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Schadstoffe ruhen unter Sandstein

Altlastensanierung Schadstoffe ruhen unter Sandstein

Die Zeiten, in denen Lastwagen mit Containern auf Waldwegen in der Stadtallendorfer Kleinniederung unterwegs waren, gehen zu Ende. Eine letzte große Rüstungsaltlast ist saniert.

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Ein Spezialunternehmen setzt derzeit in der Kleinniederung Bohrungen für die weitere Grundwasserbehandlung.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Wie es sich seit dem Frühjahr abgezeichnet hat, fanden sich im Sanierungsgebiet in der Kleinniederung wesentlich mehr Schadstoffe in teilweise großer Tiefe als erwartet worden war. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte die Him GmbH im Auftrag des Landes die Baustelle dort eingerichtet. Der ursprüngliche Plan hatte mal vorgesehen, bis März alle Arbeiten abzuschließen.

Jetzt wird es wohl Ende September, bis auch die Radwege wieder hergerichtet und komplett befahrbar sind. Mit den eigentlichen Bodenarbeiten wollen die beauftragten Firmen Ende dieses Monats fertig werden. Es musste einiges mehr an Boden bewegt und ausgetauscht werden als erwartet. Rund 30 000 Tonnen Boden mussten entsorgt werden. Sie wurden in einem Spezialofen in Deutzen verbrannt.

Im ausgehobenen Boden befanden sich nach den entsprechenden Laborergebnissen rund 7 700 Kilogramm Nitroaromate, Schadstoffe aus Zeiten der Sprengstoffherstellung durch das Werk Allendorf der Dynamit Aktiengesellschaft (DAG).

Diese Zahlen nannten Projektleiter Christian Weingran von der Him GmbH und Bauleiter Andreas Jäkel vom Büro Dr. Born & Dr. Ermel gegenüber der OP.

Mit weniger Schadstoffen gerechnet

Zum Vergleich: Nach den Erkundungen hatte man mit rund 10 000 Tonnen zu entsorgendem Boden und weit weniger als der Hälfte an Schadstoffen gerechnet.

Während der Arbeiten hatte sich gezeigt, dass wohl weit mehr Abwässer vom Werk der DAG durch die Niederung in die Klein liefen als gedacht. Und es zeigte sich, dass sich manche Schadstoffe weit tiefer im Boden befanden als zu erwarten war.

„Sie lagen teilweise unter Sandsteinschichten, die normalerweise eine Grenze bilden“, erläutert Christian Weingran. Klar ist, dass diese Altlastensanierung das Land deutlich mehr kostet, als bei Genehmigung der Arbeiten veranschlagt.

Ursprünglich waren 3,4 Millionen Euro veranschlagt, zuletzt war von 5 Millionen Euro die Rede. Eine endgültige Zahl gibt es noch nicht. „Fest steht aber, dass es deutlich teurer werden wird“, sagt Weingran.    

Das Grundwasser wird von je her im DAG-Gebiet intensiv überwacht und gesichert. In der Kleinniederung wird das nach der Sanierung auch noch nötig sein. Derzeit setzt eine Spezialfirma Bohrungen, unter anderem für die Grundwasserüberwachung.

Grundwasser muss "zur Ruhe kommen"

Nach einem Jahr Pause soll entschieden werden, ob noch vorhandene Schadstoffe in tieferen Schichten mit einer Alkohollösung ausgespült werden müssen. Das war jedoch schon zu Beginn der Arbeiten so vorgesehen. „Jetzt muss das Grundwasser in diesem Bereich erst einmal wieder zur Ruhe kommen können“, erklärt Weingran den zeitlichen Abstand. Die Grundwasserüberwachung und Sicherung soll auf unbestimmte Zeit vor Ort bleiben.

Eine Wasseraufbereitungsanlage, die während der Bodenarbeiten im Einsatz war, wird dafür auch noch einmal versetzt.

Alles andere an Baustelleneinrichtung wird zurückgebaut. Die sanierte Waldfläche, ein wertvolles Biotop, wird wieder aufgeforstet. Der Forst übernimmt laut Him die Wiederherstellung der Wege in den nächsten Wochen.

Noch etwas wird wohl bleiben: Eigens für die Zeit der Sanierungsarbeiten in dem ökologisch sensiblen Gebiet hatten Fachleute ein „Hotel“ für Hirschkäfer angelegt. Das möchte Andreas Jäkel gerne auf Dauer erhalten.

Nitroaromate
Unter die Nitroaromate fallen die chemischen Vorprodukte des Sprengstoffs TNT, der im Werk der DAG produziert wurde. Jene Mononitrotoluole (MNT) wurden seit Beginn der Altlastensanierung in Stadtallendorf im DAG-Gebiet in großen Mengen aus dem Boden geholt und vernichtet. Sie gelten als krebserregend. Bei der Herstellung von TNT gelangten die Vorprodukte häufig über ungeklärte Abwässer in die Böden.

von Michael Rinde

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