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Rotmilan schrumpft Windpark

Vier statt fünf Windräder Rotmilan schrumpft Windpark

Entgegen den ursprünglichen Planungen wird der Rauschenberger Windpark auf dem Roten Küppel nicht mehr in diesem Jahr gebaut. Auch das von Abo Wind geplante Windrad bei Sindersfeld geht in die Warteschleife.

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Im Wald bei Burgholz liegt eine Generatorengondel für die Montage auf einem knapp 140 Meter hohen Windrad-Turm bereit.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg/Kirchhain. Diese Verzögerungen sind für die Betreiber kostspielig, denn für Windräder, die ab dem 1. Januar 2016 ans Netz gehen, sinkt die Einspeisungsvergütung deutlich. Die Ergebnisse von naturschutzfachlichen Untersuchungen, die für die Erteilung einer Baugenehmigung unerlässlich sind, haben zu den Verzögerungen der beiden räumlich dicht beieinanderliegenden Projekte geführt.

Im Rauschenberger Stadtwald wurde im Zuge dieser Untersuchung der Horst eines Rotmilan-Paares entdeckt. Das teilte Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) auf OP-Anfrage mit. Der Rotmilan gehört zu den besonders streng geschützten Vogelarten. Die Existenz des eleganten Greifvogels hat die Windkraft-Pläne der Stadt Marburg auf dem Lichten Küppel vollständig gestoppt.

Folgen in Rauschenberg nicht so gravierend wie in Marburg

Ganz so gravierend sind die Folgen für den geplanten Rauschenberger Windpark nicht. Der Horst sei in der Nähe des Offenlandes Richtung Himmelsberg entdeckt worden. In diesem Bereich werde das Areal für den Windpark um 30 Hektar verkleinert. Die verbliebenen 90 Hektar reichten nur noch für vier Windräder, erklärte Michael Emmerich. Entwickler und Bauherr des Windparks ist die Firma Krug Energie. Das Tochterunternehmen der Breidenbacher Krug-Gruppe möchte dort vier Windräder aus dem Hause Enercon mit einer Leistung von 2,4 Megawatt bauen. Diese kommen ohne Getriebe aus und sind deshalb besonders leise. Mindestens ein Windrad wird das Unternehmen der Stadt Rauschenberg zur Nutzung überlassen.

Der Bürgermeister hofft, dass der Satzungsbeschluss für den Flächennutzungsplan zum Windkraftgebiet am 14. Dezember im Stadtparlament gefasst werden kann. Dann sei eine Fertigstellung des Windparks bis zum 30. Juni 2016 möglich.

Keine Chance für Windkraft auf dem Sosenberg

Zumindest aus raumordnerischer Sicht sieht der Bürgermeister keine Gefahr für das Vorhaben. Die Stadt habe den Roten Küppel und den bestehenden Windpark „Auf der Hecke“ zwischen Ernsthausen und Josbach als „Konzentrationszonen für Windenergieanlagen mit Ausschlusswirkung“ beantragt. Genau diese Flächen weise auch der zweite Entwurf des Regionalplans Energie Mittelhessen vom Juli dieses Jahres für Rauschenberg aus, verweist der Bürgermeister auf die übereinstimmenden kommunalen und regionalen Belange.

Die Vokabel „Ausschusswirkung“ besagt, dass alle anderen Standorte in Rauschenberg nicht als Potenzialflächen für Windräder ausgewiesen werden können. Das gilt zuerst für den Sosenberg mit den heiligen Eichen. Auf dem Rauschenberger Hausberg, der laut Untersuchung Rotmilan-Pärchen als Jagdrevier gilt, sind Windräder ebenso tabu sowie auf der Höhe zwischen Ernsthausen und Burgholz und auf kleinen Flächen bei Josbach und bei Albshausen.

Flächennutzungsplan für Windkraft-Vorranggebiete liegen bereits vor

Kirchhain hat längst einen Flächennutzungsplan für Windkraft-Vorranggebiete, der allerdings in Teilen nicht mehr mit dem neuen Regionalplan übereinstimmt. Michael Haag von der Wiesbadener Firma Abo Wind berichtete vor dem Kirchhainer Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr über den aktuellen Stand zum Ausbau des Windparks, der sich im Emsdorfer Feld und im Forst zwischen Burgholz und Langenstein befindet. Bei Burgholz befinden sich derzeit die Windräder sechs, sieben und acht in der Endmontage, die im Dezember ans Netz gehen sollen, wie diese Zeitung berichtete.

Das schon lange in der Planung befindliche Kirchhainer Windrad Nummer neun soll nördlich von Sindersfeld entstehen. Die lange Genehmigungsphase begründete Michael Haag mit ständig neuen Nachforderungen des Regierungspräsidiums. So sei derzeit die Haselmaus ein Thema. Der kleine Nager überwintere unter der Erde. Das sei ein Problem, weil Rodungsarbeiten an dem Standort im Kirchhainer Stadtwald nur während der Wintermonate erlaubt seien.

Olaf Hausmann wollte wissen, ob die Zahl von 15 möglichen Windrädern im Geltungsbereich des Flächennutzungsplans noch Gültigkeit habe. Bürgermeister Jochen Kirchner sprach von einem noch möglichen Windrad bei Emsdorf. Michael Haag hielt maximal drei weitere Windräder für möglich - wenn denn der gültige Flächennutzungsplan Vorrang vor dem Regionalplan habe.

von Matthias Mayer

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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