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Rückkehr nach vielen Jahrzehnten

Störche in Erksdorf Rückkehr nach vielen Jahrzehnten

Die Mühen der Freiwilligen Feuerwehr Erksdorf haben sich gelohnt. In Erksdorf brütet wieder ein Storchenpaar. Im Vorjahr hatten die Feuerwehrleute zwei Storchenmasten gebaut und im Feuchtbiotop errichtet.

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Erksdorf. In dem von der Stadt Stadtallendorf 2004 angelegten 30 Hektar großen Biotop wurden im vergangenen Jahr zwar Weißstörche gesichtet, zum Brutversuch kam es jedoch nicht.

Das ist in diesem Jahr anders. Während der direkt am kleinen See gelegenen Storchenmast offenbar unbesetzt ist, gibt es auf dem in der Wiese stehenden Mast Brutaktivitäten.

Schon von Weitem ist auf dem Nest etwas Weißes zu erkennen. Aus dem Sicherheitsabstand von 150 Metern ist von den scheuen Großvögeln durchs Teleobjektiv nichts mehr zu erkennen. Erst nach einer halben Stunde taucht die obere Kopfhälfte eines Weißstorchs im Kamerasucher auf. Der blinzelt kurz über den Nestrand und duckt sich dann wieder ab, kauert über dem Gelege. So geht das über eine Stunde. Derweil befindet sich das Partnertier auf Nahrungssuche, ist aber in der offenen und weitläufigen Landschaft auch durchs Fernglas nicht zu entdecken.

Erst nach einer Stunde erhebt sich der Storch vom Gelege, schreitet vorsichtig an den Nestrand und zeigt dabei seine dunkle Beringung am rechten Bein. Vermutlich handelt es sich bei dem Tier um den Storch, den der Rauschenberger Naturfotograf Armin Köhler Anfang März bei der Nahrungssuche im Erksdorfer Biotop fotografiert hatte.

Storch aus Nordbaden?

Dieser trägt die Ringnummer DER / AK 432 und wurde nach der von Armin Köhler eingeholten Auskunft der Beringungszentrale am 8. Juni 2012 als nicht voll flugfähiges Küken im nordbadischen Forst Vogelpark Eiche beringt. Das Geschlecht des kleinen Storches konnte damals nicht bestimmt werden.

Ein möglicher Hinweis auf die Klärung der Geschlechterfrage schwebt wenige Augenblicke später ein. Der unberingte Partnervogel ist deutlich kleiner, was ein Indiz dafür ist, dass es sich bei diesem um die Störchin handelt. Deren erster Blick gilt dem Gelege. Sie rückt ein paar Zweige zurecht, um sich dann wärmend auf dem Gelege niederzulassen.

Die Natur- und Vogelfreunde hoffen nun, dass die Störche ihre Brut auch durchbringen. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn in dem Biotop sind bereits zahlreiche Vogel und Amphibienarten heimisch geworden. Der See wird von einem Bach gespeist. Der naturbelassene Ufersaum gilt Wasservögeln als Brut- und Rückzugsraum. Hier quakt und quäkt es aus allen Richtungen. Über einen Überlauf fließt das Wasser in eine darunter liegende Wiese, hinterlässt dort sumpfige Zonen und Wasserlöcher. In diesem Umfeld finden einige Beutetier-Arten der Störche ideale Lebensbedingungen. Inmitten dieses Refugiums steht der Storchenmast. Nicht zuletzt war es die konsequente Trockenlegung der Wiesen, die ab den 1950er-Jahren die Störche in weiten Teilen Deutschlands aussterben ließen.

Diese Entwicklung machte um Erksdorf keinen Bogen. Die Ortschronik zeigt ein Schwarzweißfoto mit einem Storchenpaar, das auf einem gegenüber der Kirche liegenden Haus brütet. Dieses Foto ist mehrere Jahrzehnte alt.

Für die nächste Ortschronik können jetzt neue Fotos gemacht werden. Damit die scheuen Störche nicht unnötig gestört werden, sollten Spaziergänger und Fotografen zwei Regeln befolgen. Hundehalter sollten das Gebiet meiden oder ihre Hunde zumindest anleinen. Spaziergänger sollten das Storchennest aus einer Entfernung von rund 150 Metern beobachten und sich keinesfalls direkt am Nest aufhalten.

In der Vergangenheit sind Brutversuche wiederholt wegen massiver Störungen abgebrochen worden. Das will in Erksdorf niemand. Schließlich wollen die Erksdorfer im Herbst mit der Feuerwehr ungetrübt ihr zweites Storchenfest feiern.

von Matthias Mayer

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