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Rücktritt löst Krise im Ortsbeirat aus

Leerstand Rücktritt löst Krise im Ortsbeirat aus

Dreizehneinhalb Jahre lang ist Elke Schall in Sindersfeld vorweg marschiert. Damit ist jetzt Schluss. Die Ortsvorsteherin trat mit Wirkung vom 31. August aus gesundheitlichen Gründen von ihrem Ehrenamt zurück.

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Bürgermeister Jochen Kirchner verabschiedete Elke Schall mit Blumen und Entlassungsurkunde aus ihrem Amt als Sindersfelder Ortsvorsteherin. Foto: Matthias Mayer

Stausebach. Mit ihrer auf ärztlichen Rat erfolgten Entscheidung löste Elke Schall unwissentlich und ungewollt eine krisenhafte Situation für den Sindersfelder Ortsbeirat aus. Denn den gibt es voraussichtlich bis zu den nächsten Kommunalwahlen in eineinhalb Jahren nicht mehr als eigenständiges Organ und Interessenvertretung des Kirchhainer Stadtteils.

Der Grund: Nach Elke Schalls Rücktrittserklärung trat auch ihre Stellvertreterin Stefanie Görge von ihrem Amt zurück. Für den nun führungslosen Ortsbeirat musste Bürgermeister Jochen Kirchner zur Ortsbeiratssitzung am Dienstagabend in den Gemeinschaftsraum im Feuerwehrgerätehaus einladen und die Sitzung leiten. Wichtigste Tagesordnungspunkte: Verabschiedung der scheidenden Ortsvorsteherin und Überreichung der Entlassungsurkunde für die Ehrenbeamtin sowie Neuwahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers.

Zu der Wahl kam es nicht, denn es fand sich kein Kandidat. Alexa Dedner, die als einzige Nachrückerin in den nun nur noch vierköpfigen Ortsbeirat eingezogen war, lehnte eine Kandidatur ab. Ich habe die wenigsten Stimmen bekommen und die geringste Erfahrung. Es wäre grotesk, wenn ich das machen würden. Kirstin Fiolka erklärte, dass sie für das Amt nicht zur Verfügung stehe; sie wolle Schriftführerin bleiben. Dann richteten sich alle Blicke aus dem Zuschauerraum auf die beiden männlichen Ortsbeiräte, Ralph Aßmann und Georg Pöltl. Die schwiegen zunächst eisern, ehe Ralph Aßmann für sich und seinen Tischnachbarn zunächst nur drei Worte sagte: „Unter keinen Umständen.“

Aßmann erläuterte dann die Hintergründe dieser Haltung, die auch der Bürgermeister absolut akzeptierte. Er habe wöchentlich 45 Stunden zu arbeiten und müsse sich zuhause um Familie und den Hof kümmern. Um an der Sitzung teilnehmen zu können, habe er vorarbeiten müssen. Seinem Kollegen gehe es nicht anders. Beide hätten nur kandidiert, um den Fortbestand des Ortsbeirats zu sichern. Ralph Aßmann ließ durchblicken, dass es innerhalb des Gremiums wegen der finanziellen Notlage der Stadt auch eine gewisse Frustration gebe. Er sprach das gescheiterte Gemeinschaftshaus-Projekt an, das trotz der 300000-Euro-Spende eines Sinderfelder Bürgers nicht habe finanziert werden können. „So etwas stiehlt die Motivation“, sagte er.

Damit ist die Situation da, dass der Sindersfelder Ortsbeirat nur noch unter Leitung des Bürgermeisters „als Kaffeerunde“ tagen kann, wie es Jochen Kirchner flapsig ausdrückte. Denn nach der Hessischen Gemeindeordnung darf der Ortsbeirat ohne Ortsvorsteher keine Beschlüsse fassen. Die verbliebenen Ortsbeiräte und Jochen Kirchner kamen überein, künftig einmal pro Halbjahr gemeinsam zu tagen, bei aktuellem bedarf auch häufiger.

Das Leben im Ortwird unbequemer

Eins ist sicher: Das Leben in Sindersfelder wird jetzt etwas unbequemer. Die Außenstelle der Stadtverwaltung entfällt. Alle Anliegen, um die sich bislang die Ortsvorsteherin gekümmert hat, müssen die Bürger nun in der Stadtverwaltung vortragen. Weitere Details sind zu klären: Wer bekommt die Schlüsselgewalt über den Gemeinschaftsraum? Wer flaggt zu den vorgegeben Anlässen? Wer übernimmt die Grabzuweisungen und Bau-Fertigstellungsmeldungen?

Elke Schall hat sich um diese amtlichen Angelegenheiten ebenso gekümmert wie um ungezählte Anliegen von Bürgern, die Verwirklichung von mehreren Projekten in Eigenleistungen und die Begleitung großer Vorhaben, wie das Gemeinschaftshaus und das Neubaugebiet Platzäcker, das zu Ihrer großen Freude inzwischen ausverkauft ist. „Ich habe das gern gemacht und mit 100 Prozent Einsatz. Dabei habe ich große Unterstützung aus dem Dorf gefunden. Dafür bin ich dankbar“, sagte Elke Schall der OP.

Sie blickt mit einem guten Gefühl auf die Zeit zurück. „Wir haben viel erreicht, auch mit Eigenmitteln“, sagte sie unter Hinweis auf die Erneuerung des Friedhofes, die Renovierung des Feuerwehrhauses, die Unterstützung beim Sportplatz-Umbau und den komplett in Eigenleistung und aus Eigeninitiative gebauten Fußweg zwischen Spielplatz und Bushaltestelle. Mindestens ebenso wichtig wie Verbesserung und Erhalt der Infrastruktur waren und sind ihr die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Dieser dienen die von ihr begleitete Gründung der Jugendgruppe und die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

Jochen Kirchner würdigte Elke Schall als sehr engagierte Ortsvorsteherin, die stets nach dem Rechten gesehen habe und als angenehme und aufrichtige Gesprächspartnerin bei der Umsetzung von Projekten oder der Lösung von Problemen.

von Matthias Mayer

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