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Ringlein, Ringlein du musst wandern ...

Aus dem Jugendgericht Ringlein, Ringlein du musst wandern ...

Die eigentliche Strafe hatte einen Kirchhainer Azubi schon vor der Gerichtsverhandlung ereilt: Er verlor seinen Ausbildungsplatz.

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Auf zwei Ringe von Kunden seines Arbeitgebers hatte es ein Auszubildender aus Kirchhain abgesehen. Er wurde wegen Diebstahls verurteilt. Archivfoto

Kirchhain. Was am Freitag vor dem Kirchhainer Jugendgericht verhandelt wurde, erinnerte an ein Kinderlied, das mit einem inzwischen weitgehend in Vergessenheit geratenen Spiel verbunden ist: „Ringlein, Ringlein, du musst wandern/ von dem einen zu dem andern./ Das ist hübsch, das ist schön./ Lasst das Ringlein nur nicht seh‘n.“ Es ging um zwei, oder vielleicht sogar drei Ringe im Gesamtwert von 3800 Euro, die zunächst verschwanden und dann in Etappen wieder auftauchten.

Der Angeklagte hatte am 23. Oktober im Auftrag seines Lehrherrn gemeinsam mit einem Gesellen in einem Wohnhaus gearbeitet. Die Abwesenheit der Hausbewohner nutzte der angehende Handwerker, um - so seine geständige Einlassung vor Gericht - zwei Ringe zu stehlen.

Die Sache flog alsbald auf. Die Dame des Hauses bemerkte zunächst nur den Verlust eines Ringes. Zwei Tatverdächtige waren schnell gefunden, denn nur der Geselle und der Lehrling hatten zu der Zeit des Verschwindens unbefugten Zugriff auf den Schmuck. Der Aufforderung, den Ring zurückzugeben, folgte schließlich der Auszubildende, der noch am gleichem Tag von seinem Chef fristlos entlassen wurde. Die Überraschung bei der Rückgabe: Bei dem Ring handelte es nicht um das vermisste Schmuckstück; das Verschwinden des Teils war noch gar nicht bemerkt worden. Auf eine entsprechende Aufforderung brachte der Jugendliche dann auch noch diesen Ring herbei.

Eine ausgiebige Inventur des Familienschmucks durch die Eigentümerin ergab: Noch ein dritter Ring war verschwunden. Damit habe er aber nichts zu tun, versicherte der Angeklagte vor Gericht: „Ich gebe es zu, ich habe es gemacht. Ich habe zwei Ringe genommen und wieder zurückgegeben. Den dritten Ring habe ich nicht genommen“, sagte der Angeklagte.

Auf einen entsprechenden Vorhalt von Jugendrichter Joachim Filmer gab er an, dass er die Schmuckstücke habe versetzen wollen. Zugleich offenbarte er ein Motiv. Seinen Führerschein hatte er eingebüßt, weil er unter Cannabis-Einfluss am Steuer erwischt worden war. Wegen der anstehenden MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) kamen hohe Kosten auf ihn zu. Irgendwie habe er das bei der Tat im Hinterkopf gehabt, auch wenn die Aktion ziemlich dumm gewesen sei.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete, dass der wegen Körperverletzung zweimal vorbestrafte junge Mann in seiner Kindheit Probleme mit seiner Aggression gehabt habe. Inzwischen sei er in der Lage, seine Probleme auf dem Wege der Kommunikation zu lösen. In der jüngeren Vergangenheit habe er allerdings ein Drogen-Problem gehabt, sagte die Gutachterin, die für eine Verurteilung des zur Tatzeit 19 Jahre und zwei Monate alten Angeklagten nach Jugendstrafrecht plädierte.

Diesem Vorschlag folgten sowohl Anklage wie Gericht. Wegen des Diebstahls von zwei Ringen verurteilte das Gericht den jungen Mann zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit und zur Teilnahme an einem Seminar der Jugendgerichtshilfe zur Frustbewältigung. Die Anklage-Vertreterin hatte 80 Arbeitsstunden und die Vorlage von schriftlichen Nachweisen der Bemühung um einen neuen Arbeitsplatz beantragt.

Lange Finger bei Kunden zu machen, das gehe überhaupt nicht, sagte Jugendrichter Joachim Filmer. Er empfahl dem Angeklagten, sich außerhalb des Landkreises um einen Platz zur Fortsetzung seiner Ausbildung zu bemühen. In der Region sei dies schwierig. Das Urteil ist nach Rechtsmittelverzicht rechtskräftig.

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