Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Rund 70 Haushalte haben ein Blei-Problem

Trinkwasser Rund 70 Haushalte haben ein Blei-Problem

Schlechte Nachrichten für alle Eigentümer von über 45 Jahre alten Häusern, deren Trinkwasseranschlüsse aus bleihaltigen Materialien bestehen: Auf sie kommen Sanierungskosten zu.

Bei Trinkwasseranschlüssen, die aus der Zeit vor 1970 stammen, gibt es teilweise Probleme mit Bleibelastung.Archivfoto

Quelle: Jochen Eckel

Amöneburg. „Die massenhafte Sanierung von bleihaltigen Wasseranschlüssen steht bevor“, teilte die Stadt Amöneburg - die in der Großgemeinde für die Wasserversorgung zuständig ist - am Gründonnerstag mit. Dies sei das Resultat einer Untersuchung, deren Ergebnisse die Stadt an das Gesundheitsamt geschickt hatte.

Die Beprobung des Wassers in Haushalten, in denen es noch immer bleihaltige Anschlüsse aus der Zeit vor 1970 gibt, zeigte, dass in 70 Prozent der untersuchten Gebäude die Grenzwerte überschritten werden - das sind insgesamt rund 70 Haushalte im Stadtgebiet. „Dabei ist die Verteilung nach Orten sehr unterschiedlich: Während in Roßdorf bei nahezu ­allen beprobten Anschlüssen Grenzwertüberschreitungen festgestellt wurden, ist das Verhältnis in Amöneburg und Mardorf fast genau 50 zu 50“, berichtet Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und betont, dass dies verwunderlich sei: Die „Fachwelt“ sei schließlich davon ausgegangen, dass der neue Grenzwert für Bleibelastung so niedrig angesetzt wurde, dass nahezu jeder Anschluss die Kriterien nicht mehr erfülle.

Manchmal ist auch Stück von Wasseruhr zum Hahn betroffen

Der Gesetzgeber hatte im Jahr 2013 die Trinkwasserverordnung verändert und die Grenzwerte drastisch gesenkt. Das Gesundheitsamt habe der Stadt als Wasserversorger daraufhin geraten, den Austausch aller ermittelter, bleihaltiger Anschlüsse anzuordnen. Dies habe er abgelehnt und stattdessen zunächst eine Untersuchung der Anschlüsse in die Wege geleitet, berichtet Richter-Plettenberg.

Doch nun ist klar, dass 70 Eigentümern nichts anderes übrig bleibt, als bis zum 30. November die Wasserleitungen austauschen zu lassen - zumindest den Teil von der Sammelstelle bis zur Wasseruhr des Hauses. Dies kostet laut Rathauschef rund „5000 Euro und mehr“. Die 30 Prozent, bei denen keine Grenzwertüberschreitung festgestellt wurde, sind nicht zum Austausch verpflichtet - müssen aber, wenn sie sich gegen eine Sanierung entscheiden, alle sechs Monate eine neue Untersuchung über sich ergehen lassen.

Richter-Plettenberg rät jedenfalls zum Austausch: Viele Menschen würden die Gefahr von Blei bagatellisieren. Über 45 Jahre alte Leitungen hätten „ihren Dienst getan“ und das Geld für einen Austausch sei gut angelegt. Grund zur Panik bestehe aber nicht: Schließlich wurde eher willkürlich ein Grenzwert gesenkt, um die Umwelt­standards zu erhöhen.“

In einigen Häusern ist nicht nur der sozusagen öffentliche Bereich von der Sammelstelle bis zur Wasseruhr betroffen, sondern auch der Teil von der Wasseruhr sozusagen bis zum Hahn. Eigentümer, die ihr Gebäude vermieten, müssen auch diesen Teil austauschen. Bürger, die ihre Häuser selber bewohnen, bekommen nur eine Empfehlung zum Austausch: Eine Selbstgefährdung sei schließlich erlaubt, betont der Bürgermeister.

Die betroffenen Hauseigentümer sind laut Stadt über ihr „Schicksal“ informiert. Das Kreisgesundheitsamt bietet für sie eine Sprechstunde im Amöneburger Rathaus an: am 1. und 4. April von 10 bis 13 Uhr und am 7. April von 15 bis 18.30 Uhr. Wer möchte, dass sein Anschluss zu den ersten gehört, die saniert werden, kann sich bei der Stadt an Marius Tatzel wenden.

von Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr