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Sanierer kommen schneller voran

Rüstungsaltlasten Sanierer kommen schneller voran

Zwei besonders geschützte Bagger beseitigen seit einigen Wochen tonnenweise Erde auf einst gesprengten Produktionsgebäuden im Wasag-Gelände der Bundeswehr in Stadtallendorf.

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Ein Kampfmittel-Experte schaut in die vom Bagger aus dem Boden geholte Erde. Davor liegen Reste eines früheren Füllstellen-Gebäudes.

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Seit Januar lässt der Bund die Füllgruppe I des einstigen Werks Herrenwald der Wasag sanieren. Dort verfüllte die Wasag Munition. Und nach allen bisherigen Erkenntnissen der Sanierer vom „Landesbetrieb für Bau und Immobilien Hessen“ (früher Baumanagement/Staatsbauamt) wurde bei der einstigen Sprengung der Produktionsstätten überraschend ordentlich gearbeitet.

Man habe in den ersten Abschnitten weder Munitionsreste noch über den Erwartungen liegende Belastungen gefunden, erläutert Projektleiter Karl-Wilhelm Schütz. Er informierte in dieser Woche auch die Anwohner aus der unmittelbaren Umgebung über die Fortschritte der Arbeiten. Gefunden wurden Hexa und „poly­cyclische aromatische Kohlenwasserstoffe“.

Kampfmittelräum-Dienst-Mitarbeiter

Die belastete Erde, bisher zwischen 7000 und 8000 Kubikmeter, kommt auf eine Deponie in Wabern. Sie muss nicht in einer Spezialanlage verbrannt werden. Dies berichtet Bauleiter Andreas Jäkel vom Büro „Born*Ermel“. Jede Charge Erde wird nach der Entnahme chemisch untersucht.

Jede Schaufel Boden, die Bagger hervorholen, wird von einem Kampfmittelräum-Dienst-Mitarbeiter auf Munitionsreste untersucht, unter anderem mit Sonden. Inzwischen sind die Arbeiten bereits in die Nähe der Wohnhäuser herangerückt. Nach der Sprengung der eigentlichen Produktionsgebäuden waren die Betonreste einfach meterhoch mit Erde übertürmt worden. Inzwischen liegen die ursprünglichen Betonhalden wieder frei.

Die bei der Sanierungsplanung vorsorglich durchgespielten Szenarien für Überraschungsfunde sind glücklicherweise alle nicht eingetreten. „Bei den Sprengungen hat man damals sauber gearbeitet“, sagt Projektleiter Schütz.

Die früheren Bodenplatten der ehemaligen Gebäude liegen inzwischen teilweise frei. Sie sollen Zug um Zug zerkleinert werden. Eine Bohrfirma ist daran beteiligt. Auch wenn die Bodenplatten nicht übermäßig dick sind, lassen sich Erschütterungen bei solchen Arbeiten nicht ganz vermeiden. Das Baumanagement will darum vorsorglich Messungen vornehmen lassen. Schütz möchte Geräte bei zwei Anliegern aufstellen.

Restliche Gebäude verschwinden

Täglich wird außerdem die Luft auf der Baustelle auf Schadstoffe gemessen, bisher ohne jedes negative Ergebnis. Anders, als bei Altlastensanierungen im DAG-Gebiet, geht es an der Füllstelle I um Schadstoffe, die in der Luft nicht „ausgasen“, sich also in die Umgebung verflüchtigen könnten.

Als nächster größerer Schritt steht jetzt, aller Voraussicht nach ab dem 7. Juni, der Abbruch der verbliebenen alten Gebäude der Füllstelle des früheren Munitionswerkes an. Auch dabei kann es für Anlieger noch einmal etwas lauter werden. Derzeit läuft auch der Abtransport schon ausgehobenen Bodens.

Alle Lkw-Transporte laufen wie angekündigt über die Artilleriestraße, also nicht durch Wohngebiete. Schütz und Jäckl schließen während der noch einige Monate dauernden Sanierung nicht aus, dass es auch zu Staubbildung kommen könnte. „Wir bitten Betroffene bei irgendwelchen Belästigungen darum, sich bei uns zu melden“, sagt Schütz. Nach der Sanierung der Füllstelle I soll dort nur noch Waldboden übrigbleiben. Alle alten Betonstraßen verschwinden ebenfalls. Alle alten Elektro- und Wasserleitungen auf dem Gelände sind bereits entsorgt.

von Michael Rinde

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