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Schüler erproben das Elterndasein

Schulprojekt Schüler erproben das Elterndasein

Wie fühlt es sich an Eltern zu sein und Verantwortung für ein Neugeborenes zu übernehmen? Das erfuhren fünfzehn Schüler der Georg-Büchner-Schule während eines Babyprojektes.

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Vier Tage lang absolvierten fünfzehn Schüler mit Kursleiterin Erika Brandt (Vierte von links) ein Elternpraktikum und kümmerten sich rund um die Uhr um die Babysimulatoren.Foto: Waldhüter

Stadtallendorf. Melissa ist geschafft. Viermal musste sie in dieser Nacht aufstehen, Windeln wechseln, ihr Baby füttern, trösten und umsorgen. „Die Nacht war sehr anstrengend“, resümiert sie am Dienstagmorgen und hält dabei ihr Baby fest im Arm. Die Sorge für ein Baby zu spüren und in der Realität selbst zu erleben, das hat sich auch der sechzehnjährige Sergen leichter vorgestellt.

„Ich dachte nicht, dass ein Baby in der Nacht so oft wach wird“, erzählt er und ist froh, dass er sich mit Klassenkameradin Eda die Sorge um das Baby teilen kann. Melissa, Sergen und Eda sind drei von fünfzehn Schülern, der Jahrgangsstufe R 10 die derzeit Mama und Papa auf Zeit sind. Sie besuchen den Wahlpflichtkurs „Lebensplanung und Elternpraktikum“ an der Georg-Büchner-Schule.

Für vier Tage übernehmen die Schüler, aufgeteilt in Zweiergruppen, die Verantwortung für einen Babysimulator in dem eine Menge High-Tech steckt. Denn die programmierbare Übungspuppe besitzt einen Sensor, der jede Art der Versorgung vierundzwanzig Stunden lang registriert. Sogar das richtige Stützen des Babykopfes wird dabei aufgezeichnet. Und wer versuchen sollte zu schummeln, der muss scheitern, denn fest um das Handgelenk tragen die Schüler ein Identifizierungs-Band, das nur durch Zerschneiden entfernt werden kann und sicherstellt, dass nur die zuständigen „Eltern“ das Baby versorgen.

Kind gehört zurLebensplanung

„Eine Umfrage unter den Schülern hat gezeigt, dass für fast alle Schüler Kinder zur Lebensplanung dazu gehören“, berichtet Kursleiterin Erika Brandt. Lediglich drei der fünf männlichen Kursteilnehmer hätten nicht an dem Babyprojekt teilnehmen wollen. „Das Babyprojekt ist eine Bereicherung für die Schüler, die Kinder sind stolz auf sich und haben etwas erlebt, was andere nicht erlebt haben“, ist sich Brandt sicher. Doch das Projekt blieb keinesfalls ein schulinternes Ereignis.

„Wir haben viele Reaktionen von außen bekommen“, erzählt Brandt von interessierten Freunden, Eltern und Geschwisterkindern. Auch die Mehrheit der Lehrer habe sich kooperativ gezeigt, denn einen Schultag lang verbringen die Schüler mit ihren Babys auch in Unterrichtsstunden.

Begleitet wird das Projekt von Ulrike Thomas und Barbara Wind von der Betreuungs- und Beratungsstelle Sozialdienst katholischer Frauen aus Marburg und Bad Soden-Salmünster. „Während des Projektes können die Schüler Erfahrungen sammeln und erfahren, was es bedeutet Eltern zu werden, was es heißt Verantwortung zu übernehmen, um dann für sich selbst verantwortliche Entscheidungen zu treffen“, verdeutlicht Thomas.

Die beiden Schülerinnen Hazel und Nurtac haben ihr Baby „Sarah“ getauft, trotz Windelwechseln, füttern und nächtlichem Aufstehen haben die Schüler viel Spaß erlebt. „Es wird bestimmt traurig das Baby wieder abzugeben“, sagt Azer mit Blick auf ihr vor Freude glucksendes Baby.

von Karin Waldhüter

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