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Relikte des Kalten Krieges verschwinden

Sprengschächte Relikte des Kalten Krieges verschwinden

Wären die Truppen des früheren Warschauer Paktes aus Richtung Rauschenberg vorgerückt, wäre die Kreisstraße 12 durch Sprengungen zum Trümmerfeld geworden.

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In den Serpentinen der Kreisstraße 12 zwischen Burgholz und Rauschenberg verschwinden derzeit drei Sprengschächte. Ihre Deckel sehen denen von Kanälen durchaus ähnlich. Fotos: Rinde

Rauschenberg. Sie sind Relikte des Kalten Krieges, über Jahrzehnte hinweg fanden sie sich in Straßen, auf Brücken und sogar in Wäldern, die Sprengschächte. Drei von ihnen verschwinden derzeit auf Kreisstraße 12 zwischen Burgholz und Rauschenberg. Noch bis voraussichtlich Freitag ist die Serpentinenstrecke gesperrt. Die Schächte sind inzwischen mit Beton verfüllt, einst hätten sie rund 25 Kilogramm des Sprengstoffes TNT aufgenommen.

Heute und morgen verschwinden die Überbleibsel aus alter Zeit. Die Kreisstraße 12 galt während der Jahrzehnte des Kalten Krieges als eine exponierte Straße. Feindliche Verbände des damaligen Warschauer Paktes hätten ohne sie in den angrenzenden Wald ausweichen müssen. Jene Sprengschächte galten generell als „letzte Bollwerke“, um Feindverbände aufzuhalten.

Bei Sprengschächten war die Munition häufig in sogenannten „Sperrmittelhäusern“, kleinen Bunkern, in der Nähe gelagert. Das war bei der Kreisstraße 12 nicht notwendig. Denn die „Sperrmittel“ lagerten in Stadtallendorfer Kasernen, wären im Bedarfsfall von Pionieren herbeigebracht worden, wie ein Sprecher des Landeskommandos Hessen gegenüber der OP erläuterte. In der Bundeswehr gab es und gibt es eigens ausgebildete „Wallmeister“. In der Vergangenheit hätten sie Sprengungen vorgenommen, in der Gegenwart sind sie für Überprüfung und Beseitigung der Schächte und Sperranlagen verantwortlich. Die Zahlen zeigen, wie viele strategisch wichtige Punkte, Straßen oder Brücken, die Bundeswehr allein in der hiesigen Region für Sprengungen vorbereitet hatte: Bis in die 90er-Jahre hinein gab es 84 Sprengschächte. Aktuell sind es noch 24, allesamt natürlich seit Jahren außer Funktion. 22 dieser Schächte liegen im früheren Altkreis Marburg, 2 weitere im Altkreis Biedenkopf.

Laien denken zunächst an Kanalschächte

Für den Laien sind Sprengschächte übrigens kaum von den üblichen Kanaldeckeln zu unterscheiden. Ein Loch in der Mitte und Metallstreben weisen aber darauf hin, dass diese Deckel über besonderen Schachtanlagen lagen und liegen.

Sie werden Schacht für Schacht zurückgebaut. Das passiert im Regelfalle immer dann, wenn bei den betreffenden Straßen oder Brücken Sanierungen anstehen. Im Falle der Kreisstraße 12 ist das allerdings etwas anders: Bei einem der Schächte löste sich der Deckel, die Verkehrssicherheit war gefährdet. Deshalb lässt die Bundeswehr diese Schächte jetzt verfüllen und den Fahrbahnbelag rund herum erneuern. Das erledigt Hessen Mobil in Marburg im Auftrag des Bundes. Rund 10000 Euro kosten die Schacht- und Fahrbahnarbeiten. Außerdem lässt Hessen Forst noch einige Bäume am Fahrbahnrand entfernen. Hessenweit sind es immer noch 173 Sperranlagen, die Zug um Zug verschwinden werden. Bundesweit sind es nach Aussage des Landeskommandos Hessen aktuell noch rund 850, zu den Hochzeiten des Ost-West-Konfliktes existierten bundesweit 5787 Sperren.

Während der Bauarbeiten gilt für die Kreisstraße 12 eine Umleitung über Ernsthausen, Wolferode und Hatzbach.

von Michael Rinde

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