Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Schikane kostet 6500 Euro

Landgericht Schikane kostet 6500 Euro

Das Strafmaß wurde abgemildert. An der Tat selbst besteht jedoch kein Zweifel: Ein Oberfeldwebel hat in Neustadt Rekruten schikaniert und muss nun eine Geldstrafe in Höhe von 6500 Euro bezahlen.

Voriger Artikel
Im Kampf gegen das Horrorszenario
Nächster Artikel
Mardorfer wollen sich selbst helfen

Dieses Archivfoto zeigt einen Ausbilder auf dem Übungsplatz Ahlen, der Gewehre von Wehrpflichtigen inspizierte. 

Marburg. Was er getan habe, sei nicht in Ordnung gewesen, sagte der Angeklagte vor dem Landgericht unter Vorsitz von Klaus-Dieter Schwaderlapp. Der ehemalige Oberfeldwebel hatte zugegeben in zwei Situationen ungemessen gehandelt zu haben. Auch das Berufungsgericht sah den Tatbestand der „entwürdigenden Behandlung, böswilligen Erschwerung des Dienstes und Anmaßung von Befehlsbefugnissen“ als gegeben an.

Die Vorfälle, die bereits vor dem Amtsgericht Kirchhain verhandelt wurden, ereigneten sich im Spätsommer 2010. Damals war der Angeklagte als Ausbilder in der Kaserne Neustadt tätig. Nach einem Biwak hatte der Oberfeldwebel die Reinigung der Ausrüstung und der Stuben angeordnet. Nicht alle Rekruten seien der Aufforderung nachgekommen, woraufhin der Angeklagte einen nächtlichen Putzdienst angeordnet habe, für den er jedoch nicht die Befehlsgewalt besaß, wie die Staatsanwaltschaft erklärte.

Von elf bis vier Uhr morgens habe der Arbeitseinsatz gedauert. Bereits um halb fünf morgens folgte ein Marsch von sieben Kilometern. Bei einer anderen Begebenheit seien zwei Rekruten verschwunden, um sich vor einem Dienst zu drücken. Nachdem sie entdeckt wurden, habe der angeklagte Ausbilder einen der beiden im Beisein des gesamten Zugs mit folgenden Worten bloßgestellt: „Ab übermorgen gehört mir ihr Arsch nicht mehr, aber darauf darf ich nicht zu tief eingehen, ich kenne ja ihren schwulen Hintergrund.“

Der Schuldspruch des Amtsgerichts Kirchhain blieb auch in der gestrigen Berufungsverhandlung bestehen, jedoch senkte das Gericht das Strafmaß von ursprünglich sechs Monaten und zwei Wochen Freiheitstrafe auf Bewährung auf eine Geldstrafe.

130 Tagessätze à 50 Euro, also insgesamt 6500 Euro seien in diesem Fall angemessen, sagte Richter Schwaderlapp. Für den Angeklagten spreche, dass dieser keine Vorstrafen habe und der Tat gegenüber Reue zeige. Somit bleibt dem mittlerweile als Handelsvertreter tätigem Mann auch der Dienst als Reservist offen. Dies sei dem Angeklagten besonders wichtig, teilte dessen Anwalt mit. Eine Freiheitsstrafe hätte dies verhindert.

von Dennis Siepmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr