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Schritt für Schritt zum Fundament

Windpark Schritt für Schritt zum Fundament

Bis zu 50 Meter lang und schwer beladen sind die Tieflader, die sich in den frühen Morgenstunden durch Roßdorf in den Wald schlängeln und Bauteile für die Windräder anliefern.

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Das erste „Schwerkraftfundament“, das einen Durchmesser von mehr als 20 Metern hat, ist bereits fertig.

Roßdorf. Ein generelles Halteverbot gilt derzeit zwischen 22 und 6 Uhr unter anderem in der Roßdorfer Waldstraße. Der Platz wird schließlich auch benötigt: In den frühen Morgenstunden fahren Schwertransporter durch den Ort, um Teile für den Windpark anzuliefern. Haben sie den Amöneburger Stadtteil durchquert, geht‘s über verbreiterte Schotterpisten durch den Wald zu den fünf künftigen Standorten der Windräder.

Wer will, kann sich auf dem extrabreiten Rundweg einen Einblick in den Fortschritt der Fundamente verschaffen - allerdings nur aus einigen Metern Entfernung, da das Betreten der Baustellen verboten ist. An einem Standort befinden sich die Arbeiten noch in den Anfängen: Dort setzen die Bauarbeiter derzeit tonnenweise Stahlstreben zusammen. Wenige Hundert Meter weiter steht das stählerne Grundgerüst bereits. Am nächsten Standort ist es sogar schon mit Beton verfüllt. Die sogenannten „Schwerkraftfundamente“ haben einen Durchmesser von mehr als 20 Metern und sollen alle ankommenden Lasten sicher in den Erdboden ableiten.

„In den kommenden Tagen setzt ein Spezialkran die einzelnen Segmente Schicht für Schicht aufeinander - und das ganz ohne Mörtel oder sonstige Ausgleichsschicht. Erst wenn die Segmente ihre endgültige Höhe erreicht haben, werden sie verspannt und im Fundamentfuß verankert“, blickt Juwi-Bauleiter Michael Kaiser voraus

Verlängert wird der konisch zulaufende 84 Meter hohe Betonturm abschließend mit einem 55 Meter langen Stahlrohr. Das verleiht zusätzliche Höhe. Auf diese Weise entstehen in den kommenden Wochen fünf 139 Meter hohe und mehr als 1000 Tonnen schwere Hybrid-Türme.

Stehen die Türme, werden im nächsten Bauabschnitt Maschinenhaus und Rotorblätter der Windräder des Typs GE 2.5-120 angebaut. Der Rotordurchmesser beträgt 120 Meter. Die drei 59 Meter langen Flügel überstreichen laut Juwi-Pressesprecher Felix Wächter mit jeder Umdrehung eine Fläche von 11310 Quadratmetern. Das entspricht etwas mehr als anderthalb Fußballfeldern.

Noch zweieinhalb Wochen steuern die Schwertransporter dienstags bis samstags in den frühen Morgenstunden den Windpark an. Bis zu 9,50 Meter lang und 3,80 Meter hoch sind die größten der geladenen Turmsegmente, die ein Gewicht von rund 40 Tonnen haben.

Der ein oder anderen Roßdorfer hat sich laut Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg auch schon über nächtlichen Lärm beschwert. Dieser wirbt um Verständnis und spricht von „unvermeidbarem Betrieb“ - er habe allerdings schon Kontakt zu Juwi aufgenommen und gefordert, dass die Lastwagen auf dem Rückweg möglichst langsam fahren sollten, um zusätzlichen Krach zu vermeiden. „Ach, ich kriege davon gar nix mit. Ich mache einfach das Fenster zu - und wenn ich schlafe, dann schlafe ich“, kommentierte eine Anwohnerin im Gespräch mit dieser Zeitung trocken.

Der Windpark soll laut Juwi im Frühjahr 2016 in Betrieb gehen. Die 2,5 Megawatt starken Generatoren wandeln die Energie des Windes in klimafreundlichen Strom um. Pro Jahr kommen laut Juwi auf diese Weise 40 Millionen Kilowattstunden zusammen. Das reiche aus, um 11000 Haushalte mit sauberem Strom zu versorgen. In Betrieb gehen soll der Windpark im Frühjahr 2016. Wer Betreiber wird, nachdem die Stadt Amöneburg, die Gemeinde Cölbe, die Stadtwerke Marburg und die Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf sich vom Verhandlungstisch zurückgezogen haben, ist noch unklar: „Wir befinden uns gegenwärtig in fortgeschrittenen Gesprächen mit mehreren potenziellen Betreibern. Diese Verhandlungen sind vertraulich und noch nicht abgeschlossen, daher können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Details nennen“, teilt der Juwi-Sprecher auf Anfrage mit. Ebenso offen ist die Entscheidung über einen weiteren Windrad-Standort, bei dem es Einwände gegeben hatte: „Wir prüfen diese Option“, erklärt Wächter.

Richter-Plettenberg jedenfalls freut sich über den Bau - auch wenn die Stadt sich nicht an dem Windpark beteiligt: „Wir nehmen in den kommenden Jahren bis zu drei Millionen Euro ein. Und das ohne Risiko. Von daher partizipieren die Stadt und ihre Bürger.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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