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Schützen werfen Stadt Vertreibung vor

Streit eskaliert Schützen werfen Stadt Vertreibung vor

Harte Vorwürfe gegen die Stadt Kirchhain erheben unbekannte Autoren in einem Flugblatt, das in Großseelheim verteilt wurde.

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Das ab 1968 erbaute Schützenhaus gehört dem Großseelheimer Schützenverein, das Gelände der Stadt Kirchhain. Nach Angaben der Stadt kann der Verein das Areal weiterhin zu gleichen Konditionen mieten. Fotos: Matthias Mayer

Großseelheim. Es geht um zwei Neubaugebiete in Großseelheim, die die Kirchhainer Stadtverordnetenversammlung am 17. November mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP nach einer letzten Lesung im Bau- und Planungsausschuss genehmigt hat. Ein Baugebiet reicht in die Nähe des Großseelheimer Festplatzes. Ortsbeirat und die Vereinsgemeinschaft sehen dessen Bestand durch die Nähe des neuen Baugebiets aus Lärmschutzgründen akut gefährdet.

Gleiches befürchtet auch der Schützenverein Großseelheim, der im Kopf des Flugblattes steht. Der Verein befürchtet, dass es mit den künftigen Bewohnern eines bis auf 60 Meter an seine Anlagen heranreichenden Baugebiets wegen der Lärmemissionen zu Nachbarschaftstreitigkeiten und auch zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommen könne. Nach seiner Überzeugung hätte das Baugebiet mit Blick auf den Bestandsschutz für den Schützenverein nicht genehmigt werden dürfen. Nach dem Stand der Erörterungen im Kirchhainer Bau- und Planungsausschuss ist der unter freiem Himmel errichtete Pistolenstand für großkalibrige Faustfeuerwaffen das große Problem. Für diese Waffen gibt es im Schützenkreis Marburg keinen Rundenbetrieb. Die Mannschaftswettkämpfe werden ausschließlich mit Sportgewehr, Sportpistole, Luftgewehr und Luftpistole ausgetragen.

Ganz dicke Geschütze fahren die Autoren des Flugblattes zum Ende des Flugblattes aus: „Nächstes Jahr wird der Schützenverein 1925 Großseelheim e. V. 90 Jahre alt. Als Geburtstagsgeschenk hat uns die Stadt Kirchhain mit Schreiben vom 17. 11. 2014 (exakt am Tag des Stadtverordnetenbeschlusses über die Baugebiete) den bestehenden Pachtvertrag für Schützenhaus und Grundstück gekündigt, um den Schützen­verein zu vertreiben und einer gerichtlichen Überprüfung des von ihr betriebenen Bauleitverfahren zu entgehen.“

Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner bestätigte gegenüber dieser Zeitung die Kündigung, die aber in keinster Weise eine Vertreibung des Schützenvereins zum Ziel habe. Vielmehr gehe es darum, die Rechtsposition des Vereins zu stärken. Der alte Vertrag aus den 80er Jahren weise eine Kündigungsfrist von nur einem Jahr auf - für ein unbebautes Grundstück.

Kirchner: Verein muss inLärmschutz investieren

Der Schützenverein habe aber auf dem Gelände erheblich investiert. In diesen Fällen stelle die Stadt die alten Verträge für Vereine auf Mietverhältnisse zu den alten Konditionen, aber mit einer Laufzeit von 25 Jahren um. „Deshalb ist der neue Vertrag für den Schützenverein eher ein Vorteil als ein Nachteil“, sagte der Bürgermeister.

Als für den Verein kritisch bewertete der Bürgermeister das von den Schützen selbst beauftragte zweite Lärmgutachten. Aus dem gehe hervor, dass der Schallschutz derzeit nicht einmal für die bestehenden Baugebiete ausreiche. Unabhängig von der von den Investoren zu finanzierenden Einhausung des Pistolenstandes müsse der Verein in den Lärmschutz investieren. „Es gibt keinen Bestandsschutz für den Schützenverein. Das ist ein Irrtum des Vereins“, stellte Kirchner fest.

Der OP-Redaktion ist es derzeit leider nicht möglich, den Schützenverein zu den Sachverhalten zu hören. Der äußert sich nur über einen von dem Baugebiet persönlich betroffenen Rechtsanwalt. Auch das Flugblatt nennt keine Ansprechpartner. Der „Verantwortliche im Sinne des Pressegesetzes“ fehlt ebenso wie ein Impressum.

von Matthias Mayer

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