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Rollenspiele gegen die Sprechangst

„Stärken vor Ort“ Rollenspiele gegen die Sprechangst

Sich in einer anderen Sprache auszudrücken, fällt vielen Menschen schwer. Wie man die Sprechangst überwinden kann, lernen türkische Frauen jetzt in Stadtallendorf. Projekt des Programms „Stärken vor Ort“ soll helfen, blockierende Gedanken und Gefühle abzubauen

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Sozialpsychologin Dr. Meral Gezici Yalcin (vorne) leitet im Südstadtkiosk gemeinsam mit Sevda Yusifova (hinten) das Seminar, in dem türkische Frauen auf die Arbeitswelt bezogene Deutschkenntnisse erwerben.

Quelle: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. Nebahat Yerlikaya ist 36 Jahre alt. Seit zwei Jahren lebt die vierfache Mutter in Deutschland. In ihrer Heimat, der Türkei, erledigte sie alles selbstständig: Sie arbeitete als Friseurin, unterstützte ihre Kinder und bestritt ihr Leben ohne Hilfe.

Jetzt lebt sie in Deutschland. Bisher konnte sie sich nicht in Deutsch ausdrücken. Ihr fällt es nicht leicht, ihr selbstständiges Leben aufzugeben und sich hier in Deutschland völlig auf andere verlassen zu müssen. Auch deshalb besucht sie einmal wöchentlich das Stärken-vor-Ort-Projekt „Sprechangst überwinden – Gesprächsverhalten trainieren“.

„Ich möchte Fortschritte machen und lernen, mich alleine auf Deutsch auszudrücken“, betont die 36-Jährige, die in Stadtallendorf vergeblich nach Deutschkursen, die gleichzeitig auch eine Kinderbetreuung anbieten, suchte.

Gülden Yildiz besucht das Projekt, weil sie gerne in Deutschland arbeiten möchte. Auch für die Schneiderin und Friseurin waren bisher die wenigen Deutschkenntnisse der Grund, keinen Arbeitsplatz finden zu können. „Ich will in dem Projekt lernen, mich in der Arbeitswelt verständigen zu können“, erklärt die junge Mutter.

„Sprechangst kann jeder erleben, sogar wenn man die eigene Muttersprache spricht“, erklärt die Seminarleiterin und Sozialpsychologin Dr. Meral Gezici Yalcin vom Verein „Gemeinsam Alternativ Bewegen“ aus Frankfurt. Die Sprechangst verstärke sich beim Lernen einer neuen Sprache, erklärt sie. Auslöser könnten zum Beispiel negative Gedanken sein: „Lachen die mich jetzt aus, wenn ich etwas sage?“, oder: „Ich werde versagen, wenn ich vor anderen Deutsch spreche.“

Gefühle und Gedanken seien es, die in bestimmten Situationen blockierend wirken und verhinderten, Deutsch zu sprechen. Das Projekt solle den Teilnehmerinnen helfen, diese blockierenden Gedanken und Gefühle abzubauen, betont Dr. Gezici Yalcin. Die Sozialpsychologin leitet gemeinsam mit Sevda Yusifova, Doktorandin für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Marburg, das Seminar. „Dabei konstruieren wir während des Unterrichts Situationen, die für die Arbeitswelt relevant sind“, beschreibt Yusifova.

In Rollenspielen werden Vorstellungsgespräche und Telefonate geübt, und gemeinsam werden Anzeigen gelesen. „Mein Ziel ist es, Deutsch zu lernen. Ich weiß, dass ich hier keine Grammatik lerne. Aber die auf die Arbeitswelt bezogenen Begriffe zu lernen, das finde ich sehr wichtig für mich“, erklärt die 23-jährige Gülden Yildiz, die sich mehr Unterricht in der Woche wünscht, um schneller und effektiver die Sprache zu erlernen.

„Sprechangst überwinden – Gesprächsverhalten trainieren“ ist ein Projekt des Programms Stärken vor Ort, das gefördert wird durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie den Europäischen Sozialfond ESF der Europäischen Union.

von unseren Redakteuren

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