten finanzieren. Künftig zahlt die Gemeinde 90 Prozent dieses Defizits statt bisher 80 Prozent. Etwa 293000 Euro wird Wohratal im nächsten Jahr an die evangelische Landeskirche für die beiden Kindergärten überweisen. Der laufende Haushalt schließt mit einem Defizit von 120000 Euro ab.

von Michael Rind

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