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Schüler kämpfen gegen Rassismus

Auszeichnung Schüler kämpfen gegen Rassismus

Die Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain ist nun offiziell eine „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Zur Siegelverleihung veranstaltete sie einen Festakt in der Aula.

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Die Freude bei Matthias Bosse (von rechts), Handan Özgüven, Sebastian Sack und den Schülern über das Siegel ist riesig.

Kirchhain. „Du gehörst nicht zu uns!“ und „Du bist nicht wie wir!“ - mit diesen und noch weiteren Vorwürfen stellten einige Schüler der Alfred-Wegener-Schule in einem szenischen Spiel dar, wie sich Diskriminierung auf dem Schulhof zeigen kann. „Rassismus und Vorurteile sind überall! Auch in deinem Kopf!“, riefen sie als Abschluss aus und untermalten damit, gegen was sie als Schulgemeinde vorgehen wollen.

Begonnen hatte der Weg der Kirchhainer Einrichtung zur „Schule ohne Rassismus“ mit einer Diskussion über Flüchtlinge im Mai 2016 in der damaligen Klasse M10. Dabei kam einigen Schülern die Idee, sich für Flüchtlinge einzusetzen, gegen Rassismus zu agieren - und andere darüber zu informieren. „Wir wollten eine AG gründen und haben die Lehrer um Hilfe gebeten“, erinnerten sich Benice Kalay und Celine-Seray Kombächer, zwei der sechs Gründungsmitglieder. Die Lehrer waren von der Idee sofort begeistert und sagten den Schülern ihre Unterstützung zu.

Um in das europaweite Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ („SOR - SMC“) eintreten zu können, benötigten die Schülerinnen mindestens 70 Prozent Unterstützung von der Schulgemeinde. Also hieß es, Unterschriften zu sammeln: „Wir sind durch alle Klassen gegangen, ins Lehrerzimmer und Sekretariat“, berichteten Kalay und Kombächer. Letztendlich fanden sie weitaus mehr Unterstützer als erhofft sowie noch einige Mitstreiter.

„Es war mehr als nur eine Unterschrift“, machte Sebastian Sack, einer der Lehrkräfte, die die AG unterstützen, deutlich: „Die ganze Schule steht hinter uns und macht mit.“ Inzwischen sind es 25 Schüler aus den Klassen 5 bis 11, die an der AG teilnehmen. Manche der Gründungsmitglieder sind sogar nicht mehr an der AWS und beteiligen sich immer noch. „Wenn es zeitlich möglich ist, wollen wir es gern noch weitermachen“, stellte Kalay heraus.

Die Siegelverleihung und damit die Aufnahme in das Netzwerk ist für sie nur ein Zwischenziel. Der Wahl-Pflicht-Kurs 9 und weitere Musiker untermalten den Festakt. Neben dem szenischen Spiel zeigten die Schüler zudem Filme zu den Themen „Was ist Diskriminierung?“ und „Was ist Heimat?“.

„Mit diesen Themen wollen wir uns auch in Zukunft weiter beschäftigen“, erklärte Sack. In Workshops oder bei der anstehenden Projektwoche der Schule will die AG darüber informieren. „Wir wollen lernen, was man gegen Diskriminierung tun kann und den Mut dafür aufzubringen“, erläuterte Sack.

Mut und Beherztheit wünschte auch der Bürgermeister der Stadt Kirchhain, Olaf Hausmann, den Schülern. „Ein Siegel hat eine große Bedeutung und einen bestimmten Wert an Wichtigkeit!“, erklärte er. Mut wünschte auch Landrätin Kirsten Fründt: „Ihr habt jetzt die Verantwortung, zu der ihr euch bekennen und die ihr nach außen tragen müsst!“ Als Schirmherrin und Patin des Projektes war die Landtagsabgeordnete Handan Özgüven sichtlich stolz auf die Schüler: „Ihr stellt euch gegen Ausgrenzung, Mobbing und Diskriminierung. Das sind wahre Demokraten!“

Schulleiter Matthias Bosse war stolz, dass seine Schüler Verantwortung für das Klima an der Einrichtung übernehmen.

Beeindruckt von dem Festakt zeigte sich Oliver Fassing, Landeskoordinator für „SOR-SMC“ der Bildungsstätte Anne Frank: „Das ist nicht meine erste Verleihung, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Er lobte, dass die Schüler sich gegen Mobbing und Rassismus wehren und dabei auch auf Kleinigkeiten achten. „Nur ein Schild hilft nicht dagegen“, forderte er die Schüler und Lehrkräfte zur Benennung der Probleme auf. „Eine gute Schule ist, wenn Probleme offen angesprochen werden!“

Und das wollen Schüler und Lehrer in Zukunft weiterhin tun. „Wir Lehrer fühlen uns in der AG sauwohl“, freute sich Sack über das angenehme Klima und die große Motivation und blickte zuversichtlich in die Zukunft der AG. „Die Tendenz und der Zulauf ist steigend!“

von Sophie Kaufmann

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