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Schiffe gehen im Alltagsstress unter

OP-Serie: 50 mit 50 Schiffe gehen im Alltagsstress unter

Im Alter von 15 Jahren sichert sich Volker Wege den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft, und doch gibt er den Schiffsmodellbau bald darauf aus Zeitmangel auf. Stattdessen tritt er in die Freiwillige Feuerwehr ein.

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Volker Wege ist aktiver Feuerwehrmann in der Freiwilligen Feuerwehr Kirchhain.

Quelle: Katharina Kaufmann

Kirchhain. In einer Zimmerecke im Haus der Familie Wege in Kirchhain liegt ein bunter Karton. Darin enthalten ist ein Modellbausatz. Gebaut ist das Schiff noch nicht. Es war ein Weihnachtsgeschenk seines Sohnes, erklärt Volker Wege: „Ich wollte mal wieder etwas basteln“, fügt er hinzu und lacht. Dazu gekommen ist er bis heute nicht. „Schiffsmodellbau braucht einfach Zeit und die habe ich nicht – nicht mehr.“

Durch Blinddarm-OP zum Spielmannszug gekommen

Früher war das anders: Als Kind und Jugendlicher beschäftigte sich der heute 50-Jährige intensiv mit dem Bau von Schiffsmodellen, nahm sogar an Meisterschaften teil. „Mit meinem Modell eines Wasserschutzpolizeibootes habe ich zweimal an den Weltmeisterschaften teilgenommen. Einmal 1979 und einmal 1981“, erinnert sich der zweifache Familienvater. 1979 belegt er den dritten Platz, 1981 den sechsten.

Bewertet werde bei Wettkämpfen jeweils die Fahrweise und -tüchtigkeit des Schiffes und dann die Bauart – sprich wie genau wurde gearbeitet, wie handwerklich geschickt ist das Boot zusammengesetzt, wie originalgetreu sind die Teile. „Wenn man in der freien Klasse aktiv war und nicht mit Bausätzen gearbeitet hat, musste alles selbst angefertigt werden – von den einzelnen Planken über jeden Poller bis hin zur Decksbespannung“, erläutert Wege. Da könne es schon mal zwei Jahre dauern, bis ein Modell fertig ist.

Als Jugendlicher hat Volker Wege erfolgreich Schiffe nachgebaut. Mit dem rund 1,50 Meter langen Modell eines Wasserschutzpolizeibootes im Maßstab 1:25 belegte er im Jahr 1979 sogar den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft.

Quelle: Privat

Zeit, die Wege irgendwann einfach nicht mehr hatte. Denn neben dem Schiffsmodellbau war der Kirchhainer auch im Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. „Als Kind habe ich Fußball gespielt. Durch eine Blinddarm-Entzündung mit OP musste ich aber acht Wochen pausieren“, berichtet er. Weil sein Elternhaus direkt am Festplatz in Kirchhain steht, wo der Spielmannszug im Sommer seine Marschierübungen absolvierte, wird Wege zum Zuschauer derselbigen. „Irgendwann wurde ich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte mitzumachen“, ergänzt er: „Da habe ich ,Ja‘ gesagt.“

Gesagt, getan: Den Fußball gibt er auf, lernt stattdessen, Querflöte zu spielen. Später spielt er auch die Lyra und ersatzweise mal die große Trommel. Als Mitglied des Spielmannszuges legt er verschiedene Lehrgänge ab. Letztendlich auch den, der ihn dazu berechtigt den Tamborstab zu führen, also den Zug zu dirigieren. „Wir waren damals eine leistungsstarke Gruppe, die regelmäßig erfolgreich Wettbewerbe bestritt“, berichtet der 50-Jährige nicht ohne Stolz.
Der Schiffsmodellbau rückt für Volker Wege damals mehr und mehr in den Hintergrund, irgendwann bleibt er ganz auf der Strecke. Nach dem Realschulabschluss beginnt er eine Ausbildung zum Elektriker, arbeitet anschließend 15 Jahre als Betriebselektriker in der Marburger Tapetenfabrik (MT) in Kirchhain.

Dort kommt er auch mit der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Kirchhain in Kontakt. „1983 gab es einen Großbrand in der MT“, erklärt Wege. Damals habe er von seinem Elternhaus in der Mühlgasse aus gesehen, wie die Feuerwehr ausrückte, wie immer wieder Kameraden zurückkamen zum Stützpunkt, um Material zu holen. „Ich wurde neugierig und bin dann einfach mal hingegangen“, sagt er. Weil ein Fahrer für Material gebraucht wird, springt er kurzerhand ein. „Ich habe dann den ganzen Tag mitgeholfen“, berichtet der Kirchhainer. In einer nachträglichen Einsatzbesprechung wird er schließlich gefragt, ob er nicht in die aktive Wehr eintreten wolle. „Im Spielmannszug war ich ja eh schon“, so Wege.

Zehn Jahre Zugführer bei der Feuerwehr

Seit diesem Tag ist er aus der Feuerwehr nicht mehr wegzudenken. Den Posten des Zugführers hat der Hausmeister der Alfred-Wegener-Schule zwar aus Altersgründen mittlerweile an einen jüngeren Kameraden abgegeben, Gruppenführer im zweiten Zug und im Gefahrstoffzug der Kirchhainer Wehr ist er jedoch weiterhin. „Ich bin gerne Feuerwehrmann und opfere dafür auch gerne meine Freizeit“, betont Wege, der verheiratet ist und zwei Söhne hat. Zeit für Basteleien bleibt ihm da nicht – und so liegt der bunte Karton mit dem Modellbausatz weiter erstmal ungenutzt in einer Zimmerecke des Hauses in Kirchhain.

von Katharina Kaufmann

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