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Sanierer machen wieder „Boden gut“

In den Kleinauen müssen Rüstungsaltlasten aus der Erde geholt werden Sanierer machen wieder „Boden gut“

Sie dauert voraussichtlich von diesem Juni bis März nächsten Jahres, eine weitere Sanierung von Stadtallendorfer Rüstungsaltlasten. Im belasteten Boden schlummern rund vier Tonnen Schadstoffe.

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Dieses Foto zeigt einen Teil der Kleinaue, in der ab nächstem Monat Rüstungsaltlasten saniert werden müssen. Auf dem Bild sind einige Grundwassermessstellen zu sehen. Foto: Rainer Inselsberger

Stadtallendorf. Ein Teil der Kleinauen einschließlich eines Waldstreifens muss von Rückständen aus Zeiten der Sprengstoff-Produktion der DAG befreit werden. Es ist eines der wenigen verbliebenen Großprojekte der Altlastensanierung in Stadtallendorf. Wie in der Vergangenheit liegt die Verantwortung für die fachgerechte Sanierung bei der HIM-ASG, wie in der Vergangenheit ist das Land Hessen der Auftraggeber.

Das Sanierungsgebiet liegt im Wald, südwestlich des früheren Werkes der damaligen Dynamit-Aktiengesellschaft (DAG). Bereits im Frühjahr hat die HIM Bäume roden lassen, dort geht es um eine Waldfläche von 8600 Quadratmetern. Nach der Sanierung wird sie wieder aufgeforstet.

Bei den Altlasten im Boden handelt es sich um ein chemisches Vorprodukt des Sprengstoffes TNT, Monotoluole (MNT). Zwar ruht der Stoff in einem unbewohnten Gebiet, allerdings liegen in der Umgebung Trinkwasserbrunnen, die permanent überwacht werden. Eine Sanierung ist also zwingend nötig,um Gefahren für die Zukunft definitiv ausschließen zu können.

Im Waldgebiet und den angrenzenden Auen muss in einer Tiefe zwischen drei und fünf Metern Boden ausgehoben und ausgetauscht werden. „Es kommt bei diesem Projekt eine große Menge Boden zusammen“, kündigt Projektleiter Christian Weingran von der HIM gegenüber dieser Zeitung an. In Zahlen ausgedrückt: Es geht aller Voraussicht nach um 9600 Kubikmeter Boden, der ausgetauscht wird. Dabei holen die Sanierer wenn sich alle Vorausberechnungen und Untersuchungsergebnisse bewahrheiten, 4,2 Tonnen Schadstoffe an die Oberfläche.

Der ausgehobene Boden kommt analog zu früheren derartigen Altlastensanierungen in gasdichte Container, die abgefahren werden. Böden mit hoher Schadstoffkonzentration werden in einer speziellen Verbrennungsanlage in Deutzen (Sachsen) verbrannt. Geringer belastete Böden werden in Wabern entsorgt. Den Planern des Projektes ist es gelungen, sämtliche Transporte und den Baustellenverkehr aus dem Wohngebiet herauszuhalten. Alle Fahrzeuge nutzen eigene Baustraßen und Wege. „Wir werden aber einige Waldwege während der Arbeiten sperren und Umleitungen einrichten müssen“, sagt Weingran.

Herkunft der Belastungteilweise unklar

Es wird in offenen Baugruben gearbeitet, eine Abluftanlage filtert die entstehenden Gase am Boden, Wasser wird gesammelt und ebenfalls auf Schadstoffe untersucht.

In den Gruben werden Verbaue wie bei Kanalarbeiten eingesetzt. Um nahegelegene Fischteiche in der Aue zu schützen, entsteht außerdem eine Spundwand. Doch wie kommen die Rüstungsaltlasten an ihre Stellen in der Kleinaue beziehungsweise den angrenzenden Wald? Wie so häufig in der Geschichte der Sanierung der Stadtallendorfer Rüstungsaltlasten lässt sich dies nicht mehr mit letzter Sicherheit erklären. Fakt ist aber, dass wohl Abwässer von einst oberhalb liegenden Klärbecken verantwortlich sein dürften. Jenes Abwasser ist dann über ein in der Aue verlaufendes Zulaufgerinne in den Boden gelangt. Ob daran Schäden an den Becken Schuld waren oder das Abwasser einfach in den Wald geleitet wurde, bleibt offen.

Im Juni wird zunächst die Baustelle eingerichtet, ab Anfang Juli läuft dann die eigentliche Sanierung. Das Land investiert in diese Altlastensanierung insgesamt 3,5 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus reinen Sanierungskosten von etwa 1,7 Millionen Euro und Entsorgungskosten von noch einmal 1,8 Millionen Euro zusammen.

Es dürfte wohl eine der letzten großen Altlastensanierungen in Stadtallendorf sein - zumindest im zivilen Teil der Stadt. Laut einer früheren Aussage des Regierungspräsidiums Gießen gibt es bei zwei weiteren Gebäuden im DAG-Gebiet noch Sanierungsbedarf. Wann dort etwas passiert, ist aber derzeit noch ungewiss. Hinzu kommen die Altlastensanierungen im Wasag-Gebiet, wo der Bund finanziell in der Pflicht ist.

von Michael Rinde

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