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Realität straft die Prognosen Lüge

Stadtallendorf Realität straft die Prognosen Lüge

Mitte April eröffnet in Stadtallendorf planmäßig eine zweite städtische Kindertagesstätte für Kinder unter drei Jahren. Dort schafft die Stadt damit weitere 60 U-3-Plätze

Stadtallendorf. Die Kinderbetreuung lässt sich die zweitgrößte Stadt im Landkreis mit mehr als 20000 Euro von jeher etwas kosten: Jüngste Beispiele waren die freiwillige Veränderung der Personalzuteilung für die Kindergärtengruppen oder der Neubau von zwei Kindertagesstätten im Iglauer Weg und aktuell im Kirchhainer Weg für Kinder unter drei Jahren („U3“).

Die beiden Neubauten ging die Stadt jedoch nicht ganz freiwillig an. Stadtallendorf musste die Zahl der „U3“-Plätze deutlich erhöhen, um die gesetzliche Vorgabe zu schaffen. Ab 1. August besteht der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren, Städte und Gemeinden müssen für 35 Prozent der „U3“-Kinder ein Betreuungsangebot bereithalten, sei in der Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter.

Darum galt auch in Stadtallendorf der Satz „Baggern für die Quote“. 120 „U3“-Plätze hat die Stadt damit allein durch ihre Neubauten geschaffen - und wird die Quote am Ende wohl doch verfehlen. Die Quote errechnet sich aus der Zahl der in der Stadt geborenen Kinder in der Zeit von 2008 bis 2012. Laut Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) gibt es derzeit für 572 Kinder einen Rechtsanspruch auf einen „U3“-Platz. Die Stadt wird aber ab Mitte April erst 167 Betreuungsplätze in den Kindergärten oder bei den sieben Tagesmüttern bereitstellen können. Das sind rechnerisch immer noch 33 Plätze zu wenig.

Doch Somogyi ist sich sicher: „Wir erfüllen die Quote zwar nominell nicht, sind aber trotzdem gut aufgestellt.“ Denn die Realitäten sprechen in Stadtallendorf momentan noch eine andere Sprache als die Zahlenprognosen. In der künftigen neuen Kindertagesstätte im Kirchhainer Weg sind derzeit sogar noch 25 Plätze frei. Somogyi und die zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung gehen aber davon aus, dass sich das bis zur Eröffnung noch ändern wird.

Außerdem sieht der Bürgermeister noch an anderer Stelle Kapazitäten: So wird in Hatzbach in Zukunft wohl eine „U3“-Gruppe mit zehn Plätzen zur Verfügung stehen. Bei Bedarf könne die Stadt auch kurzfristig noch Möglichkeiten beim Tagesmütter-Angebot.

Vor diesem Hintergrund fürchtet Stadtallendorfs Bürgermeister auch keine Schadensersatzklagen, wie sie nach dem Gesetz ab 1. August denkbar wären. „Wenn kurzfristiger Bedarf besteht, werden wir den auch decken können“, betont Somogyi im Gespräch mit der OP.

Doch wie sieht die längerfristige Entwicklung beim Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren aus? Somogyi setzt auf die Zusammenarbeit mit den freien Trägern, wie den christlichen Kirchengemeinden und dem „Weißen Stein“ aus Marburg.

Denn es zeichnet sich rein statistisch gesehen jetzt schon deutlich ab, dass Stadtallendorf in absehbarer Zeit freie Betreuungsplätze für Kinder über drei Jahren haben wird. Die Verwaltung ist mit den freien Kindergartenträgern im Dialog über zusätzliche altersgemischte Angebote. Das sind Gruppen, in denen sowohl Kinder unter drei Jahren als auch ältere Kinder betreut werden. Am Anfang der „U3“-Betreuung waren solche altersgemischten Gruppen ohnehin eher die Regel.

Derzeit gibt es in Stadtallendorf 638 Kindergartenplätze für Kinder über 3 Jahren. „Wir sind gut ausgelastet“, erläutert Dirk Schindler von der Stadtverwaltung. Einzelne freie Plätze existierten zurzeit lediglich noch in Hatzbach.

Ein anderes Problem, das drohte, hat die Stadtverwaltung inzwischen lösen können. Alle neuen Erzieherinnen-Stellen für die neue Kita Kirchhainer Weg sind besetzt. „Wir haben sogar noch eine kleine Nachrückerliste“, freut sich Somogyi. Angesichts der großen Nachfrage ist es für Städte und Gemeinden bundesweit schwieriger geworden, geeignete Erzieherinnen zu finden.

Doch das alles hat auch seinen Preis: Rund 450000 Euro hat die Verwaltung zusätzlich im Haushaltsentwurf für dieses Jahr für Personalkosten eingesetzt. „Einen adäquaten finanziellen Ausgleich für die Verpflichtungen, die wir zugewiesen bekommen haben, gibt es nicht. Und das ist für alle Städte und Gemeinden problematisch“, kritisiert Somogyi in Richtung Land und Bund.

Am 12. April plant die Stadt die Eröffnung der neuen Kindertagesstätte, ab 14 Uhr gibt es einen Tag der offenen Tür.

Anmeldungen für die neue Kindertagesstätte sind unter der Rufnummer 707-157 möglich.

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