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Schule will mehr, kriegt aber nicht mehr

Inklusion Schule will mehr, kriegt aber nicht mehr

An der Grundschule Mengsberg-Momberg herrscht Enttäuschung -und die ist so groß, dass die Lehrer gar von der "Mogelpackung Inklusion" sprechen.

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Regina Kirchner und Kollegen sind Befürworter der Inklusion. Sie würden gerne an der Grundschule Mengsberg-Momberg ein zweites Kind inklusiv unterrichten.Foto: Florian Lerchbacher

Mengsberg. Ihre Grundschule habe eine gesellschaftliche Herausforderung, betont Leiterin Regina Kirchner und ist stolz darauf, einen Jungen „inklusiv“ zu beschulen. Die meisten „Sonderschüler“ seien nicht schwer behindert sondern hätten Lernschwierigkeiten, Verhaltens- oder Sprachprobleme, sagt sie und erklärt, ein inklusives Bildungssystem erachte Heterogenität als normal und suche eine Synthese von Schul- und Sonderpädagogik: „Inklusion erfordert ein Umdenken. Nicht unterrichten, um auf ein Ziel hinzuarbeiten, das für alle gleichermaßen festgesetzt ist, sondern fördern, um die individuellen Möglichkeiten auszuschöpfen und zu erweitern.“ Es gelte als, die Kinder nicht im Gleichschritt zu fördern, sondern in individuellem Tempo und auf individuellen Wegen.

„Inklusive Schule nimmt alle mit, hängt keinen ab. Inklusive Schule wechselt ab zwischen gemeinsamen und individualisierten Lern- und Arbeitsphasen. Es gibt das Lernen im Klassenverband ebenso wie die Rückzugsmöglichkeit für das einzelne Kind“, erläutert Kirchner und fügt hinzu; „In der inklusiven Schule weiß jedes Kind, dass es mit seinen individuellen Möglichkeiten zur ganzen Schulgemeinschaft gehört.“

Ihre Schule habe vor diesem Unterrichtsjahr vom Schulamt beziehungsweise dem regionalen Beratungs- und Förderzentrum eine Zuweisung von vier Stunden für sonderpädagogische Förderung erhalten, in denen eine Förderschulkraft zusätzlich an die Grundschule kommt. Im kommenden Jahr will die Bildungseinrichtung ein zweites Kind inklusiv beschulen - doch dafür gebe es keine zusätzlichen Stunden, ärgert sich Kirchner und behauptet: „Dadurch geht der Grundgedanke der Inklusion verloren.“ Die knappe Zeit, die einer Lehrkraft pro Kind zur Verfügung stünden, werde dadurch weiter beschnitten und dem Ziel der Inklusion nachhaltig geschadet.

Doch dem Marburger Schulamt sind nach Angaben von Jutta Wagner die Hände gebunden: Das Kultusministerium verteile die Stunden für sonderpädagogische Förderung hessenweit nach Schülerzahlen. Marburg sei bisher überversorgt gewesen: „Ich weiß, man kann nie genug Stunden haben“, kommentiert sie und betont, dass Marburg eine Vorreiterrolle eingenommen habe und die anderen Schulämter nun nachzögen und ebenfalls das Feld des gemeinsamen Unterrichts ausbauten.

Schulamt will Inklusion nicht an Stunden festmachen

Dadurch bekomme das Marburger Schulamt keine zusätzlichen Stunden und müsse entsprechend mit dem vorhandenen Kontingent auskommen. Eine Analyse habe ergeben, dass die Grundschule Mengsberg-Momberg keine weiteren Stunden benötige. Ohnehin sei es nicht mehr zeitgemäß, pro Kind von einer fixen Anzahl von genau vier Stunden auszugehen: „Ein Kind braucht mal mehr und mal weniger Unterstützung und entsprechend Förderstunden.“

„Viele Eltern glauben, die Politik stelle genügend Ressourcen zur Verfügung nur wir Lehrer wollten nicht mitziehen. In Mengsberg und Momberg wollen wir mehr, bekommen aber nicht die notwendigen Stunden“, lautet das Fazit Kirchners, die noch einen weiteren Kritikpunkt anbringt: Die Schule erhalte bisher vier zusätzliche „Förderstunden für alle Kinder“ - diese sollten im kommenden Jahr gekürzt werden. Dem widerspricht Wagner: Über dieses Kontingent sei noch keine Entscheidung gefallen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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