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Salzsäure löst Großeinsatz aus

Einsatz Salzsäure löst Großeinsatz aus

Es sah bedrohlich aus, was sich am Mittwoch auf dem Gelände einer Stadtallendorfer Spedition abspielte. Gefahr für die Bevölkerung bestand durch den Chemieunfall laut Einsatzkräften aber nicht.

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Dreiertrupps waren im und am Lastwagen im Einsatz. Die Schutzanzugträger mussten danach in die Dekontaminierungs-Schleuse.

Quelle: Florian Lerchbacher

Stadtallendorf. „Mit so einem Aufgebot hatte ich nicht gerechnet“, kommentierte der Chef einer Stadtallendorfer Spedition, als sich auf einmal fast 100 Einsatzkräfte auf seinem Gelände tummelten. „Es ist doch nur ein bisschen Säure auf einem Auflieger ausgelaufen“, ergänzte er verwundert.

Beim Stichwort „Chemieunfall“ sei das ganz normal, erklärte Dirk Mann, der Pressesprecher der Stadtallendorfer Feuerwehr: Die Feuerwehr Niederklein gehöre zur „Gefahrstoffkomponente“ der Feuerwehr Stadtallendorf, hinzu kamen der Gefahrstoffzug aus Kirchhain, mehrere Kreisbrandmeister, die technische Einsatzleitung des Landkreises und seine Messgruppe, Rettungswagen und ein Notarzt. Zudem übernahm die Feuerwehr Schweinsberg den Brandschutz in der Kernstadt, während die Stadtallendorfer Kameraden im Einsatz waren. Die Werksfeuerwehr von Ferrero unterstützte die Ehrenamtler und stellte Material wie einen speziellen Gabelstapler zur Verfügung.

Elf 1000-Liter-Fässer mit Chemikalien

Auf dem Auflieger eines Lastwagens befanden sich elf 1000 Liter fassende Behälter, die mit Salzsäure, Natronlauge oder Zitronensäure befüllt waren. Aus einem war Flüssigkeit ausgetreten - aus welchem genau, war nicht bekannt. Arbeiter hatten den Anhänger geöffnet und, kaum hatten sie das Leck festgestellt, sofort wieder geschlossen. Ausgerüstet mit Chemie-Schutzanzügen und Atemschutz öffneten Einsatzkräfte den Auflieger, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Sie stellten fest: Ein Behälter ist tatsächlich undicht - die austretende Flüssigkeit werde allerdings in einer darunter befindlichen Wanne aufgefangen.

Ging es zunächst äußerst hektisch zu, so beruhigte sich die Lage nach rund einer Dreiviertelstunde. „Flüssigkeit kann nicht austreten und Gefahr für die Bevölkerung besteht auch nicht - daher können wir den Einsatz in Ruhe planen“, betonte Kreisbrandmeister Stephan Schienbein. Letztendlich agierten die Einsatzkräfte fernab ihrer mit Sicherheitsabstand postierten Kollegen in Dreiertrupps, die Stück für Stück die Container prüften und abluden. Derweil kam auch eine vom Landkreis angeschaffte Drohne erstmals zum Einsatz, damit sich die Feuerwehrleute auch von oben eine Übersicht verschaffen konnten - zum Beispiel konnten sie so prüfen, ob sie wirklich alle Gullis verschlossen hatten.

Zwei Container deformiert

Das Corpus Delicti entdeckten die Schutzanzugträger zwar früh, mussten sich aber Stück für Stück zu dem deformierten Behälter durcharbeiten - stets unter massiven Sicherheitsvorkehrungen. Unmittelbar nach ihren jeweils rund 15-minütigen Einsätzen hieß es sofort, sich an einer extra aufgebauten Schleuse dekontaminieren zu lassen. Ihre Schutzanzüge wurden danach sofort, gut versiegelt, verstaut. „Dafür sind wir ausgebildet“, sagten zwei Stadtallendorfer kurz nach ihrem Einsatz. Angst hätten sie nicht gehabt: „In dem Vollschutz ist man sicher. Und dann muss man eben aufpassen, was man macht.“ Nichtsdestotrotz seien sie nach ihrem Einsatz, der ohne Zwischenfälle ablief, erleichtert gewesen.

Mehrere Teams mussten sich um das schrittweise Abladen kümmern. Nach rund drei Stunden hatten sie sich zu dem deformierten und beschädigten Container vorgearbeitet - aus dem rund 200 Liter Salzsäure ausgelaufen waren. Das meiste sei bei der Hitze verdunstet, berichtete Schienbein. Der Container sei in Sicherheitsfolie eingewickelt und von der Ferrero-Werksfeuerwehr mitgenommen worden: „Sie hat die Möglichkeit, den Behälter angemessen zu lagern, bis der Hersteller ihn abholt“, fasste Schienbein zusammen. Ein zweiter Container sei ebenfalls beschädigt gewesen - ob aus ihm auch Flüssigkeit austrat, ist noch unklar. Zur Sicherheit wurde auch er ­sicher verpackt.

von Florian Lerchbacher

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