Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regen

Navigation:
Schule überwand einige Hindernisse

40 Jahre Schule überwand einige Hindernisse

Vor 40 Jahren, genauer gesagt am 1. August 1974, wurde die Grundschule in Kirchhain selbständig. Dies feierte sie nun mit einem Festakt und einem Schulfest.

Voriger Artikel
Lernwerkstatt will eine Ausstellung gestalten
Nächster Artikel
Vom fröhlichen Zecher zum verdienten Freiherrn

Während des Schulfestes waren zahlreiche Projekte zu sehen, unter anderem brachten Schüler Vulkane mittels Backpulver, Essig und Tinte zum Ausbruch. Während des Festaktes gab es eine Ehrung für Else Rotter (kleines Bild, von links), Elke Biebricher-Maus, Renate Albers und Siegfried Baldreich. Fotos: Manfred Schubert

Kirchhain. Trotz einiger Schwierigkeiten, insbesondere einem ungewollten Gebäudetausch und dem Umzug in die ehemaligen Beruflichen Schulen, sei der Weg in die Eigenständigkeit der richtige gewesen. Die Grundschule habe dadurch an Profil gewonnen - und das komme der pädagogischen Arbeit und den Schülern zugute, resümierte Rektorin Elke Biebricher-Maus.

Zuvor hatte sie den knapp 80 Gästen des Festaktes einen Überblick über die Entwicklung der Schule in den vergangenen 40 Jahren und das aktuelle Profil, das von dem Leitbild „Bunte Schule - gemeinsam lernen, Gemeinschaft erleben“ geprägt ist, gegeben.

Die Grundschule war bis 1974 Grundstufe der Gesamtschule Kirchhain - bis 1960 war sie Unterstufe der Kirchhainer Volksschule gewesen. Am 1. August 1974 wurde sie selbständige Grundschule in der Trägerschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Damals besuchten sie 617 Kinder in 19 Klassen. Zurzeit sind es 360 Kinder in 17 Klassen, voraussichtlich werde das auch in den nächsten Jahren so bleiben, sagte die Rektorin.

Der damalige Rektor Werner Jörg hatte sich einst um die Ausgliederung aus der Gesamtschule bemüht. Unter anderem gab es ein Gutachten des bekannten Marburger Erziehungswissenschaftlers Professor Dr. Wolfgang Klafki, der grundsätzlich die Eigenständigkeit von Grundschulen forderte. Vorteile waren, dass die Grundschullehrkräfte als Kollegium zusammenwachsen konnten, Schüler- und Lehrerzahlen übersichtlicher wurden und das gegenseitige Vertrauen wuchs.

1974 war die Grundschule als Teil der Gesamtschule noch in der Dresdener Straße angesiedelt, in einem neuen, auf Grundschüler abgestimmten Gebäude. Keine zehn Jahre später begannen sehr kontroverse Diskussionen um den Gebäudetausch mit den Beruflichen Schulen. „Es entstand der Eindruck, dass die Lobby für Grundschüler im Kreisausschuss fehlte“, berichtete Biebricher-Maus. Trotz großer Widerstände und Bedenken des Kollegiums erfolgte in den 80er Jahren der Umzug in die Pestalozzi-straße.

Anfangs litten Schüler und Lehrer unter gesundheitlichen Problemen, nach Schadstoffmessungen wurden Decken und Fußbodenbeläge ausgewechselt, intensiv geheizt und gelüftet. Das Umfeld wurde kindgemäß umgestaltet, die Pestalozzistraße, so die Rektorin, „mit viel Druck auf die politisch Verantwortlichen“ verkehrsberuhigt. Kollegium und Elternschaft gestalten und bemalten den Schulhof.

Trotz Bemühens des Schulträgers sei es nicht leicht gewesen, die nur in Ansätzen modernen Anforderungen genügenden Gebäude zu einer Grundschule umzugestalten. Besonders für das Haus 1 mit seinen drei Stockwerken wünschten sich die Grundschüler immer wieder einen Aufzug. Erstklässler könnten dort nicht beschult werden -der Weg in den dritten Stock sei schlicht zu weit gewesen. Vorteile waren indes der ausreichende Platz und ein großes Schulhofgelände mit vielen Bewegungsmöglichkeiten.

1990 startete das Betreuungsangebot, das inzwischen 130 Kindern Platz bietet. Der Bedarf steige weiter, die Gremien der Schule hätten mit der Diskussion über Angebote zur Ganztagsschule begonnen, blickte die Rektorin in die Zukunft.

Seit 1992 gibt es integrative, seit 2012 inklusive Klassen, in denen Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf beschult werden.

Schulamtsdirektor Burkhard Schuldt fand, die Schule könne auf das in 40 Jahren Geleistete stolz sein, insbesondere die individuelle Förderung der Schüler sei wichtig.

Landrätin Kirsten Fründt betonte, dass es die Schule geschafft habe, über die 40 Jahre die Kontinuität zu erhalten, die für die Schüler wichtig sei. Neben Lesen und Schreiben werde Sozialkompetenz in der Grundschule auf den Weg gebracht - eine Arbeit, deren Wert für unsere Gesellschaft nicht hoch genug einzuschätzen sei.

Der neue Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Marian Zachow schränkte bei allem Lob für die Schule ein: „Einen Fahrstuhl wird es nicht geben. Es ist auch wichtig, dass man klettern lernt.“

Gelächter im Publikum gab es, als Bürgermeister Jochen Kirchner just in dem Moment den Saal verließ, als der Schulelternbeiratsvorsitzende Sicco van der Mei die Kürzungen der Stadt bei der Betreuung kritisierte. Doch der Bürgermeister hatte es nicht persönlich gemeint: Er musste seine Tochter aus der Betreuung abholen, und kehrte kurze Zeit später mit ihr zurück.

Die Einzige, die sogar länger als 40 Jahre an der Schule arbeitet, ist Sekretärin Else Rotter. Sie erhielt einen Blumenstrauß, ebenso wie Rektorin Elke Biebricher-Maus, der vorherige Schulleiter Siegfried Baldreich (1984 bis 2003) und die frühere Konrektorin Renate Albers (1985 bis 2010). Schüler gestalteten den Festakt mit Gesang, Musik und einem kurzen englischsprachigen Theaterstück unterhaltsam mit.

Während des folgenden Festes präsentierten die Schüler die Ergebnisse der vorangegangenen Projektwoche, zum Beispiel Mosaike an den Wänden, Zirkus- und Theaterdarbietungen, Musik und Experimente.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr