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Rinder bereiten dem Fluss den Weg

Renaturierung Rinder bereiten dem Fluss den Weg

Dank eines Renaturierungsprojektes suchen sich der Hatzbach und einer seiner Arme in der Nähe des Georgsteichs den Weg über eine Koppel. Grasende Rinder unterstützen die Suche.

Speckswinkel. 50 Jahre ist es her, dass Robert Fischbach während einer Flurbereinigung in der Nähe seines Heimatortes Holzhausen beim Vermessen half. Ziel war es damals, die Wirtschaft anzukurbeln. Die Dautphe habe sich idyllisch durch ein Tal geschlängelt. Während des Projektes wurde sie begradigt, sodass Ackerflächen entstanden, die einfach zu bewirtschaften sind.

Doch die Zeiten haben sich geändert, betonte der heutige Landrat, während er an einer renaturierten Koppel am Georgsteich stand. „Wir gewinnen neue Erkenntnisse, und die Welt wandelt sich“, ergänzte er und ließ sich von Dr. Ursula Mothes-Wagner, der Vorstandsvorsitzenden der Willy-Bauer-Naturschutzstiftung, und Gerhard Wagner, dem Leiter des Arbeitskreises Marburg-Biedenkopf der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, das Projekt erklären.

In einem Muldental zwischen Speckswinkel und Hatzbach vereinen sich drei Quellfäden des Hatzbach: Der Hatzbach, der Arm „Schwarze Grube“ und der Dönsbach. Letztere habe „strukturelle Defizite“ aufgewiesen und sei daher vor einigen Jahren naturnah umgestaltet worden, berichteten die Naturschützer. Diesen Ansatz verfolgten sie weiter und planten, einen ehemaligen Acker in Grünland umzuwandeln und dieses anschließend von Rindern beweiden zu lassen. Naturnahe Bäche seien schließlich die „Lebensadern unserer Kulturlandschaft“.

Inzwischen beweidet eine Herde Deutsch-Angus-Rinder mehrere Monate im Jahr lang die Koppel. Das Wasser sei für die Tiere kein Problem, erklärt Mothes-Wagner. Allerdings müssten sie sich noch etwas an das „rauere Futter“ der naturnahen Fläche gewöhnen, wirft Wagner ein.

Ein Auslöser des Renaturierungsprojektes waren Probleme bei der Oberflächenentwässerung. Diese gehören nun jedoch der Geschichte an. Die ersten Hochwässer seien durch das neue Gewässerbett geflossen und haben gezeigt, dass ihr Ansatz funktioniere, freute sich Wagner. Das Hochwasser habe die Koppel durchflossen, ohne Schaden zu hinterlassen und die Fläche wie gewünscht vernässt. Inzwischen seien die Erfolge deutlicher zu erkennen: „Im neuen beziehungsweise umgestalteten Bachbett treten Erosionen und Sedimentationen auf, die durch den Tritt des Weideviehs verstärkt werden. Und auf den Weideflächen selbst entstehen neue Vegetationsstrukturen, die zur Biotop- und Artenvielfalt beitragen.“ Sprich: Das Vieh bahnt dem Fluss den Weg und fördert die Natur.

Passend dazu entstand auf einer der beiden renaturierten Wiesen auch ein Stillgewässer. „Wir hoffen, dass der Laubfrosch dorthin kommt“, erklärt Uwe Krüger von der Unteren Naturschutzbehörde. Des Weiteren seien Vorkehrungen getroffen worden, um zu verhindern, dass sich ein ortsfremdes Springkraut weiter ausbreite.

Träger des Projektes sind die Willy-Bauer-Naturschutzstiftung als Grundeigentümer und der Arbeitskreis Marburg-Biedenkopf der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Finanziell unterstütz wurde das Projekt durch die untere Naturschutzbehörde des Landkreises und durch die Stadt Neustadt, die Flächen zur Verfügung stellte.

von Florian Lerchbacher

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