Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Risse in Wänden beschäftigen Justiz

Bauschäden Risse in Wänden beschäftigen Justiz

Bewohner der Maximilian-Kolbe-Straße in Stadtallendorf klagen gegen das Land. Sie wollen einen Ausgleich für mutmaßliche Bauschäden.

Voriger Artikel
Der Bart ist ab und das Dorf am Netz
Nächster Artikel
Schweinsbergs Narren finden Ort zum Feiern

Die Bohrarbeiten für die sogenannten „Bohrpfähle“ erfolgten im Jahr 2012 zwangsläufig in direkter Nachbarschaft zu Gebäuden. Archivfoto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Im Juli 2012 berichtete die OP darüber, dass es Anwohnern der Maximilian-Kolbe-Straße in Stadtallendorf zu viel wurde. Sie hatten unter dem Lärm von der benachbarten Baustelle der Bundesstraße 454 zu leiden. Wochenlang waren unter anderem zwei überdimensionale Bohrgeräte im Dauereinsatz. Sie setzten die Löcher für die Fundamente - was mit heftigen Schlägen verbunden war.

Schon damals klagte ein Anlieger, der sich vor allem über den ohrenbetäubenden Lärm beschwerte, auch über Risse, die sich in den Wänden seines Badezimmers plötzlich gebildet hatten. Offenbar gab es noch mehr betroffene Hausbesitzer, denen es so ergangen ist. Einen Betroffenen vertritt, wie die OP erfuhr, der Marburger Rechtsanwalt Arik Thaye Bredendiek. Er bestätigte auf Nachfrage, dass in seinem Falle derzeit eine Beweisaufnahme durch Gutachter läuft. Das Verfahren ist bei der 2. Zivilkammer des Landgerichts Marburg anhängig. Durch das Gutachten müsse nun der Ursprung der Schäden im Inneren des Gebäudes seines Mandanten geklärt werden. „Sollte das Gutachten zu dem Ergebnis kommen, dass die Schäden nicht von der damaligen Baustelle stammen, dann wäre ich auf die Erklärung der Ursache gespannt“, sagt der Rechtsanwalt. Zu dem Verfahren sei es gekommen, nachdem sich die Versicherung geweigert habe, die Schäden zu ersetzen. Wie Dr. Marcus Wilhelm, Sprecher des Marburger Landgerichts mitteilt, gibt es aktuell drei Verfahren, alle wurden oder werden noch vor der 2. Zivilkammer verhandelt. In allen Fällen richtete sich die Klage gegen das Land Hessen. Das Land hatte den Ausbau der Bundesstraße 454 im Abschnitt Wetzlarer Straße/Lilienthalstraße wie gewohnt im Auftrag des Bundes vorgenommen. Vertreten war das Land durch seine Straßenbauverwaltung, die Behörde Hessen Mobil.

Bei zwei Verfahren hat die Kammer bereits ein Urteil gefällt. In beiden Fällen gab sie den Klägern Recht. Demnach wäre das Land für die Bauschäden in der Haftung. Allerdings hat das Gericht bei den Forderungen offenbar Abstriche vorgenommen, wie Gerichtssprecher Wilhelm mitteilt. Von den Betroffenen gab es gegenüber der OP keine Äußerung zu dem Verfahren. Zur Höhe der Schäden machten weder der Marburger Rechtsanwalt noch das Gericht Angaben.

Landesbehörde geht in die Berufung

Das Land will es bei den Marburger Urteilen nicht belassen. Zumindest in einem Fall sei Berufung eingelegt worden, erläuterte Willi Kunze, Regionalbeauftragter Westhessen von Hessen Mobil auf Anfrage. „In dem anderen Verfahren, in dem wir verurteilt worden sind, ist das nicht möglich. Dort ist der Streitwert zu gering“, sagt Kunze. Das Land habe vor Baubeginn eine Beweissicherung bei Häusern vorgenommen, die noch näher an der Baustelle lägen. Bei einer Beweissicherung werden wie in diesem Falle Gebäude vor Baubeginn auf Schäden untersucht. Vorhandene Beschädigungen werden dokumentiert. „An den Häusern, die wir vorher untersucht haben, gab es keinerlei Schäden“, sagt Kunze. Darum habe sich das Land in Absprache mit seiner Versicherung entschieden, in die nächste Instanz zu gehen.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr